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Martin Kippenbergers vergessene Metro-Stationen im MdbK

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15:09 04.06.2021
Albrecht Fuchs, Martin Kippenberger, METRO-Net, U-Bahn-Station Leipzig, 1997 /2020.
Albrecht Fuchs, Martin Kippenberger, METRO-Net, U-Bahn-Station Leipzig, 1997 /2020. Quelle: © Albrecht Fuchs, Köln
Leipzig

Martin Kippenberger, der mit nur 44 Jahren 1997 in Wien früh verstarb, gehört, zu den wichtigsten und innovationsfreudigsten Künstlerinnen und Künstlern der 1980er und 1990er Jahre. Er selbst inszenierte sich gerne als Enfant terrible und Partyschreck der deutschen Kunstszene.

Zugleich war er aber auch ein Künstler, der mit romantischer Veranlagung die Stille und Einsamkeit zur kreativen Stimulans benötigte.

Sein Lebenswerk wurde seit seinem Tod in zahlreichen Ausstellungen an bedeutenden Museen weltweit gewürdigt. Die Ausstellung im MdbK ist die erste, dem Künstler gewidmete institutionellen Personalausstellung in Sachsen. Sie präsentiert mehr als 100 Exponate, darunter Modelle und nahezu sämtliche Zeichnungen des Künstlers zum Komplex Metro-Net, außerdem umfangreiches Dokumentationsmaterial seiner Weggefährten*innen, wie zum Beispiel unveröffentlichte Baupläne des Architekten Lukas Baumewerd und Fotografien von Albrecht Fuchs und Elfie Semotan.

Darüber hinaus wird eine Auswahl Künstlerplakate von Martin Kippenberger aus dem Zeitraum 1977 bis 1997 gezeigt.

Das Projekt „Metro-Net“

Anfang der 1990er Jahre entwickelte Martin Kippenberger die Idee, ein weltumspannendes U-Bahn-Netz zu errichten: Metro-Net. Es gehört zu den faszinierendsten Projekten des Künstlers, das jedoch durch seinen frühen Tod nur in Ansätzen verwirklicht werden konnte. 1993 wurde der erste U-Bahn-Eingang in Hrousa, einem Dorf auf der griechischen Insel Syros, eröffnet. 1995 erhielt diese Station einen Ausgang, der knapp 9.000 km entfernt in der ehemaligen Goldgräberstadt Dawson City in Kanada lag.

Martin Kippenberger, Metrostation Syros , 1993 Quelle: © Michel Würthle Archiv, Berlin

Für die Funktionstüchtigkeit dieses Streckenabschnitts, der Europa mit Nordamerika verband, sollten ein oder mehrere Lüftungsschächte errichtet werden. Erstmals wurde ein solcher Lüftungsschacht während der Skulptur Projekte Münster im Sommer 1997 temporär in Betrieb genommen.

Zur selben Zeit war auf der documenta X in Kassel ein transportabler U-Bahn-Eingang ausgestellt und auf dem neuen Leipziger Messegelände kurz zuvor ein weiterer U-Bahn-Eingang errichtet worden.

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Seitdem fällt Kippenbergers Metro-Net-Projekt mangels kuratorischer Betreuung auseinander. Der Erhaltungszustand des Auftaktbaus auf einem Privatgrundstück in Hrousa ist ungewiss, die Metrostation in Dawson City wurde 2009 abgebaut und in Leipzig staute sich knietief das Grundwasser bis die Station Anfang 2021 in Stand gesetzt wurde.

Martin Kippenberger. Metro-Net; Sonderausstellung vom 21. Mai bis 15. August 2021 im MdbK Leipzig

Von LMG/PM