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Ausstellungen „Boomtown“Leipzig: Die Entwicklung der Industrie in 360 Grad
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Boomtown Leipzig - Kunstkraftwerk zeigt die industrielle Entwicklung in 360 Grad

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08:02 09.09.2020
Das Kunstkraftwerk Leipzig präsentiert die immersive Videoshow “Boomtown“. Quelle: Luca Migliore
Leipzig

Leipzigs Westen war – und ist – seit mehr als 150 Jahren einem ständigen Wandel ausgesetzt und hat maßgeblich zum rasanten Erstarken der Stadt im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert beigetragen. Im Mittelpunkt von “Boomtown” stehen folgerichtig die Stadtteile Lindenau, Plagwitz und Schleußig, deren Entwicklung von Dörfern vor der alten Stadtmauer hin zum städtischen Industriestandort anhand von authentischem Bild- und Filmmaterial gezeigt wird.

Orte, die heute Heim für die Kreativwirtschaft, Freizeitwirtschaft oder gar für Familien und Kinder sind, waren vor nicht allzu langer Zeit noch erfüllt von Hitze, Lärm und Ruß. Die Wurzeln vieler aktueller Widersprüche sind in der mehr als 20-minütigen Videoshow zu sehen.

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Die Besucherinnen und Besucher des Kunstkraftwerks können hier die Transformation des Leipziger Westens durch die Augen von vier fiktiven zeitgenössischen Personen erleben.

Die Besucher erleben eine Immersion voll mit Orten, Plätzen und Gebäuden aus ihrem Lebensalltag, erblicken sie aber in ihrer industriellen Ursprünglichkeit. Quelle: Luca Migliore

Eine Anwohnerin und ein Unternehmer erinnern sich an die einsetzende Urbanisierung und Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sie veranschaulichen die Umgestaltung ihres Wohnortes und das geschäftliche Treiben vor der Haustür.

Entscheidend dafür waren die radikalen Maßnahmen Dr. Karl Heines zur Entwässerung und Regulierung der Flüsse Pleiße und Weiße Elster, seine Pläne zur Bebauung und dem Aufbau einer modernen Infrastruktur im Leipziger Westen. Unternehmer und Unternehmen wie Rudolf Sack, Mey & Edlich, Moritz Mädler, die Gebrüder Brehmer, Meier & Weichelt sowie die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. dienen als bebilderte Beispiele für das geschäftliche Treiben.

Zum Thema:

Kunstkraftwerk Leipzig: Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Kontakt...

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Ein Arbeiter gewährt Einblicke in den von Klassenkampf und politischen Wirren geprägten Alltag vor dem Zweiten Weltkrieg, sei es bei der schweren körperlichen Arbeit in der Fabrik als auch nach Schichtende. In dem von Inflation, Weltwirtschaftskrise, hoher Arbeitslosigkeit und politischer Radikalisierung geprägten Jahrzehnt durchlebt er unsichere Zeiten. Leipzigs Westen war am Puls der Zeit, als Industriegemeinde und Arbeiterviertel, als Ort der sozialen Bewegungen und der politischen Kundgebungen, als Ausflugsziel und Freizeitoase.

Den emanzipatorischen Wandel in der DDR und die neue Rolle der Frau im ostdeutschen Staat wird durch die Augen einer Kranführerin des VEB Kirow Leipzig gezeigt. Die tägliche Herausforderung der Vereinbarkeit von beruflicher Weiterentwicklung und Verantwortung als Mutter ist in der Immersion zu sehen. Authentische Fotografien zeigen das Arbeitsleben in der DDR und rücken mit Schnappschüssen von Brigaden, Betriebssportgruppen, Betriebskindergarten auch sozio-kulturelle Aspekte in den Fokus. “

Ausstellungsimpression "Boomtown" Quelle: Luca Migliore

Die Zeitreise durch die Stadtgeschichte des Leipziger Westens wird von der italienischen Immersionskünstlerin Ginevra Napoleoni in Szene gesetzt und mit Musik des italienischen Komponisten Lorenzo Pagliei untermalt. Napoleoni und ihr KUBA-Team von Digital Artists (Francesca Scarponi, Valerio Ciminelli) haben bereits mit der im Januar 2020 präsentierten Videoshow “Invisible Cities” sowie im Jahr 2016 mit „Werk in Progress“ für großes Aufsehen bei Besuchern des Kunstkraftwerks als auch in den Fachmedien in und außerhalb Leipzigs gesorgt.

Die Künstler um Napoleoni konnten mit einer Vielzahl historischer Abbildungen, Karten und Plänen arbeiten. Historische Postkarten, holen bekannte Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele wie den Felsenkeller, den Palmengarten oder Charlottenhof aus ihren Gründungsjahren ins Jetzt.

Der Komponist Lorenzo Pagliei ließ sich von dem verwendeten historischen Bildmaterial von der Visualisierung inspirieren und arbeitete mit musikalischer Untermalung und authentischen Geräuschen, wie zum Beispiel das Glockengeläut der Philippuskirche in Lindenau/ Plagwitz, aus direkter Umgebung ein.

Für die wissenschaftliche Betreuung von “Boomtown” ist Anne Dietrich, Promovendin der Universität Leipzig, zuständig. Sie betrieb umfangreiche Archivarbeiten und Quellenstudien, mehr als ein halbes Jahr hat sie für die Materialsichtung aufgewendet. So recherchierte sie unter anderem im Sächsischen Wirtschaftsarchiv, im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig und dem Leibniz Institut für Länderkunde.

Mit „Boomtown“ präsentiert das Kunstkraftwerk Leipzig erstmals eine eigene Produktion. Die 20-minütige Immersion ist ein Beitrag zum Jahr der Industriekultur in Sachsen.

Von PM/red.