Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Ausstellungen Leipziger Kunst von 1900 bis 1945
Thema Specials Leipziger Museen Ausstellungen Leipziger Kunst von 1900 bis 1945
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Schau!, das Leipziger Museumsportal - eine Sonderveröffentlichung von LVZ.de
15:27 12.12.2019
Max Seliger , Nackte Männer am Waldrand, 1897 (Ausschnitt) Quelle: PUNCTUM
Leipzig

Leipzig um 1900: Die Stadt wuchs innerhalb von dreißig Jahren von 101.272 auf 456.000 Einwohner. In dem Jahr wird die Kunstakademie in Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe umbenannt. Max Seliger übernimmt ein Jahr später den Rektorenposten.

Die neu berufenen Professoren – wie Hugo Steiner-Prag, Georg Belwe und Walter Tiemann – bestärken die Verbindung zum Verlagswesen. Das Künstlerhaus am Nikischplatz eröffnet. Unter der Federführung des Leipziger Künstlervereins bietet es Raum für Ausstellungen und Ateliers. Es setzt ein Zeichen, dass Leipzig mehr ist als „nur“ Musikstadt.

Hier lebt und arbeitet eine Vielzahl von Kunstschaffenden. Von ihnen ist im 1858 auf dem Augustusplatz eröffneten Städtischen Museum Leipzig (heute MdbK) allerdings nicht viel zu sehen. Der hier agierende Kunstverein, der im Haus über eine eigene Ausstellungsfläche verfügt, versucht dem entgegenzusteuern und den Kunstschaffenden so auch eine materielle Existenz in der Stadt zu schaffen.

1900 bis 1918: Von der wachsenden Stadt bis zur Novemberrevolution

Mit Arbeiten von: Rüdiger Berlit, Hans Domizlaff, Eugen Hamm, Franz Hein, Thomas Theodor Heine, Mathieu Molitor, Felix Pfeifer, Arnold Schmidt-Niechold, Carl Seffner, Max Seliger, Will Semm, Hugo Steiner-Prag.

Nach der Jahrtausendwende wächst Leipzig immer weiter. Bis 1914 entwickelt sich die Stadt dank Eingemeindungen und stetiger Industrieansiedlung zur viertgrößten Metropole hinter Berlin, Hamburg und München.

Führend ist die Messestadt nicht nur im Buch-, Musikalien- und Rauchwarenhandel, sondern sie gilt auch als Hochburg der organisierten Arbeiterbewegung. 1907 wird das Arbeiter-Bildungs-Institut gegründet.

Im Ersten Weltkrieg verhält sich die Heimatfront keineswegs ruhig. Frauen stürmen im Leipziger Westen Butterläden. Gleichzeitig produzieren Unternehmen wie die HASAG, Bleichert, Schumann & Co, Stöhr & Co oder Grohmann & Frosch für die Rüstungsindustrie.

Die Innenstadt veränderte sich grundlegend. Seit der Einführung der Mustermesse 1895 entstanden überall neue Messehäuser, denen das barocke Leipzig weichen musste.

Die Kunstschaffenden gründen den Verein Leipziger Jahresausstellung, um einmal im Jahr eine Ausstellung mit großer Beteiligung von Nicht-Leipzigern zu organisieren. Die erste Ausgabe 1912 überzeugt durch ein „Bekenntnis zur Moderne“, die so im Museum nicht zu finden war.

Der Erste Weltkrieg zeigt seine Spuren im Kunstfeld. Expressionistische Formsprache kombiniert sich hier mit religiösen Anleihen.

1919 bis 1928: Vom Aufbruch in eine neue Zeit bis zur Weltwirtschaftskrise

Mit Arbeiten von: Oskar Behringer, Hildegard Domizlaff, Eduard Einschlag, Willi Geiger, Abraham Jaskiel, Käthe Kollwitz, Walter Münze, Marianne Oppelt, Max Schwimmer, Elisabeth Voigt, Fritz Zalisz

Walter Münze, Alfred Frank, 1921, Tempera und Öl auf Hartfaser, © Walter Münze Quelle: PUNCTUM / Alexander Schmidt

Im Januar 1919 veröffentlicht das „Leipziger Tageblatt“ einen Artikel des Verlagsbuchhändlers Gustav Kirstein mit dessen Neujahrswünschen für das Museum. Er fordert freien Eintritt, mehr Leipziger Kunst und Zeitgenossenschaft. In der Folge melden sich Kunstkritiker und auch der Museumsdirektor selbst. Der Kunstverein reformiert sich. Bis in die zwanziger Jahre bleibt der Eintritt frei.

