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Leipzig-Geschichten Dias und Farbfotos zeigen die bunte Seite der Stadtgeschichte
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23:39 05.02.2016
Messetag im Jahr 1963 Quelle: Steffen Schwanke
Leipzig

Rot, blau, weiß und grün scheint das wehende Fahnenmeer vor dem Eingang zur alten Messe. Die Menschen auf dem Foto tragen ihre besten Sonntagskleider. Elegante schwarze Limousinen parken entlang der Leninstraße, die heute Prager Straße heißt und die alten Straßenbahnen spucken Trauben von Messebesuchern aus. Es ist eine seltene Farbaufnahme von einem Messetag im Jahr 1963, die LVZ-Leser Steffen Schwanke im Archiv seines Großvaters fand. Für das Buchprojekt Leipzig-Album hat er sie herausgesucht. Seit vergangenem Donnerstag ist sie auf im sozialen Netzwerk Facebook zu sehen und löst dort bei zahlreichen Betrachtern freudige Erinnerungen aus.

Zahlreiche Farbfotos die uns Leser zugesendet haben zeigen die bunte Seite der Leipziger Vergangenheit.

Mit Blick auf die Haltestelle vor dem Messegelände denken etwa Karin Knir und Elke Rothe gerne an die alte Bimmel zurück. Michael Hänel weiß noch, dass sich die Türen der Niederflurwagen während der Fahrt öffnen ließen und Ingo Paul fügt hinzu, dass man abspringen konnte. Karin Grießbach wiederum erinnert sich an den Messebetrieb. Sie arbeitete in der Halle 17 und meint: „Das Gelände der alten Messe war ein Mikrokosmos mit einem ganz besonderen Flair.“

An einen Ausschnitt des früheren Leipziger Nachtlebens erinnert ein Bild von Gerd Schniebs. Bei Dunkelheit fotografierte er das Kino Capitol im Petershof. Rot und blau scheint die Leuchtreklame auf die dunkle Petersstraße, zieht die Menschen an, die schemenhaft zum Kinoeingang gehen. Heute wird das Lichtspieltheater von vielen Lesern schmerzlich vermisst. Mancher erinnert sich an seine Jugendweihe dort, andere denken an die Filme, die sie gesehen haben.

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Doch die farbigen Fotos der Leser beleuchten nicht nur die schönen Seiten des alten Leipzigs. Sas unterscheidet sie von den Bildern, die im Auftrag der DDR-Regierung angefertigt wurden. Jens Langpeter etwa schickte eine Aufnahme aus den 1960ern von der Ruine des zweiten Gewandhauses, das einmal gegenüber der Universitätsbibliothek in der Mozartstraße stand. Der Bau aus der Gründerzeit wäre wohl durchaus zu retten gewesen, meinen einige Kommentatoren und kritisieren den damaligen Staat dafür, kein Geld für die Sanierung gehabt zu haben. Andererseits bemerkt Leserin Coco Line, dass zur gleichen Zeit in Westdeutschland noch viel schlimmere Bausünden begangen wurden. „Man schaue sich die autogerechte Stadtarchitektur der 1950er bis 70er Jahre dort an. Wesentlich mehr Unversehrtes wurde platt gemacht und stattdessen Beton und Leuchtwerbung hingepflastert.“ Auch die Leipziger tun sich oft schwer mit jüngeren Neubauten wie dem dritten Gewandhaus. Nancy Töpfer etwa findet den Bau am Augustusplatz „einen hässlichen Klotz“. Doch der besitze „neben der Berliner Philharmonie die beste Konzertsaal-Akustik weltweit“, hält Dieter Kleeberg dagegen. Ein eindeutiges Urteil ist hier wohl nicht möglich. Die Vergangenheit war eben nicht schwarz-weiß.

Clemens Haug

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Senden Sie uns gerne Ihre alten Fotoerinnerungen an Leipzig per E-Mail an lesermarkt@lvz.de (Betreff: „Leipzig Album “) oder per Post an die Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft mbH & Co. KG, Vertrieb & Marketing, „Leipzig Album“, Peterssteinweg 19, 04107 Leipzig.