Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Ausstellungen Vor den Masken: Retrospektive des Leipziger Malers Norbert Wagenbrett
Thema Specials Leipziger Museen Ausstellungen Vor den Masken: Retrospektive des Leipziger Malers Norbert Wagenbrett
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Schau!, das Leipziger Museumsportal - eine Sonderveröffentlichung von LVZ.de
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
10:40 14.05.2020
Norbert Wagenbrett, Vor den Masken (Ausschnitt), 2019, Privatbesitz, © VG Bild-Kunst Bonn 2020 Quelle: MdbK Leipzig
Leipzig

Der Leipziger Maler Norbert Wagenbrett (*1954) setzt sich in seiner Malerei seit Anfang der 1980er Jahre ausschließlich mit dem menschlichen Antlitz auseinander. Ein Bildnis ist für ihn mehr als die Reproduktion einer Person, es ist die Visualisierung seines verborgenen Wesens, das er mit malerischen Mitteln erkennbar macht.

Die Wurzeln seiner hyperrealistischen Malerei liegen in der sozialkritischen, exakten Wahrheitssuche der Neuen Sachlichkeit und sind durch seinen Werdegang geprägt: Nach einer Lehre zum Offsetretuscheur studierte Wagenbrett an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Rink, Wolfgang Peuker, Volker Stelzmann und Sighard Gille. Ausgestattet mit dem handwerklichen Rüstzeug entwickelte Wagenbrett einen unverwechselbaren Malstil.

Anzeige

Es ist ein sonderbarer Verismus, der den Betrachter*innen in seinen Bildnissen entgegentritt und an dem sich das Auge nicht sattsehen kann. Die stilistischen Gründe hierfür sind vielfältig. Wagenbrett malt nicht wie ein Fotorealist, obgleich auch er konturlinienbetont und nicht formauflösend arbeitet. Der glatte und zugleich kräftig deckende Farbauftrag erinnert an die Pop- Art, eine typisierende Schablonenmalerei findet jedoch nicht statt.

Zum Thema

MdbK Leipzig: Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Kontakt...

Mehr News und aktuelle Ausstellungen der Leipziger Museen

Wagenbrett hat einen Sonderweg eingeschlagen. Seine zumeist im ungewöhnlichen Format des Kniestücks angelegten Bildnisse sind nicht vor abstrakten Gründen, sondern in einen Innenraum oder in die Landschaft gesetzt. Modell und umgebender Raum bedingen sich gegenseitig und ermöglichen eine tiefergehende soziale Kontextualisierung.

Der Künstler verzichtet bewusst auf eine wirklichkeitsgetreue Übereinstimmung mit dem Modell. Die perspektivischen Gesetze werden zugunsten der Bedeutungsperspektive unmerklich aufgeweicht. Die individuellen Merkmale von Händen, Nasen, Augen und Mündern, die vermeintlich den Charakter einer Person wiederspiegeln, werden betont.

Auch der Raum bleibt in diesem Zusammenhang nicht unangetastet. Abweichend von der Seherfahrung wird er im Verhältnis zum Modell verengt, als hochgeklapptes Phänomen ohne Tiefenwirkung oder genau umgekehrt mit extremer Sogwirkung durch stürzende Fluchtlinien dargestellt. Die Folgen dieser Überzeichnungseffekte sind eine Psychologisierung des Bildes.

Norbert Wagenbrett hat sich mit all seiner kreativen Lebenskraft dem Humanismus verschrieben. Seit Anfang der 1980er Jahre setzt er sich in seiner Malerei ausschließlich mit dem menschlichen Antlitz auseinander. Ausgestattet mit dem handwerklichen Rüstzeug, das ihm die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig währendseines zweijährigen Grundstudiums von 1977 bis 1979 vermittelte, konnte Wagenbrett einen unverwechselbaren Malstil entwickeln, der bereits in seinen ersten Bildnissen von 1984, mit denen er in Ausstellungen bekannt wurde, nahezu vollständig entfaltet vorlag.

Die kunsthistorischen Vorbilder liegen für Wagenbrett in der Malerei der Neuen Sachlichkeit, allen voran Max Beckmann (1884–1950). Wichtiger als die Benennung der Vorbilder ist jedoch die Fragestellung, warum sich Wagenbrett zur Fortschreibung der Porträtmalerei gerade von dieser magisch-veristischen Stilrichtung inspirieren lässt.

Mit Vexierbildern vergleichbar changieren Wagenbretts Bildnisse zwischen Einzelform und Typus, zwischen Zeitlosigkeit und Zeitgeist. Daher beinhalten auch die meisten Bildtitel nicht den vollständigen Namen der Porträtierten. Etwas Allgemeingültiges soll sich herausbilden: authentische Repräsentationsbilder einer modernen Gesellschaft.

Die Publikation zur Ausstellung erscheint im Juni 2020. Die ca. 80 Seiten enthalten Beiträge von Richard Hüttel und Marcus Andrew Hurttig sowie zahlreiche Farbabbildungen. Der Band wird im Buchhandel und im Museumsshop für ca. 20 € erhältlich sein.

NORBERT WAGENBRETT: VOR DEN MASKEN, 07. Mai–16. August 2020 im MdbK Leipzig

Von PM/red.

Anzeige