Aber der Ruf des Museums ist nicht unbedingt glänzend. Max Schwimmer beschreibt es 1922 in „Der Drache“ als „kläglichsten Bilderhaufen Mitteleuropas. Immer an der Kunst vorbei. Das Museum vermittelt nur Ewigkeitsschinken. Leipziger Kunst. Man friert bei diesen zwei Worten. Kunst und Kitsch. Die wenigen Künstler fristen ein erbärmliches Dachkammerdasein. Man lässt sie verkommen oder auswandern.“

Ab 1924 gibt das Arbeiter-Bildungs-Institut das Magazin „Kulturwille“ heraus. Darin finden die Museumsausstellungen Platz. Zudem werden Führungen für die Arbeiterschaft im Museum angeboten.

Zwei Jahre später präsentiert der Kunstverein als Vereinsblatt „Mutter mit Kind (obdachlos)“ von Käthe Kollwitz. Erfüllt wurde damit die Forderung von Adolf Behne, Mitglied des Arbeiterrates für Kunst in Berlin, dass sich das besser situierte Publikum mit wirklichkeitsbezogener Kunst konfrontieren soll.

Die schlechte wirtschaftliche Lage der Kunstschaffenden führt 1927 zur Juryfreien Kunstausstellung. Hier zeigen 240 Kunstschaffende über 1.000 Werke. Die Stadt stellt Gelder zum Ankauf für städtische Einrichtungen zur Verfügung.

1929 bis 1933: Krisenjahre

Mit Arbeiten von: Gerhard Bettermann, Alfred Frank, Karl Krug, Trude Massloff-Zierfuss, Kurt Massloff, Karl Nolde, Hans Rossmanit, Friedrich Schmidt-Bellinger, Max Schwimmer, Grete Tschaplowitz-Seifert, Emil Zbinden

Friedrich Schmitz-Bellinger, Komposition mit roter Kugel, 1930 Quelle: InGestalt/Michael Ehritt

1929 gründet sich die lokale Asso-Gruppe. Bis 1933 gehören ihr etwa 25 Mitglieder an. Der Großteil der Mitglieder stammt aus dem Arbeitermilieu und sie studierten im Abend- und Direktstudium an der Kunstakademie, sind Teilnehmer der Volkshochschulkurse, die Alfred Frank und Walter Münze leiten, oder von der Marxistischen Arbeiterschule.

Frank prägt das Motto der Gruppe: Kunst ist keine Berufsfrage, sondern Willensausdruck des Gefühls. Wichtig ist nicht die Professionalisierung des Künstlersubjekts, sondern der soziale und politische Zusammenhalt der Gruppe. Kritik richtet sich gegen die „bürgerlichen, verbeamteten“ Künstler und ihren Stillleben und Darstellungen von nackten Frauen anstelle der Wirklichkeit. Leipzig verzeichnete 1932 100.000 Arbeitslose.

1929 tritt Werner Teupser den Direktorenposten an und gestaltet die Dauerausstellung zeitgemäßer. Im Obergeschoss sind die Bildwerke von 1420 bis 1900 und im Erdgeschoss neben Arbeiten von Max Klinger Kunstwerke des Expressionismus und der Gegenwart zu sehen. Karl Lilienfeld stellt dem Museum bis 1932 seine Kunstsammlung mit zeitgenössischen Werken zur Verfügung.

