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Buchmesse-News Tierpathologe schreibt über das stille Leiden der Haustiere
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LVZ Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse 2019
14:53 26.03.2019
Tierpathologe Achim Gruber auf der Leipziger Buchmesse. Quelle: Kerstin Decker
Leipzig

Er kennt die dunkle Seite der Haustierhaltung und macht laut auf dieses Elend aufmerksam: Auf der Leipziger Buchmesse hat Achim Gruber, Leiter des Instituts für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, am Wochenende sein Sachbuch „Das Kuscheltierdrama“ vorgestellt. „Auf dem Seziertisch sehe ich, wie wir unsere besten Freunde zu Tode lieben. Weil wir sie züchten und halten, wie es den Menschen gefällt, und nicht, wie es gut für sie wäre“, lautet der Kernpunkt seiner Kritik.

Hygieneregeln werden vernachlässigt

Buchcover "Das Kuscheltierdrama" von Prof. Achim Gruber, Droemer Verlag Quelle: Covergestaltung: Zero Werbeagentur

Das Verhältnis des Menschen zum Haustier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten Richtung „Kuscheltier“ verändert. „Früher hieß es: Hände waschen, nachdem man den Hund angefasst hat“, erinnert sich der 52-Jährige. Heute sitzt der Hund mit am Tisch, und Hygieneregeln werden vernachlässigt. Eine Reihe von Erregern – Viren, Bakterien, Parasiten, Pilze – können dadurch vom Hund auf den Menschen übertragen werden. Würmer wie Spulwurm oder Fuchsbandwurm können als Spätfolge zu Leberkrebs führen. Würmer wie Augen-, Zungen-, Haut- oder der gefürchtete Herzwurm werden von Hunden aus Asien oder Afrika eingeschleppt – dort genügt der Stich einer Mücke oder Bremse, um sich zu infizieren. „Deutschland ist aufgrund der Globalisierung dabei, ein Herzwurmland zu werden“, warnt der Tierarzt. Vorbeugen kann der Tierhalter durch korrekte und regelmäßige Entwurmung seines Hundes.

Taubheit als Zucht-„Nebenwirkung“

Aber auch in Richtung der Züchter geht Grubers Kritik. So seien 54 Hunderassen, unter anderem der Dalmatiner, von Taubheit betroffen. Diese „Nebenwirkung“ entsteht bei der Zucht des für Menschen besonders schönen Fells. Besonders kurznasig gezüchtete Hunde wie Mops, Shi-Tsu, Französische oder Englische Bulldogge können bei Hitze ihre Körpertemperatur nicht ausgleichen und sterben im schlimmsten Fall. Als Folge der gewünschten „Kurzköpfigkeit“ können die Augen herausfallen, wenn man einen Hund im Nacken packt, so dass das Tier lebenslang blind ist. Ähnliches gelte für Katzen und Kaninchen.

Hände weg von Extremformen

„Die Züchterwelt ist sehr gespalten. Viele sind vernünftig, andere uneinsichtig. Letzendlich werden aber nur solche Hunde gezüchtet, die auch gekauft werden“, appeliert der Professor auch an die Vernunft der Tierkäufer. „Bitte suchen Sie sich nicht die Extremformen der Zucht aus!“ Am Umgang mit Tieren wird deutlich, wie eine Gesellschaft mit Schutzbefohlenen oder Minderheiten umgeht, so der Pathologe. Eine entsprechende Gesetzgebung, die Qualzuchten verbietet, sei zwar vorhanden, werde aber nur langsam umgesetzt.

Von Kerstin Decker

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