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13:28 17.07.2019
Dan Chamizer in der Ausstellung "L'dor v'dor – Von Generation zu Generation. Familie Chamizer aus Leipzig" im Stadtgeschichtlichen Museum. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Name Chamizer ist heute in Leipzig nahezu vergessen. Dabei hatte Raphael Chamizer einst eine gut gehende und bekannte Arztpraxis und bildete sich in seiner Freizeit autodidaktisch zum Bildhauer aus. Bereits drei Jahre später, im Jahr 1927, konnte er seine erste Ausstellung im Museum der bildenden Künste realisieren. 1938 mussten die Chamizers allerdings nach Israel emigrieren. Das Stadtgeschichtliche Museum am Böttchergäßchen erzählt nun in einer kleinen Studioausstellung die Geschichte der Familie, die sich als Künstlergeneration in Israel fortsetzt.

Ausstellung "L’dor v‘dor – Von Generation zu Generation – Familie Chamizer aus Leipzig"; Familie Moritz Chamizer, 1899 Quelle: privat / Stadtgeschichtliches Museum

In der Schau „L’dor v‘dor – Von Generation zu Generation. Familie Chamizer aus Leipzig“, die am Dienstagabend während der Jüdischen Woche 2019 öffnete, werden bisher unzugängliche Kunstwerke und Fotografien vorgestellt. Dan Chamizer, der als Konzeptkünstler im Künstlerdorf Ein Hod bei Haifa lebt und arbeitet, schenkte der Stadt sogar fünf originale Künstlerbücher seines Vaters Immanuel. „Leipzig war bei uns nahezu jede Minute präsent“, sagte der 72-Jährige, der gerade mal ein Jahr alt war, als sein Vater als Soldat im arabisch-israelischen Krieg ums Leben kam. Dan Chamizer ist selbst Künstler, aber auch ein bekannter Fernseh- und Radiomoderator für Quizsendungen in seiner Heimat. Die Künstlerbücher seien ein „Leipziger Schatz“, betonte er, welchen er den Leipziger Bürgern zurückgeben möchte. Entstanden sind diese wie das „Märchen vom modernen Mann“ zwischen 1928 und 1932 in Leipzig und auf Reisen. Darin enthalten sind Aquarelle, Drucke oder auch Zeichnungen. Die Texte und Gedichte weisen eine erstaunliche Weitsicht und Reife des damals noch jugendlichen Immanuels auf. „Sie sind zeitkritisch, ironisch, manchmal auch satirisch“, lobte Ulrike Duras, die Kuratorin der Schau.

Raphael Chamizer in seinem Leipziger Bildhaueratelier um 1935 Quelle: Rubin Maas

Die Chamizers lebten bis 1938 in ihrer Heimatstadt Leipzig, emigrierten unter dem Verfolgungsdruck der Nationalsozialisten – Raphael verlor 1935 die kassenärztliche Zulassung – nach Israel. „Wir können nichts ungeschehen machen. Aber eine besondere Leipziger Geschichte erzählen“, betonte Anselm Hartinger, der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums. Dabei legt die Studioschau ihren Schwerpunkt auf die künstlerische Arbeit der Familie. Von Raphael Chamizer sind Skulpturen zu wie Lilo und Idiot zu sehen, von seinem anderen Sohn Gideon Keramik. Enkel Dan Chamizer drehte eigens für die Ausstellung ein Künstlervideo, inspiriert von seiner Familiengeschichte.

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Er ist Gast zur Jüdischen Woche, zu der die Stadt Leipzig erneut 80 ehemalige jüdische Leipziger und deren Nachfahren eingeladen hat. Diese Tradition gibt es bereits seit 1992. Da viele Zeitzeugen aus Altersgründen nicht mehr oder nur in Begleitung nach Leipzig reisen können, wurde das Programm bereits vor Jahren auf die Kinder und Enkel der Zeitzeugen erweitert. Fast 1000 Besucher, die dies als Mosaikstein bei der Recherche zur eigenen Familiengeschichte und Bestandteil der Aufarbeitung des erlittenen Unrechts nutzen, waren schon hier, hieß es. „In diesem Netzwerk schlummern noch viele Geschichten, die wir gern erzählen möchten“, so Gabriele Goldfuß, die Referatsleiterin Internationale Zusammenarbeit. Auch mit weiteren Ausstellungen.

Geöffnet ist die Studioschau bis 11. August 2019 (verlängert bis 15. September 2019)

Von Mathias Orbeck

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