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Ausstellungen Impressionismus in Leipzig 1900–1914: Max Liebermann
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10:18 20.02.2020
Max Liebermann: Selbstbildnis mit Küchenstillleben, 1873, Kunstmuseum Gelsenkirchen Quelle: Martin Schmüdderich Fotografie
Leipzig

Die weitgehend in Vergessenheit geratenen Personalausstellungen von Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth, die der Leipziger Kunstverein im Museum zwischen 1904 und 1911 ausrichtete, werden in der aktuellen Ausstellungsreihe rekonstruiert und zu den Gemäldeankäufen des Museums aus jener Zeit in Beziehung gesetzt.

Die frühen Ausstellungsdaten belegen, dass Leipzig ein wichtiger Vermittlungsort impressionistischer Kunst war – zumindest aus Sicht der führenden Galerien im deutschen Kaiserreich: Ernst Arnold in Dresden und Paul Cassirer in Berlin. Sie zogen auf Einladung des Leipziger Kunstvereins in die Räume des Museums ein, um Verkaufsausstellungen unter anderem mit Liebermann, Slevogt und Corinth durchzuführen.

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Inwieweit Liebermann, Slevogt oder Corinth impressionistische Maler oder Wegbereiter der Moderne waren, ist nicht Thema der Ausstellung. Vielmehr soll der Aufbruch Leipzigs zu einer modernen Großstadt vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges nachgezeichnet werden.

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Ausgehend von den rekonstruierten Ausstellungen werden historische Querschnitte gelegt, deren Spannweite von Nachrichten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Sport oder Kriminalität bis hin zur Wetterprognose reicht.

Was heute angesichts der tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen durch die digitalen Möglichkeiten schnell vergessen wird: Leipzig hatte im Vergleich zu heute mehr Tageszeitungen, Verlagshäuser und Großunternehmer, ein größeres Theater-, Varieté-, Tanz- und Konzertangebot und mindestens genauso so viele Gaststätten, Café-Häuser und Hotels. Aber auch eine große, wenn nicht gar höhere Anzahl von Selbstmorden, tödlichen Verkehrs- und Arbeitsunfällen sowie Vergewaltigungen, Morden und anderen Verbrechen.

Vor diesem breitgefächerten sozialgeschichtlichen Hintergrund treten die einst in Leipzig zum Verkauf angebotenen Gemälde von Liebermann, Slevogt und Corinth in Erscheinung.

Schweinemarkt in Haarlem (2. Fassung), 1894, Hessisches Landesmuseum Darmstadt Quelle: Wolfgang Fuhrmannek

So handelt die Ausstellung auch von erfolgreichen Galeristen, in Vergessenheit geratenen Privatsammlern, zerstrittenen lokalen Künstlervereinigungen und verpassten Ankaufschancen für das MdbK.

Das hier veranstaltete Gesellschaftsspektakel Kunst war von einer erstaunlichen Schnelligkeit: Im monatlichen Wechsel wurden unter extrem beengten räumlichen Verhältnissen bis zu vier künstlerische Positionen gleichzeitig gezeigt, jährlich waren 50 und mehr Ausstellungen zu sehen.

Die aktuelle Ausstellung Impressionismus in Leipzig 1900–1914 gliedert sich in drei Teile und sieht für jeden Künstler eine Ausstellungsdauer von drei Monaten vor, wobei sich die Laufzeiten bewusst überschneiden.

Teil I: Max Liebermann

Max Liebermann (1847–1935) wäre, wenn er dem Wunsch seines Vaters gefolgt und sein Chemie-Studium abgeschlossen hätte, nicht einer der bedeutendsten deutschen Maler geworden. Vergleichbar mit dem zehn Jahre jüngeren Max Klinger gehörte er einer Künstlergeneration an, die mit den realistisch-naturalistischen Malströmungen des 19. Jahrhunderts aufwuchsen, später die impressionistischen Maltechniken aus Frankreich weiterentwickelten und letztendlich in ihrem Spätwerk ab 1912 von den expressionistischen und abstrakten Avantgarde-Strömungen überrollt wurden. Mit seinen sozialkritischen Bildthemen aus der modernen Arbeitswelt und dem bäuerlichen Alltag galt er in den Kunstsalons als „Maler der Häßlichen“. Erst ab 1900, mit knapp 50 Jahren, hellt sich unter dem Einfluss des Impressionismus seine Farbpalette auf. Die autonome Landschaft, das bürgerliche Porträt dominieren sein Schaffen – ganz im Sinne des weltzugewandten Impressionismus.

Impressionismus in Leipzig 1900–1914. Liebermann Slevogt Corinth; Teil 1: Max Liebermann; 24. November 2019 bis 16. Februar 2020 im MdbK Leipzig

Teil 2: Max Slevogt, 17. Januar bis 19. April 2020

Teil 3: Lovis Corinth, 26.Februar bis 1. Juni 2020

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog im E. A. Seemann Verlag, Leipzig, hrsg. von Marcus Andrew Hurttig und Alfred Weidinger, mit Beiträgen von Marcus Andrew Hurttig, Birgit Brunk, Dietulf Sander und Conny Dietrich. Die Publikation mit 192 Seiten enthält 109 farbige und 36 s/wAbbildungen und ist in Buchhandel und Museumsshop für 30 € erhältlich. ISBN 978-3-86502-425-1

Von PM/red.