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News Callenberger Altar im Leipziger Grassi Museum nach 150 Jahren wieder vereint
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10:11 17.01.2017
Der berühmte Callenberger Altar ist wieder vollständig und im Grassi Museum für Angewandte Kunst ausgestellt.
Der berühmte Callenberger Altar ist wieder vollständig und im Grassi Museum für Angewandte Kunst ausgestellt. Quelle: Esther Hoyer/PF
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Der ursprünglich aus der Kirche des kleinen sächsischen Ortes Callenberg bei Waldenburg stammende "Callenberger Altar", ein 1512/13 geschaffenes Hauptwerk des bedeutenden spätgotischen Bildschnitzers Peter Breuer gelangte um 1860 in das Schloss Hinterglauchau. 1901 verkaufte die gräfliche Familie Schönburg-Glauchau den Schrein des Altars an das Leipziger Kunstgewerbemuseum (Grassimuseum), während die demontierten Flügel in Glauchau verblieben.

Nach in jüngster Zeit erfolgter Restitution der Seitenflügel an die Familie von Schönburg-Glauchau bot diese die geschnitzten und bemalten Flügel dem Grassi Museum für Angewandte Kunst zum Erwerb an und eröffnete damit die Chance, das Gesamtwerk wieder zu komplettieren. Der Ankauf gelang im Jahr 2016 mit großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Sächsischen Landesmuseumsstelle und einer privaten Spende.

Geschichte und Bedeutung des Callenberger Altars

Die beiden Flügel stammen, wie der Schreinkasten mit seinen Figuren, aus der Werkstatt von Peter Breuer (um 1470 bis 1541), einem der bekanntesten Bildschnitzer der Spätgotik in Mitteldeutschland. Der Wandelaltar besteht aus einem Mittelschrein mit drei Figuren und einem beweglichen Flügelpaar. Die Flügel sind entsprechend ihrer Funktion beidseitig gestaltet und verfügen über eine Werktags- und eine Festtagsseite. Auf der Werktagsseite befinden sich Malereien, die je Flügel je zwei übereinander angeordnete Szenen aus dem Leben der Heiligen Katharina zeigen: einmal ihre Bekehrung zum Christentum und das Martyrium der Heiligen, auf der anderen Seite die Verbrennung heidnischer Gelehrter und die Enthauptung Katharinas.

Diese Malereien stammen von einem für Breuer tätigen Maler, der entsprechend der Szenen auf den Callenberger Flügeln den Notnamen "Maler der Katharinenlegende" erhielt. Auf ihrer dem Schreinkasten zugewandten Festtagseite zeigen die Flügel die halbplastisch geschnitzten und gefassten Figuren der Apostel Petrus und Paulus. Auf einem niedrigen Sockel stehen sie vor einem teils bemalten, teils aufwändig geschnittenen und vergoldeten Kreidegrund und werden vom geschnitzten Schleierbrett überfangen.

Mit dem Betreiben einer eigenen Werkstatt in Zwickau um das Jahr 1504 begann Breuer seine Werke zu signieren und meist auch zu datieren. Auch im Fall der Flügel des Callenberger Altars sind Zuschreibung und Datierung eindeutig: auf der Tafelwand hinter den Figuren Petrus und Paulus befinden sich in Tusche geschrieben der Name Breuers sowie die Jahreszahlen 1512 und 1513.

Der Altar befand sich ursprünglich in der Kirche St. Katharinen in Callenberg bei Waldenburg, die in den 1850er Jahren abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Um 1860 erwarben die Patronatsherren, die Grafen Heinrich und Alban von Schönburg den gesamten Altar für die Kapelle ihres Schlosses Hinterglauchau. Da er für die beengte Kapellenapsis zu groß war, wurde er in seine Einzelteile demontiert - die beiden Altarflügel verblieben im Besitz der Familie von Schönburg-Glauchau und wurden in der Schlosskapelle aufbewahrt. Der Schreinkasten mit den drei Figuren wurde dagegen im Jahr 1901 an das Kunstgewerbemuseum Leipzig verkauft. Seit der Wiedereröffnung der Dauerausstellung des Museums Ende 2007 konnte ausschließlich der Schreinkasten in der Ständigen Ausstellung präsentiert werden.

Schnitzfiguren: Peter Breuer und Werkstatt
Malerei: "Maler der Katharinenlegende", Zwickau, dat.1512/1513
Linde, geschnitzt, gefasst, teilweise vergoldet; Temperamalerei
Rechter Flügel: hl. Paulus. Werktagsseite: die Verbrennung heidnischer Gelehrter (oben); die Enthauptung der hl. Katharina (unten)
Linker Flügel: hl. Petrus. Werktagsseite: die Bekehrung der hl. Katharina zum Christentum (oben); das Martyrium der hl. Katharina (unten)

Der Callenberger Altar ist im Grassi Museum für Angewandte Kunst zu sehen.

PM