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15:46 10.02.2017
Großmaschinen auf Kundenwunsch für unterschiedlichste Branchen machen den Löwenanteil der Produktion in der VEM Sachsenwerk GmbH aus. Getestet werden sie im 6-Megawatt-Prüffeld der Firma. Quelle: René Gaens

Tief liegende Einstiege gehören zu modernen Niederflurstraßenbahnen wie das Ei zur Henne. Die Technik fordert den Antrieben dennoch einige Besonderheiten ab. Mit denen kennen sich Ingenieure, Berechner und Motorenbauer der VEM Sachsenwerk GmbH bestens aus. Müssen die Traktionsmotoren doch sehr kompakt sein, um mit dem begrenzten Platz in den Drehgestellen der Bahn gut zurechtzukommen. Zum Vergleich: Ein Antriebsmotor mit derselben Leistung, wie ihn ein Motor für die neue XL-Bahn in Leipzig erbringt, wäre beim Einsatz in einer Industrieanlage anderthalb- bis zweimal so groß. Aber die Sachsenwerker können auf rund 110 Jahre Erfahrung allein beim Bau von Fahrmotoren zurückblicken. „Da gibt es keine Herausforderung, die wir nicht gemeistert hätten“, sagt Diplomingenieur Hans-Georg Becker. Er ist im Dresdner Traditionsunternehmen für den Vertrieb im Bereich Verkehrstechnik zuständig.

Der Fahrmotor für die XL-Bahn im Modell. Quelle: Abbildung: VEM Sachsenwerk GmbH

Acht Motoren treiben eine XL an

Die Antriebe für die 38 Meter lange XL-Bahn wurden als Drehstromasynchronfahrmotoren konzipiert. Jeder eigenbelüftete, mit Oberflächenkühlung versehene Motor hat eine Länge von 640 Millimetern und bringt 355 Kilogramm auf die Waage. Als Einlagermotor ist er über eine Membrankupplung direkt am Getriebe angeflanscht. Jedes der vier Triebdrehgestelle einer XL besitzt zwei Achsen, sodass die Bahn über acht angetriebene Radsätze verfügt. „Unsere hoch ausgenutzten Motoren sind für eine Dauerleistung von je 85 Kilowatt und eine Kurzzeitleistung von 115 Kilowatt ausgelegt“, erläutert Hans-Georg Becker. „Schließlich muss die Bahn auch bei voller Beladung, ansteigender Strecke und deutlicher Beschleunigung ohne Abstriche ihre Leistung erreichen.“

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Beim Berechnen und Designen der Motoren wurden zahlreiche Parameter berücksichtigt, darunter Beschleunigung, Bremsen, Achslast, Referenzgewicht oder Haltestellenabstand. Zudem muss die Motorwärme der eigenbelüfteten Antriebe auch dann noch ausreichend abgeführt werden, wenn dem Motor die höchste Leistung abgefordert wird und draußen 40 Grad herrschen. „Deshalb haben unsere Motoren eine hochwertige Isolation mit der Wärmeklasse 200, sind also für 240 Grad Celsius bei denkbar ungünstigen Bedingungen ausgelegt.“

Und noch etwas haben die Dresdner Ingenieure und Maschinenbauer mit Blick auf den großen Bruder XXL berücksichtigt: die Leipziger Verkehrsbetriebe sollen nicht zu viele unterschiedliche Ersatzteile vorhalten müssen. Wird ein Teil des neuen Motors ausgetauscht, was technisch relativ unkompliziert ist, können die Antriebe der jüngeren Schwester XL im Bedarfsfall auch für die bewährte XXL genutzt werden.

Insgesamt beläuft sich der Auftrag zur Produktion von Antrieben des VEM Sachsenwerkes insgesamt auf mehr als 320 Traktionsmotoren. In einem ersten Schritt liefern die Dresdner 112 Stück.

Fahrzeugflotten in vielen Ländern der Welt, darunter mehrere in Polen – hier die Warschauer Straßenbahn – sind mit Traktionsmotoren aus dem Sachsenwerk ausgestattet. Quelle: PESA

VEM-Motoren weltweit im Einsatz

Auftraggeber für das Sachsenwerk in Dresden ist die Firma Solaris Bus & Coach in Poznań. Da der Bau einer Straßenbahn immer ein Gemeinschaftswerk mehrerer Unternehmen ist, arbeitet die polnische Firma mit Partnern zusammen. So liefert das Sachsenwerk seine Traktionsmotoren an den Getriebehersteller. Der schickt sein Produkt an den Achshersteller zum Komplettieren. Dann ist der Drehgestellproduzent an der Reihe, der schließlich das gemeinsame Produkt zu Solaris Bus & Coach nach Poznań liefert. „Mit diesem Fahrzeughersteller haben wir schon Projekte umgesetzt, zum Beispiel im polnischen Olsztyn“, so Diplomingenieur Becker.

Fahrmotoren aus dem Sachsenwerk treiben Schienenfahrzeuge in Deutschland, Europa und vielen anderen Teilen der Welt an. In Leipzig fahren übrigens schon seit 1930 Straßenbahnen mit Sachsenwerk-Motoren. Darüber hinaus produziert das Sachsenwerk Großmaschinen als individuelle Antriebslösungen für unterschiedliche Branchen. Unter der Marke VEM laufen aktuell weltweit rund 30 Millionen Elektromaschinen. Sie treiben Schiffe, Stadt- und Vollbahnen, Chemieanlagen und Walzwerke an. Generatoren von VEM erzeugen Strom in Wasserkraft- und Windkraftanlagen.

red.

Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es unter www.vem-group.com

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