Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe Dresden Kunstraub im Grünen Gewölbe: Soko findet Spuren im Fluchtfahrzeug
Thema Specials Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe Dresden Kunstraub im Grünen Gewölbe: Soko findet Spuren im Fluchtfahrzeug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:15 11.12.2019
Gegen 5.10 Uhr brannten am Montag in einer Tiefgarage am Dresdner Elbufer mehrere Fahrzeuge. Eines davon war das Fluchtfahrzeug der Juwelendiebe. Quelle: Roland Halkasch
Anzeige
Dresden

Auch einen Tag nach dem spektakulären Juwelenraub aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden sind die Täter weiter auf der Flucht und fehlt vom geraubten Schatz jede Spur. Allerdings vermelden die Ermittler erste kleine Erfolge. Ein am Montagmorgen in Dresden sichergestelltes Autowrack sei tatsächlich der erste Fluchtwagen, teilte die eingesetzte Sonderkommission (Soko) „Epaulette“ am Dienstag mit. Es habe sich ein Hinweis bestätigt, „wonach die Täter mit einem Audi A6 vom Tatort flüchteten und diesen kurze Zeit später in einer Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße in Brand setzten.“

Im Fahrzeug seien inzwischen Spuren sichergestellt worden, so Kriminalrat Olaf Richter, Chef der 20-köpfigen Ermittlergruppe. Die Tiefgarage wurde vorübergehend abgesperrt und als Tatort deklariert. Im Umfeld des unterirdischen Parkplatzes wollen die Beamten jetzt nach weiteren Hinweisen suchen. Neben dem besagten Audi brannten am Montagmorgen drei weitere Fahrzeuge in der Tiefgarage.

Anzeige
Blick auf das Fahrzeug, das mit drei weiteren augebrannten Autos am Morgen des Einbruchs in der Tiefgarage gefunden wurde. Quelle: Roland Halkasch

Soko-Chef: Bisher keine Hinweise aus Befragungen

Genau 24 Stunden nach dem Einbruch waren am Dienstagmorgen Beamte der Dresdner Bereitschaftspolizei rings um das Residenzschloss unterwegs, um Passanten nach möglichen Beobachtungen vom Vortag zu befragen, so Soko-Chef Richter. Auch mit Gästen eines nahen Hotels sei gesprochen worden. „Entscheidende Hinweise ergaben sich aus den Gesprächen bislang nicht“, hieß es. Allerdings seien über andere Kanäle bisher 91 Informationen aus der Bevölkerung zum Einbruch eingegangen, die jetzt noch geprüft werden.

Die Behörden gehen zudem weiter davon aus, dass der Brand eines Stromverteilerkastens an der Augustusbrücke in unmittelbarer Nähe zum Residenzschloss mit dem Einbruch in Verbindung steht. Der Verteilerkasten sei mit Vorsatz in Brand gesetzt worden, in Folge dessen die Straßenbeleuchtung in der Umgebung des Tatortes ausfiel. „Insgesamt sprechen die Umstände für eine zielgerichtete und vorbereitete Tat“, so Soko-Chef Richter weiter.

Fotos der gestohlenen Schmuckstücke

Direktor: Vitrine ist ein Kampffeld

Die Untersuchungen im Historischen Grünen Gewölbe im Erdgeschoss des Residenzschlosses wurden am Dienstag unterdessen weiter fortgesetzt – weshalb eine abschließende Bestandsaufnahme dessen, was tatsächlich am Montag von den Tätern entwendet worden war, immer noch nicht stattfinden konnte. Tatsächlich belastbare Informationen dazu, wie viele der 94 Einzelteile der drei betroffenen Juwelengarnituren fehlen, werde es erst nach Abschluss der Tatortermittlungen geben, teilte die Soko mit.

Immerhin konnte sich Museumsdirektor Dirk Syndram am Dienstag ein erstes Bild von der Lage machen. Die Einbrecher hätten bei ihrer schnellen Flucht noch versucht, mit einem Feuerlöscher Spuren der Tat zu verwischen, sagte er. Davon seien leider auch einige der ausgestellten Perlen betroffen. Es müsse nun überprüft werden, „wie sie das überstanden haben“. Zur geplünderten Vitrine im Grünen Gewölbe meinte Syndram: „Leer ist sie nicht.“ Sie zeige „ein Kampffeld“. „Wir müssen schauen, wie wir sie auch wieder zum Glanz bringen können.“

Mehr zum Thema

Neben der Fahndung nach den Tätern muss auch noch geklärt werden, wie ein solcher Coup überhaupt gelingen konnte – trotz der Sicherheitsmaßnahmen. Wie Marion Ackermann, Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) am Dienstag erklärte, hätten sich die Museen bis zum Einbruch in ihre Schatzkammer Grünes Gewölbe sicher gefühlt. Ackermann und weitere leitende Angestellte verteidigten das bisherige Sicherheitskonzept. Es gebe in den Sammlungen mehrere Sicherheitszentralen, die mit jeweils zwei Personen rund um die Uhr besetzt seien. Pro Jahr würden für Sicherheit acht Millionen Euro ausgegeben. Die Anzahl der Ausbildungstage im Sicherheitsgewerbe seien erhöht worden. Die Ausgaben für Sicherheit stiegen zudem von Jahr zu Jahr.

Der kaufmännische Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Burghardt, verteidigte am Dienstag auch das Vorgehen des Sicherheitspersonals beim Einbruch. Einer der beiden Wachleute habe sich dafür entschieden, die 110 zu wählen anstatt den Alarmknopf zu drücken. Letzterer signalisiere nur, dass etwas nicht in Ordnung sei. Dank des direkten Drahts zur Polizei habe das Gespräch gleich aufgezeichnet werden können. Innerhalb „kürzester Zeit“ hat es laut Burghardt insgesamt drei Alarmierungen im Grünen Gewölbe gegeben. Die Täter hätten mit „brachialer Gewalt“ auf die Vitrine eingeschlagen. Angesichts dieser Situation habe sich der Wachmann dafür entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern die Polizei am Diensteingang in Empfang zu nehmen.

Blick auf das Residenzschloss in Dresden. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Das Residenzschloss, in dem mehrere Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) untergebracht sind, soll am Mittwoch wieder für Besucher öffnen. Die Ausstellung des „Historischen Grüne Gewölbes“, in dem die Juwelen gestohlen wurden, bleibt indes aber auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Portal der Polizei Sachsen für weitere Hinweise: sn.hinweisportal.de

Von Matthias Puppe / Tobias Schurig, dpa