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17:27 16.07.2019
Museumsdirektor Olaf Thormann zeigt das Stundenbuch aus dem Jahr 1480. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist ein ganzer Kosmos auf 320 Seiten, mit prachtvollen Miniaturen, Bordüren und Initialien – dieses kostbare Gebets- und Andachtsbuch, das ab Dienstag in der Dauerausstellung des Leipziger Grassimuseums für Angewandte Kunst zu sehen ist. Das Stundenbuch, das die Texte von Gebeten für adlige und bürgerliche Laien zusammenfasst, wirkt so frisch und geradezu lebendig, als sei es eben erst aus der Hand gelegt worden, dabei wurde es um 1480 in Paris gefertigt und dürfte Jahrhunderte nicht mehr in Gebrauch gewesen sein.

Ein Mitglied des Museums-Freundeskreises, das anonym bleiben möchte, hatte dieses Kunstwerk auf Pergament für einen fünfstelligen Betrag im mitteldeutschen Kunsthandel erworben und dem Museum vermacht. „Ein Glücksfall“, freut sich Museumsdirektor Olaf Thormann. Solche komplexen Kunstwerke seien in jahrelanger Arbeit im Zusammenspiel von Schreibern, Buch- und Bordürenmalern, Vergoldern und Buchbindern in speziellen Werkstätten entstanden. Der Buchschmuck, vermutet man, stammt von einem Maler aus dem Umkreis des seit den 1470er Jahren wirksamen Maître François, möglicherweise von dessen wichtigstem Mitarbeiter Jacques de Besançon.

Reise in eine Welt der Frömmigkeit

Das Buch lädt zu einer Reise in eine Welt der Frömmigkeit und Regularien mit einer prachtvollen Bildsprache, die noch heute in ihren Bann zieht – mit den typischen Bestandteilen französischer Stundenbücher, etwa Marienoffizium, Bußpsalmen, Litanei, Kreuzoffizium, Heiligengebeten und Evangelienlesungen. 14 größere Miniaturen (etwa 8,5 x 6 cm) bilden den Hauptschmuck des Bandes. Sie zeigen zum Beispiel die Geburt Christi, die Flucht nach Ägypten, die Krönung Mariae, König David im Gebet und die Kreuzigung. 16 kleinere Darstellungen zeigen Heilige. Insbesondere diese verweisen auf die Entstehung in Paris.

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Sicher ist auch, dass sich die Handschrift im 16. und 17. Jahrhundert im Besitz der französischen Adelsfamilie L’Hermite befand. In dieser Zeit wurde es mit Familienwappen und weiteren Darstellungen ergänzt. In der Herkunftsgeschichte dieses Meisterwerks ist somit einiges bekannt, vieles aber bislang Spekulation und manches noch Weißraum.

Digitalisierung macht Eintauchen möglich

Gezeigt wird es zusammen mit Objekten aus ähnlicher Entstehungszeit im auf 45 Lux runtergedimmten Raum 6, der für sakrale Schatzkunst reserviert ist. „Ein würdevoller und kongenialer Rahmen“, meint Thormann. Die Präsentation eines Buches, das eine ganze Welt in sich trägt, in einer Glasvitrine ist allerdings unbefriedigend. Immerhin soll zweimal im Jahr umgeblättert werden, es bleibt aber das Problem, dass stets nur ein winziger Ausschnitt gezeigt werden kann.

Einen Ausweg biete die geplante digitale Aufarbeitung, so Thormann. In einem Jahr, hofft er, soll es möglich sein, das gesamte Buch zu durchblättern, einzutauchen – sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem PC. Und vielleicht gibt es dann auch neue Hinweise zur den Hintergründen der Besitzgeschichte – etwa aus der gut vernetzten Szene der Wappenkundler.

Von Jürgen Kleindienst

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