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Hitze in Sachsen Wie Leipziger, die in Uniform arbeiten, die Hitze ertragen
Thema Specials Hitze in Sachsen Wie Leipziger, die in Uniform arbeiten, die Hitze ertragen
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16:27 26.06.2019
Tobias Kral, Wagenmeister im Steigenberger Hotel Leipzig, darf bei sommerlichen Temperaturen seinen Zylinder absetzen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Zumindest seinen Zylinder darf Tobias Kral an diesen warmen Tagen abnehmen. Ansonsten steht der Wagenmeister genauso vor dem Eingang des Steigenberger-Hotels in der Leipziger Innenstadt wie sonst auch. Er trägt Lederschuhe, lange Anzughose, Hemd mit Krawatte, Weste und einen langen Gehrock. „Man kommt bei jeder Bewegung ins Schwitzen“, berichtet Kral. Im Winter sei es deutlich einfacher, denn gegen die Kälte könne er sich mit einem dicken Mantel und Schal wappnen. Bei der Hitze helfe nur die gelegentliche Abkühlung im klimatisierten Eingangsbereich des Hotels.

Als Wagenmeister ist es sein Job, die anreisenden Hotelgäste zu begrüßen, Koffer in die Hand zu nehmen und bei der Organisation zu helfen. Die Berufsbezeichnung stammt noch aus der Zeit, als Hotelgäste in Kutschen angereist sind. Zumindest um Pferde muss sich der moderne Wagenmeister heute nicht mehr kümmern, er verweist auf die Tiefgarage am Augustusplatz. Einen Tipp hat der 43-jährige Kral für die ganz warmen Tage auch noch parat: „Ich trinke kalten Ingwertee mit Zitronensaft, das ist sehr erfrischend.“

Feuerwehrleute tragen beim Einsatz etwa 30 Kilogramm Gewicht

Auch die Beamten der Leipziger Polizei schwitzen in diesen Tagen, denn für sie gilt ganzjährig die Uniformpflicht. Lange Hose und Arbeitsschuhe gehören zur Kleiderordnung. Zumindest können sie auf kurzärmelige Hemden für ihre Uniformen zurückgreifen. „Kurze Hosen gibt es nur für die Fahrradstaffel“, erklärt Alexander Bertram von der Polizeidirektion Leipzig. Die Mütze ist auch an heißen Tagen Pflicht, für Streifenpolizisten gebe es aber auch eine leichtere Basecap. Besonders schwer haben es die Kollegen, die mit Schussweste unterwegs sind, denn die wiegt etwa zwei Kilogramm, berichtet der Polizeisprecher.

Wenn die Feuerwehrleute zu einem Einsatz ausrücken, tragen sie auch bei hochsommerlichen Temperaturen die schwere Uniform. Quelle: Feuerwehr Leipzig

Noch mehr Gewicht tragen Feuerwehrleute. Wenn sie sich zu einem Einsatz begegnen, tragen sie etwa 30 Kilogramm Gewicht – alleine das Atemschutzgerät wiegt dabei schon 17 Kilogramm. „Wir können es natürlich auch bei der Hitze nicht vermeiden, zum Einsatz zu fahren“, erklärt ein Sprecher der Leipziger Feuerwehr. Es werde aber darauf geachtet, dass immer genügend Trinkwasser in den Einsatzfahrzeugen bereit stehe. Die Gesundheit der Kameraden stehe im Vordergrund, deswegen könne der Einsatzleiter je nach Situation entscheiden, welche Geräte dringend mitgeführt werden müssen.

Arbeitsschutz sieht keine kurzen Hosen für Stadtreiniger vor

Die Beschäftigten der Leipziger Stadtreinigung sind ebenfalls dick eingepackt, wenn sie zur Arbeit gehen. Aufgrund des Arbeitsschutzes müssen sie immer geschlossene Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Kopfbedeckung sowie Latzhose und Warnweste tragen. Unter der Latzhose können die Mitarbeiter in dieser Jahreszeit jedoch T-Shirts aus Baumwolle tragen, wie eine Sprecherin erklärte. Kurze Hosen seien aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Die Gärtner der Stadtreinigung müssen bei jedem Wetter eine lange Latzhose tragen – Grund ist der Arbeitsschutz. Quelle: André Kempner

Auch das Arbeitsschutzgesetz sieht vor, dass draußen arbeitende Menschen vor direkter Sonne geschützt werden sollen. Dazu können Arbeitgeber etwa Sonnensegel spannen oder Schutzkleidung wie Mützen bereitstellen. Eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor oder kostenloses Wasser sollten bereit gestellt werden. Um die Augen zu schützen, sind Sonnenbrillen dringend empfohlen- langfristig droht sonst grauer Star.

In vielen Büros wird die Kleiderordnung gelockert

Für Büroangestellte kann ebenfalls ein Dress-Code gelten. Nicht alle Arbeitgeber sehen es gerne, wenn Angestellte bei warmen Temperaturen dagegen verstoßen, ernsthafte Konsequenzen bringt das jedoch nicht mit sich. Dennoch kann der Chef seine Angestellten auffordern nach Hause zu gehen und sich dort umzuziehen, wenn er die Kleidung für unangemessen hält. Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) hin. Viele Kleiderordnungen sehen aber von vorneherein Lockerungen bei Hitze vor: So dürfen Angestellte einiger Banken ab einer bestimmten Temperatur den oberen Hemdknopf offen lassen.

Von Pia Siemer

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