Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Ausstellungen Künstlerinnen der GEDOK Leipzig intervenieren zur Leipziger Stadtgeschichte
Thema Specials Leipziger Museen Ausstellungen

Altes Rathaus Künstlerinnen intervenieren zur Leipziger Stadtgeschichte

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Schau!, das Leipziger Museumsportal - eine Sonderveröffentlichung von LVZ.de
16:56 01.10.2020
Antje Brodhun (Leiterin Kulturamt Leipzig), Dr. Anselm Hartinger (Direktor Stadtgeschichtliches Museums Leipzig) und Michaela Weber (GEDOK Mitteldeutschland e.V.) in der Ratsstube des Alten Rathauses vor der künstlerischen Arbeit "ABARBEITEN" (Verstrickte Stadtratsvorlagen) von Mandy Gehrt. Quelle: Julia Liebetraut
Leipzig

Traditionell erzählen in den historischen Räumen des ersten Obergeschosses im Alten Rathaus zahlreiche Gemälde und Kostbarkeiten aus vielen Jahrhunderten die Geschichte Leipzigs. Aber eigentlich ist es fast immer nur die eine Hälfte der Geschichte! Kurfürsten und Könige, Ratsherren und Bürgermeister, Professoren, Komponisten und Dichter – und kaum eine Frau darunter …

20 Künstlerinnen aller Sparten – bildende, angewandte und darstellende Kunst, Musikerinnen, Schriftstellerinnen, Performerinnen, Videokünstlerinnen – der GEDOK Mitteldeutschland füllen nach einem Jurywettbewerb einige dieser „Leerstellen“ mit künstlerischen Mitteln und Fragestellungen. Sie regen dazu an, das Altbekannte und Vertraute neu zu befragen und anders zu sehen.

Anzeige

Profilierte Persönlichkeiten der Geschichte neben unbekannten Frauen

Dabei ist das Themenspektrum genauso breit wie die künstlerischen Herangehensweisen. Die Bildsprache reicht von der intimen Zeichnung über Fotografie, Malerei und Installation bis zu Klang-Projektionen. Subtile Andeutungen stehen neben der provokanten Rückeroberung allzu lang Männern vorbehaltener Positionen. Es werden profilierte Frauen der Kulturgeschichte in Erinnerung gerufen wie die Theater-Reformerin Friederike Caroline Neuber oder die Astronomin Marie Cunitz.

Daneben werden die vielen unbekannten Frauen gewürdigt, ohne deren meist unbezahlte Arbeit Geschichte gar nicht hätte stattfinden können – Hebammen, Großmütter und Mütter, Diakonissen und viele mehr. Erinnert wird auch an dunkle Seiten der Geschichte, die auch hier im Rathaus verhandelt wurde: Hexenverfolgung, Todesurteile, Femizide.

Zum Thema:

Altes Rathaus: Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Kontakt ...

Mehr News und aktuelle Ausstellungen der Leipziger Museen

„Eine wahrhaftige und empathische Stadtgeschichte für morgen setzt unser aller Neugier und Offenheit voraus. Und sie erfordert den solidarischen Blick für unterrepräsentierte Themen und Akteure auch der Leipziger Historie. Der bevorstehende Umbau der historischen Festsaal-Etage des Alten Rathauses ist da für uns eine Chance, mit einer künstlerischen Intervention experimentell eine Bresche in die allzu männlich dominierte Präsentation zu schlagen und so die Möglichkeiten für künftig stärker multiperspektivische Erzählungen zu erkunden“, erklärt Museumsdirektor Dr. Anselm Hartinger.

„Für die Künstlerinnen und Mitstreiter*innen der GEDOK Mitteldeutschland ist dies eine besondere Möglichkeit, neben der künstlerischen Herausforderung, besonders den inhaltlichen Fokus ihres jahrelangen Engagements für die Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft zu lenken. Diese Verbindung ist einzigartig, denn meist passiert die inhaltliche Arbeit im Hintergrund, in Gremien, Netzwerken, Foren usw. Die Themen unserer jährlichen Projekte und Ausstellungen widmen sich natürlich auch diesen Themen. Doch in diesem Fall ist die künstlerische Intervention am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, kurz vor der geplanten Modernisierung des Museums, uns damit hoffentlich ein Impuls für die weitere Überarbeitung der musealen Geschichtsaufarbeitung.“, so Michaela Weber, Projektverantwortliche der GEDOK Mitteldeutschland e.V.

Begleitet wird die Ausstellung von verschiedenen Veranstaltungen. Interessierte haben so zum Beispiel die Möglichkeit, im Rahmen der Reihe „Museum after Work_Künstlerinnen-Talk“ und bei der „Künstlerinnen-Begegnung“ mit den teilnehmenden Künstlerinnen und Ulrike Dura, der Kuratorin für Kunstgeschichte am Stadtgeschichtlichen Museum ins Gespräch zu kommen.

UNERZÄHLT UND UNBEZAHLBAR: Künstlerinnen der GEDOK Leipzig intervenieren zur Leipziger Stadtgeschichte. Sonderausstellung vom 30. September. bis 29. November 2020 in den historischen Räumen des Alten Rathauses.

Von PM/red.