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11:52 06.08.2019
Leontine Meijer-van Mensch, die Direktorin des Grassi-Museums für Völkerkunde, will mit den Besuchern über die künftige Ausrichtung des Museums ins Gespräch kommen. Zunächst sind zum 150. Geburtstag der Sammlung Erinnerungen von Leipzigern besucht. Quelle: André Kempner
Leipzig

Ethnologische Museen sind im Aufbruch, suchen nach ihrer Rolle in einer sich verändernden Welt. Da macht auch das Grassi-Museum für Völkerkunde keine Ausnahme, das am 24. November 2019 auf ein besonderes Datum blickt. Dann ist es genau 150 Jahre her, seit das Museum gegründet wurde.

Leipziger Bürger haben die „Culturhistorische Sammlung“ des verstorbenen Dresdner Hofrats Dr. Gustav Klemm erworben und damit den Grundstock für eine Sammlung gelegt, die heute mehr als 200 000 Objekte aus aller Welt zählt. Daran will das Museum mit einer Sonderschau erinnern und die Geschichte des Hauses anhand von Sammler-Biographien erzählen. Hintergrund: Heinrich Schliemann, der Entdecker von Troja, die Verlegerdynastien Brockhaus und Meyer, zu denen auch der Afrika-Forscher und Erstbesteiger des Kilimanjaro Hans Meyer zählt, waren dem Museum eng verbunden.

Nach Erdteilen beziehungsweise Regionen geordnet, führt der Rundgang im Grassi-Museum von Asien über die Mongolei und Tibet nach Amerika, Ozeanien und Australien. Ein Teil der Ausstellung ist im Umbau, bis 2023 soll eine neue Konzeption erarbeitet werden.

„Ich habe die Gelegenheit, mich im ersten Jahr mit dieser wunderbaren Sammlung auseinanderzusetzen“, sagt Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin seit knapp sechs Monaten. „Die Weltensammler – 150 Jahre Leipziger Völkerkundemuseum“ – so wird die Schau überschrieben sein. Meijer-van Mensch möchte dabei die Leipziger (und ihre Erinnerungen) einbeziehen, die als Kind oder später als Familie mit Kindern die Ausstellungen erlebt, ein Lieblingsobjekt haben und vielleicht persönliche Geschichten erzählen können.

Direktorin will Stammpublikum zurückerobern

Damit möchte Meijer-van Mensch auch das Stammpublikum des Hauses zurückerobern. Vorgängerin Nanette Snoep hatte das Haus gehörig auf den Kopf gestellt – beispielsweise die Afrika-Dauerschau ins Depot verbannt und sich in ihren Projekten und Angeboten auf ein jüngeres Publikum konzentriert. Da gab es viel Zuspruch. Bei etlichen älteren Leipzigern kam das aber nicht gut an, die teilweise dem Haus fernblieben. „Sie wieder zu begeistern, ist mir sehr wichtig“, betont Meijer-van Mensch. Deshalb soll es „maßgeschneiderte Programme und Ausstellungen“ für verschiedene Zielgruppen geben. Die letzten Monate hat sie intensiv mit den Mitarbeitern gesprochen.

Dauerschau wird bis 2023 überarbeitet

„Ich möchte aber auch mit den Besuchern nach vorne schauen und zuhören, was sie für Wünsche haben, wie sich unser Museum entwickelt.“ Um ansprechbar zu sein, wird sie ab Ende August ihren Schreibtisch in den Galerieraum der Sonderschau rücken und an verschiedenen Tagen dort arbeiten. „Ich möchte mich überraschen, vielleicht irritieren lassen. Es darf auch kritisch zugehen.“

Ziel ist es, die Dauerschau bis 2023 komplett zu überarbeiten. Derzeit führt der Rundgang von Asien über die Mongolei und Tibet nach Amerika, Ozeanien und Australien durch „eine Welt“. Die Afrika-Schau wurde durch eine „Werkstatt Prolog“ ersetzt, die in einzelnen Themeninseln die Rolle des Museums und seinen Umgang mit den Objekten hinterfragt. Ab kommenden Jahr werden aber wieder mehr Afrika-Sammlungen zu sehen sein. „Wir brauchen eine andere Sprache, wollen themenbezogener arbeiten.“ Und auch wichtige Fragen rund um Restitution aufgreifen.

Zur Historie der Sammlung

Am 24. November vor 150 Jahren erschien in der Leipziger Presse ein Spendenaufruf zum Ankauf einer „culturhistorischen Sammlung“. Leipziger Bürger erwarben diese Sammlung und legten damit den Grundstein für das heutige Museum für Völkerkunde. 1874 erfolgte die offizielle Eröffnung im ehemaligen Johannishospital. Weil die Sammlungen rasch wuchsen, entstand der Wunsch nach einem eigenen Gebäude. Im Grassimuseum am Königsplatz (heute Stadtbibliothek am Leuschnerplatz) erhielt die Sammlung 1895 eine erste Heimstatt. Seit 1929 hat die Sammlung ihr Domizil im neuen Grassi-Museum am Johannisplatz, das 1925 bis 1929 errichtet wurde. Beim größten Luftangriff auf Leipzig wurde es 1943 weitestgehend zerstört, etwa 30 000 Objekte gingen in den Flammen unwiederbringlich verloren.

1947 begann der Wiederaufbau, 1954 öffnete mit den Abteilungen Ozeanien/Australien sowie Indonesien die erste Dauerschau nach dem Zweiten Weltkrieg. 1981 verursachte eine Havarie an der Heizungsanlage eine Schließung der Ausstellungen; 1985 erfolgte die Wiedereröffnung der Dauerschau.

1991 kam das Museum zum Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst; 2004 fusionierten die Völkerkundemuseen Leipzig, Dresden und Herrnhut zu den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen. Seit dem Jahr 2000 in ein Interim ausgelagert, begann im sanierten Grassi eine neue Epoche. Im November 2005 wurden die ersten Teile der neuen Dauerausstellungen „Rundgänge in einer Welt“ eröffnet. Komplett war sie dann zum 140. Geburtstag im Jahr 2009. Der Afrika-Teil ist inzwischen einem „Prolog Afrika“ gewichen.

Museum will Leipziger Geschichten erzählen

Spannend findet die gebürtige Holländerin, die längst zur Wahl-Leipzigerin geworden ist, was die Grassi-Sammlungen eigentlich mit Leipzig zu tun haben. Viele Objekte sind ja durch Sammler oder Händler auf der Messe hierher gekommen. Es gibt da spannende Geschichten, wie die des Hauses „Zum Grönländer“ in der Petersstraße/Ecke Sporergäßchen. Um 1870 hatte ein Leipziger ein Schiff zur Jagd auf Robben und Wale ausgerüstet. Das geriet in Seenot, es wurde aber von einem Eskimo in eine sichere Bucht geleitet. Sein Kajak war lange im Haus ausgestellt, bevor es ins Völkerkundemuseum kam.

Jetzt ist Léontine Meijer-van Mensch erstmal auf die Resonanz der Leipziger gespannt, wie sie die Zukunft des Museums sehen. Und natürlich auf die Episoden. Am 1. Oktober will sie eine Auswahl eingegangener Vorschläge öffentlich vorstellen. Wer mitmachen möchte, kann sich via Facebook melden oder eine E-Mail an Carola.Krebs@skd.museum schreiben.

Von Mathias Orbeck

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