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News Katzen-Mumie und Götter-Figuren auf Reisen – der Leihverkehr im Ägyptischen Museum
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11:16 07.08.2019
Geht für den Leihverkehr oft auf Reisen: Karl Heinrich von Stülpnagel, der Chefrestaurator des Ägyptischen Museums in Leipzig, mit der Darstellung einer „Beset“, einer weiblichen Form des Gottes Bes. Quelle: André Kempner
Leipzig

Leipziger Forscher sind bei spektakulären Ausgrabungen in Ägypten dabei. So gräbt ein Team um den Leipziger Wissenschaftler Dietrich Raue regelmäßig in Heliopolis, dem religiösen Zentrum im alten Ägypten. Was da passiert, wird das Ägyptische Museum ab Mitte Januar 2020 in einer Sonderschau zeigen. Nur: Originale Fundstücke dürfen aus Ägypten nicht ausgeführt werden – noch nicht einmal Materialproben.

Deshalb behilft sich das Museum damit, drei Statuetten sowie zwei Stelen und einen Pfeiler auszuleihen. Die stammen aus früheren Grabungen in Heliopolis, gehören zu den Sammlungen des Ägyptischen Museums in Berlin. „Die würden wir so ohne Weiteres nicht bekommen – doch wir haben uns einen guten Ruf und Draht erarbeitet. Die Museen helfen sich gegenseitig“, sagt Karl-Heinrich von Stülpnagel. Der Chefrestaurator des Leipziger Museums ist derzeit gut damit beschäftigt, den Leihverkehr zwischen verschiedenen Einrichtungen zu organisieren. Oft eine sehr aufwändige Angelegenheit.

Fruchtbare Kooperation mit Nationalmuseum Prag

Das Ägyptische Museum nutzt seine Sammlung, um Objekte auch außerhalb Leipzigs zu zeigen. So hat sich eine gute Kooperation mit dem Náprstek Museum der asiatischen, afrikanischen und amerikanischen Kultur entwickelt, das zum Nationalmuseum Prag gehört. Bei Grabungen der Prager sind auch Leipziger Studenten dabei. „Wenn für eine Ausstellung etwas benötigt wird, helfen wir natürlich“, sagt von Stülpnagel. Derzeit sind beispielsweise Objekte in Tierform auf Reisen.

Die Kalksteinstele von Gott Bes – hier ist aber unklar, ob es sich um eine Fälschung handelt. Quelle: André Kempner

Ans Liechtensteinische Landesmuseum in Vaduz sind Katzen-Figuren verborgt. Das Museum in Liechtenstein widmet der Katze, die im alten Ägypten den Sonnengott verkörpern konnte, eine Sonderschau. Es hat sich schon einmal einen bedeutenden Sarg ausgeliehen – als Kompensation dafür eine Vitrine für Leipzig gefertigt. Das Archäologische Museum in Brandenburg/Havel zeigt derzeit die Ausstellung „cats – von Säbelzahnkatzen und Stubentigern – zur Kulturgeschichte der Katzen“. Es benötigte dafür kurzfristig eine Katzen-Mumie, die prompt aus Leipzig geliefert wurde. Auch um die Kollegen in Berlin, auf die die Leipziger auch oft angewiesen sind, zu entlasten.

Bes-Figuren für internationales Forschungsprojekt

In Würzburg ist eine Schau über antike Musikinstrumente geplant, auch da hat Leipzig interessante Objekte beizusteuern. Ein internationales Forschungsprojekt stellt den alten ägyptischen Gott Bes dar – bei den geplanten Ausstellungen in Amsterdam, Kopenhagen und Hannover sind ebenfalls wichtige Objekte aus Leipzig dabei. „Das ist eine große Geschichte. Wir achten aber darauf, dass wir nicht alles verleihen – schließlich wollen wir im Kroch-Hochhaus auch Bes-Figuren zeigen.“

Dabei gibt es jeweils einen Schriftverkehr zwischen den Chefetagen der Unis. Karl-Heinrich von Stülpnagel entscheidet, ob ein Transport „aus konservatorischen Gründen“ überhaupt zu verantworten ist. Bei einem Großteil der Objekte ist dies ohnehin ausgeschlossen und bereits in den Sammlungsunterlagen vermerkt. Außerdem handelt der Restaurator und Möbelhistoriker gemeinsam mit der Rechtsabteilung der Uni Leipzig den Leihvertrag aus, legt fest, wie die klimatischen Bedingungen, das Licht bei der Präsentation sein müssen.

Restaurator reist zum Schutz der Objekte mit

Darüber hinaus wird über Sicherheitsaspekte geredet – was bei den kleineren Museen besonders wichtig ist. Oft werden von den Kunstspeditionen nach seinen Vorgaben Spezialkisten für den Transport angefertigt. Zu allen Leihstationen muss der Restaurator persönlich hin, auspacken und nach der Sonderausstellung wieder alles einpacken. Bei der Übergabe wird der Zustand des Objektes dokumentiert und fotografiert. „Da sind wir hochpingelig.“

So wurde beispielsweise nach Stendal auch mal das Modell eines Holzbootes ausgeliehen – eine jener Barken, mit der die alten Ägypter ins Jenseits befördert wurden. Dieser Transport erwies sich als schwierig. „Wir versuchen aber, solche Wünsche zu realisieren, wenn die Ausstellung einen wissenschaftlichen Mehrwert hat.“ Dann wird auch mal eine Mumie verliehen. Solche Aktionen sind oft mit einem „bürokratischen Apparatisimus“ verbunden, wie er es nennt. Aber zum Schutz der Sammlungen ist der notwendig.

Als Restaurator hat von Stülpnagel, der schon etwa 30 Jahre an der Universität Leipzig arbeitet, bereits den „Supergau“ erlebt. Das Ägyptische Museum musste zweimal mit der kompletten Sammlung von gut 7000 Objekten umziehen. Auch mit jenen, die eigentlich gar nicht transportfähig sind.

Der Türsturz eines Grabes als Puzzle

Bleibt da noch Zeit fürs Restaurieren? Momentan ist ein zwei Meter langer Türsturz eines Grabes, der aus unzähligen faustgroßen Bruchstücken besteht, in Hildesheim. An der dortigen Fachhochschule werden die Einzelteile gereinigt und geklebt. Im Rahmen der Ausbildung der Studenten. „Wir werden ein originales Foto des Türsturzes auf eine Acrylscheibe auftragen. Wo noch Originalsteine vorhanden sind, werde ich sie einbauen“, erklärt der Restaurator. Die Sammlung ist komplett inventarisiert und digitalisiert. Das Zusammensetzen wird dennoch ein aufwändiges Puzzle für viele Monate sein – neben dem Leihverkehr.

Von Mathias Orbeck

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