1933 bis 1945: Nationalsozialismus

Mit Arbeiten von:Walter Arnold, Arno Drescher, Franz Ehrlich, Rudolf Lipus, Fritz Kempe, Wilhelm Maaß, Ruth Meier, Rudolf Oelzner, Luise Rudolph, Doris Rücker, Walter Tiemann, Helmuth Tschörtner, Karl Walther, Kurt Voss

Im April 1933 wird das Gesetz zur Wiedereinführung des Beamtentums eingeführt und Professoren an der Kunstakademie wie Willi Geiger oder Hugo Steiner-Prag entlassen. Dem Vorstandsmitglied im Kunstverein – dem Verlagsbuchhändler Gustav Kirstein – dankt der Kunstverein und entlässt ihn im Juli aus den Ämtern. So sieht sich der Verein für den „Umbruch“ gerüstet.

Verlagsbuchhändler Fritz Lampe-Vischer schenkt dem Museum 1933 die Büste „Adolf Hitler“ von Hedwig Maria Ley – dabei handelt es sich um die erste von der NSDAP autorisierte HitlerDarstellung. Das Hochbauamt überweist im April 1936 über 300 Plastiken, Gemälde und Grafiken – darunter Arbeiten von ehemals in der Asso agierenden Kunstschaffenden – an das Museum. Zur Registrierung der Arbeiten führt das Museum das Verwahrbuch ein.

Innerhalb der Aktion „Entartete Kunst“ 1937 kommt es zur Beschlagnahmung von fast 400 Kunstwerken aus der Museumssammlung, unter anderem von den Leipziger Künstlern Oskar Behringer, Rüdiger Berlit, Gerhard Bettermann, Eduard Einschlag, Willi Geiger, Eugen Hamm, Max Schwimmer und Fritz Zalisz.

Zum Thema:

MdbK Leipzig: Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Kontakt...

Mehr News und aktuelle Ausstellungen der Leipziger Museen

1939 lässt das Museum die Namen der Spender Max Abraham, Hermann Aron Meyer, Friedrich Nachod und Wilhelm Breslau abdecken. Ein Jahr später plant das Museum die „Einweihungsfeier der von Herrn Oberbürgermeister gekauften Kunstwerke aus nichtarischem Besitz“ – meint Ölbilder und „die Fülle von Klingerzeichnungen und Grafiken, die Frau Kirsteins Besitz waren“.

Der Oberbürgermeister Alfred Freyberg kauft für das Museum aber auch „Der Handgranatenwerfer“ von Rudolf Lipus oder die Büste „Der Führer“ von Walter Zschorsch. Der ehemalige Oberbürgermeister Carl Goerdeler schenkt 1940 dem Haus das Bild „Ziehende Herde“ von Kurt Voss möglicherweise mit Hintergedanken.

Viele Arbeiten, die in den Leipziger Kunstausstellungen bis 1943 gezeigt werden, widmen sich Landschaften, Stillleben und Stadtansichten. Bei der Großen Deutschen Kunstausstellung in München von 1937 bis 1944 sind Leipziger Kunstschaffende regelmäßig vertreten – so Walter Arnold, Rudolf Lipus, Wilhelm Maaß oder Alfred Thiele. Künstlerische Arbeiten aus der Haft von Franz Ehrlich und Alfred Frank gelangen erst Jahrzehnte nach 1945 in die Sammlung.

Am 4. Dezember 1944 zerstören Bomben das Museumsgebäude.

Sammlung im Blick. Leipziger Kunst von 1900 bis 1945, 12. Dezember 2019 bis 16. Februar 2020 im MdbK Leipzig

Von PM/red.

Die Fotothek des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig beherbergt einen Schatz von über 140.000 Fotografien. Darunter befinden sich knapp 5800 Aufnahmen aus dem Atelier Hermann Walter. Eine Auswahl ist jetzt erstmals öffentlich zu sehen.

03.01.2020

Die vom Industriekultur Leipzig e. V. initiierte Kunstausstellung „Der optimierte Mensch. Momente der Industriekultur in der bildenden Kunst“ im MdbK Leipzig ist ein lokaler Beitrag zum „Sächsischen Jahr zur Industriekultur 2020“.

12.12.2019

In der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) Leipzig ist für den Zeitraum von einem Jahr ein begehbares Archiv als Ausstellungs-, Forschungs- und Vermittlungsraum installiert.

10.12.2019