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10:52 26.09.2019
Blick in die Bürgerausstellung "Umbruch-Stücke und Wende-Momente" des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig Quelle: SGM
Leipzig

Im Herbst 1989 geriet nach langem Stillstand ein ganzes Land in Bewegung. Auf Straßen, Plätzen, in Klassenzimmern und Konzertsälen wurde demonstriert und diskutiert; in Fabrikhallen, Amtsstuben und Wohnzimmern mit zunehmendem Mut und unablässiger Kreativität um die künftige Ausrichtung der Gesellschaft gerungen.

Diese Ereignisse sind Weltgeschichte und werden auch 30 Jahre danach vielfach begangen und gedeutet. Wie aber erlebten Leipziger Bürgerinnen und Bürger ganz konkret diese Wochen und Monate zwischen Repressionsangst und Freiheitshoffnung? Was haben sie auf den Demonstrationen getragen, endlich legal lesen und hören dürfen und auf ihrer ersten Westreise erworben? Welche Objekte haben sie auf dem rasanten Veränderungsweg vom vormundschaftlichen Staat in die nicht immer nur als sozial erlebte Marktwirtschaft begleitet? Woran hielten sie sich fest zwischen Aufbruchswillen, Sorge um den eigenen Arbeitsplatz und Ankunft in neuen bürokratischen Regularien? Was symbolisiert für sie noch heute den Zauber des Neubeginns und den Moment, als unverrückbare Mauern und Gewissheiten ins Wanken gerieten und die Zukunft einen historischen Moment lang völlig offen lag?

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Die aus einem Sammlungsaufruf hervorgegangene Bürgerausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig möchte diesen „Umbruch-Stücken“ und „Wende-Momenten“ Raum geben, die Erinnerung an die Friedliche Revolution wieder stärker mit dem alltäglichen Erleben der Stadtgesellschaft verbinden. Hier werden Alltagsgegenstände zu Zeitzeugen und subjektive Geschichten zu einer vielstimmigen Erzählung des Wandels.

Auswahl einiger Objekte der Bürgerausstellung

Wendehandschuhe 

„Wendehandschuhe“ Exponat der Bürgerausstellung "Umbruch-Stücke und Wende-Momente" des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig Quelle: SGM

Diese Handschuhe strickte Annelie Gerewitz auf Wunsch ihrer damals 15-jährigen Tochter. Sie wollte damit ihre Forderung nach Wiedervereinigung von Bundesrepublik und DDR ausdrücken. Die Wiedervereinigung sahen viele als einen Weg, die Probleme der DDR zu lösen. Die ersten Demonstrationen setzten sich jedoch vorrangig für Veränderungen in der DDR und nicht für die Abschaffung des Staates ein. Dies schuf Konfliktpotential auch innerhalb der Opposition.

Kostümierung „Freiheitsstatue“ 

Die Fotografie zeigt den damals 49-jährigen Helmut Schramm in voller Liberty-Kostümierung. Quelle: privat

Die Insignien – Krone, Fackel, Inschriftentafel – der weltbekannten Freiheitsstatue im Hafen New Yorks sind vom Demonstrationsteilnehmer Helmut Schramm für das Mitlaufen bei einer Montagsdemonstration Anfang des Jahres (zusammenfallend mit der Karnevalssession) 1990 aufgegriffen und angepasst worden, um mit ihrem großen Symbolcharakter zu unterstreichen, worum es geht: Freiheit! Die Inschriftentafel, im Original mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, hat er mit dem Datum 9. 10. 89 beschriftet als Fingerzeig auf den Tag der größten Montagsdemonstration und den entscheidenden Punkt des nicht mehr aufzuhaltenden Umbruchs.

Transparent und Fotografie eines demonstrierenden Vaters mit Tochter

Vater und Tochter Eßbach auf der Montagsdemonstration vom 30. Oktober 1989 (li) und in einer Nachaufnahme von 1999 Quelle: privat

Das aus einem ausgemusterten Bettlaken und zwei alten Stöcken am Nachmittag vor der Demonstration am 30. Oktober 1989 selbst gebastelte Transparent haben der Sozialarbeiter Jens Eßbach und seine damals fünfjährige Tochter Franziska hergestellt.

Reformen für die Schule als Forderung der Erneuerung und Ent-Ideologisierung des Schulsystems war für Familie Eßbach zu diesem Zeitpunkt ein großes Thema, da die Einschulung Franziskas im Herbst 1990 bevorstand. Jens Eßbach selbst erinnert sich an die Demonstration am 30. Oktober mit Wohlwollen: „Es war eine eher fröhliche Demonstration, die heiße Phase war ja schon vorbei.“ Das Foto, das Franziska Eßbach mit in die Luft gerecktem Transparent auf den Schultern ihres Vaters bei der Montagsdemonstration zeigt, ging über den Pressedienst dpa um die Welt. Mit einer Nachaufnahme von 1999, in den Händen das Originaltransparent, ist es zudem im Buch „WendeWände“ erschienen.

Umbruch-Stücke und Wende-Momente: Eine Bürgerausstellung zur Friedlichen Revolution 1989; seit dem 19. September 2019 im 2. OG im Alten Rathaus

Von PM/red.

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