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Legida Legida-Demo im Waldstraßenviertel – Hooligan-Band auf der Bühne
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Legida und Proteste
09:17 09.01.2017
Legida-Aufmarsch am 7. November.
Legida-Aufmarsch am 7. November. Quelle: Knofe
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Leipzig

Leipzig steht am Montag erneut ein Abend mit vielen Demonstrationen bevor. Die rechtspopulistische und fremdenfeindliche Initiative Legida will ihr zweijähriges Bestehen im Waldstraßenviertel begehen, wird dabei auch in Sichtweite des jüdischen Zentrums Ariowitsch-Haus vorbeimarschieren. Sowohl Legida als auch diverse rechtsextreme Organisationen mobilisieren seit Tagen im Internet für die Veranstaltung in Leipzig.

Jahrestag des Angriffs auf Leipziger Szeneviertel

Zuletzt hatte Legida zwar nur noch wenig Zulauf, allerdings finden Kundgebung und Demo zum Jahrestag ein Jahr nach dem Angriff von rechtsradikalen Hooligans in Connewitz statt - die parallel zum ersten Legida-Jahrestag in der Wolfgang-Heinze-Straße im Szene-Viertel schwere Verwüstungen hinterlassen hatten. Legida will am Montagabend eine Auftaktkundgebung vor der Red Bull Arena abhalten. Das Programm für die Veranstaltung war bisher unklar. Am Sonntag kündigten die Organisatoren auf ihrer Facebookseite allerdings an, dass erneut die Band „Kategorie C“ auftreten wird.

Die rechte Musikgruppe, die den Zusatz „Hungrige Wölfe“ trägt, wurde vom Bremer Verfassungsschutz im Jahr 2014 als „rechtsextremistische Hooligan-Band“ bezeichnet. Beim Legida-Aufmarsch vor einem Jahr trat bereits der Kategorie C-Sänger Hannes Ostendorf unter dem Jubel von zahlreichen angereisten Hooligans auf der Legida-Bühne in Leipzig auf.

Breites Bündnis will sich rechtem Aufmarsch entgegenstellen

Gegen den rechten Aufmarsch hat sich wiederum ein breites Protestbündnis aus Gewerkschaften, Parteien und Privatpersonen formiert, mehrere Demos und Kundgebungen sind geplant. Unter anderem will auch die Berliner Punk-Band ZSK, die sich mit den Toten Hosen und den Ärzten bei dem Projekt „Kein Bock auf Nazis“ engagiert, an den Gegendemonstrationen teilnehmen.

Vom Ordnungsamtes hieß es später, dass Beschränkungen von Seiten der Versammlungsbehörde nur möglich seien, wenn konkrete und gerichtlich nachprüfbare Tatsachen vorlägen, „die eine nicht anders zu beherrschende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bedeuten“. Die Stadt Leipzig äußerte sich am Sonntag nicht zu einem möglichen Kategorie C-Auftritt. Im Internet sorgte die Ankündigung von Legida am Sonntag allerdings für Empörung.

Ephraim-Carlebach-Stiftung übt Kritik

Erneut Kritik gab es zudem an der vom Ordnungsamt genehmigten Legida-Route, die nur wenige Meter entfernt vom jüdischen Kulturzentrum Ariowitsch-Haus stattfinden wird. Laut dem ehemaligen Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff stößt die Strecke auf Unverständnis bei der Ephraim-Carlebach-Stiftung, die sich der Erforschung und Darstellung des jüdischen Lebens in Leipzig widmet. Es sei unakzeptabel dass die Stadt Leipzig den offen mit fremdenfeindlichen und menschenverachtenden Parolen auftretenden Legida-Vertretern immer wieder Laufrouten genehmigt, die zweifellos bewusst und provokant ausgewählt sind“, wurden Vorstand und Geschäftsführung der Stiftung am Sonntag zitiert.

Verkehrsbehinderungen am Montagabend

Wegen der Legida-Demonstration und dem Gegenprotest wird es entlang der Routen am Montag ab 17.30 Uhr zu Verkehrseinschränkungen kommen. Laut Stadt wird zusätzlich zur Sperrung der Aufzugsroute von Legida ab 18:30 Uhr die Leibnizstraße zwischen Jahnallee und Emil-Fuchs-Straße gesperrt. In Abhängigkeit von der jeweiligen Einsatzlage ist eine Zufahrt ins Waldstraßenviertel für Anwohner über die Goyastraße möglich. Insbesondere im Waldstraßenviertel können die Verkehrsbeeinträchtigungen bis rund 22 Uhr andauern. Zudem weist die Stadt auf die wegen der Legida-Demonstration verfügten Halteverbote hin.

LVZ