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News „Leipzig hat sich für mich geöffnet – dafür bin ich sehr dankbar“
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13:43 13.03.2019
Sie sieht sich selber als Teamplayer: Leontine Meijer-van Mensch, die neue Direktorin der drei sächsischen Völkerkundemuseen, fühlt sich wohl in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Sie hört gern zu und versteht sich als Teamplayer: Léontine Meijer-van Mensch (46) leitet seit Februar die drei sächsischen Völkerkundemuseen in Leipzig, Dresden und Herrnhut. Ihren Lebensmittelpunkt hat die gebürtige Holländerin, die zuletzt am Jüdischen Museum in Berlin arbeitete, nach Leipzig verlegt. Im LVZ-Interview spricht sie über einen Neustart im Grassi-Museum für Völkerkunde am Johannisplatz.

Was reizt Sie an Sachsen und Leipzig?

So neu in Sachsen bin ich nicht. Mein Mann und ich haben vor fünf Jahren einen alten Bauernhof in Nordböhmen gekauft. Das klingt wahnsinnig weit weg, ist aber nur 20 Minuten von Görlitz entfernt. Wir haben uns mit der Geschichte auseinandergesetzt, auch die Oberlausitz sowie Dresden kennengelernt. Leipzig kannte ich schon als wichtige Museums- und Kunststadt. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, zu der die Ethnografischen Sammlungen gehören, reizen mich sehr. Auf eine neue Weise Museen zu gestalten und miteinander zu kooperieren, interessiert mich sehr.

Drei für eine

Drei Völkerkundemuseen zu leiten – ist das eigentlich praktisch überhaupt zu händeln?

Ich bin mir bewusst, dass die Aufgaben sehr vielfältig sind, und nehme das auch sehr ernst. Deshalb habe ich mir Modelle überlegt, wie alles inhaltlich und logistisch organisiert werden kann. Mein Standort wird Leipzig sein, deshalb bin ich auch hierher in eine Wohnung in die Nähe des Zoos gezogen. Leipzig wird das Standbein der Staatlichen Ethnologischen Sammlungen in Sachsen. Das heißt nicht, dass ich Dresden und Herrnhut vernachlässigen werde. Ich habe schon scherzhaft gesagt, dass ich mir einen holländischen Wohnwagen kaufe, um zu den anderen Standorten zu gelangen.

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... dann können Sie gleich eine Ausstellung über Klischees machen...

... Na ja, an jedem Klischee ist was dran. Aber Spaß beiseite. Durch Skype und mobiles Arbeiten haben wir jetzt hervorragende technische Möglichkeiten, um miteinander zu kommunizieren. Leipzig hat sich für mich schon geöffnet. Ich möchte mich hier integrieren und fühle mich jetzt schon gut aufgehoben.

Viel Fachwissen vor Ort

Ihre Vorgängerin Nanette Snoep hat für viel Wirbel gesorgt. Sie hat Teile der Dauerausstellung umgekrempelt, Exponate in den Fundus verbannt, darüber aber mit langjährigen Mitarbeitern des Museum kaum kommuniziert. Wie geht es da weiter? Wo setzen Sie Akzente?

Ich habe seit meinem Amtsantritt viel Expertise und Fachwissen bei meinen Kollegen kennengelernt. Das hat mich enorm beeindruckt. Deshalb verstehe ich meine Rolle als Direktorin darin, erst einmal gut zuzuhören. Ich denke viel aus den Sammlungen heraus, die ich erst einmal detailliert erkunden muss. Und ich nehme mir die Zeit, gemeinsam mit den Kollegen über die Vision unseres Hauses nachzudenken.

Also wird die Umgestaltung der Dauerschau gestoppt?

Zunächst ja. Kleine Veränderungen kann ich mir immer vorstellen. Wir sollten uns aber Zeit nehmen, um eine neue Dauerschau zu konzipieren. Es gibt ein Gleichnis: Man muss wissen, dass man immer ein Zwerg ist auf der Schultern von Riesen. Das macht demütig und respektvoll. Viele meiner Kollegen, die schon länger hier sind und geforscht haben, werden in einigen Jahren in den Ruhestand gehen. Ich muss nachdenken, wie es gelingt, dass ihr Wissen nicht verloren geht. Deshalb werden wir einige Ideen diskutieren und ausarbeiten, wie eine neue Ausstellung aussehen kann. Eine Liebhaberin von Dauerausstellungen bin ich aber eigentlich nicht.

Ideen gemeinsam entwickeln

Was bevorzugen Sie?

Ich mag Schaudepots und Schausammlungen, wie etwa jenes im Vitra Design Museum. Für eine enzyklopädische Aneignung der Welt könnte ich mir diese Art der Präsentation auf einer Etage sehr gut vorstellen. Dann wäre mehr Platz für Wechselausstellungen und Aktionen, an denen auch Menschen aus den Herkunftsländern unserer Sammlungen teilnehmen können. Aber das sind keine ausgereiften Ideen. Die will ich mit meinen Kollegen gemeinsam entwickeln, sonst funktioniert es nicht.

Welche Rolle können Völkerkundemuseen in einer globalisierten Welt noch spielen?

Wie viel Zeit haben Sie? Der Museumstyp steckte lange in der Krise. Zurzeit sind sie aber die relevantesten Museen überhaupt, weil wir uns neu definieren müssen. Die Leute kommen ja nicht mehr ins Museum, um die andere Welt zu sehen. Diese können sie selbst bereisen. Die Welt ist aber ebenfalls hier, bei uns in der Gesellschaft. Wir müssen ganz anders nachdenken über Beziehungen. In Leipzig gibt es beispielsweise eine riesige vietnamesische Community, es gibt aber auch eine große Vietnam-Sammlung in unserem Haus. Dies müssen wir vielmehr zusammenbringen.

Dachmarke Grassi

Wie können die Sammlungen der drei Grassi-Museen voneinander profitieren?

Wir schauen gemeinsam in die Zukunft. Und bauen die Dachmarke Grassi mit drei wunderbaren Sammlungen aus. Dabei kämpfen wir gemeinsam für einen modernen Erweiterungsbau auf dem Johannisplatz, für den ja bereits Visionen entwickelt worden sind.

Wie schaffen Sie es, mehr Besucher zu begeistern?

In den letzten Jahren haben wir viele jüngere Besucher gewonnen. Das finde ich wichtig. Das Stammpublikum, das wir vielleicht ein wenig verloren haben, würde ich aber gerne zurückholen. Besucher kommen, wenn Ausstellungen und Veranstaltungen sie ansprechen. Statistisch gesehen sind die meisten Museumsbesucher weiblich und über 55 Jahre. Für sie müssen wir mehr tun, ohne das junge Publikum zu verlieren.

Von Mathias Orbeck

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