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15:15 25.06.2019
Leipziger Schätze unterwegs: Eva Lusch, Anselm Hartinger, Luise Schöpflin, Raoul, Wolfram, Katrin, Ammar, Hang und Fadi (von links) stellen das neue Lastenfahrrad des Stadtgeschichtlichen Museums vor. Quelle: André Kempner
Leipzig

Ein Geldkleid, der Kopf der Göttin Lipsia für die Bekrönung des Neuen Rathauses, die Amtskette des Oberbürgermeisters – handlich verpackt passt das alles in ein Lastenfahrrad. Und diese Leipziger Schätze sind mobil geworden. Natürlich nicht die Originale, sondern eigens angefertigte Kopien. „Museum on Tour“ heißt das Projekt, das das Stadtgeschichtliche Museum gemeinsam mit dem Verein Mühlstraße initiiert hat. „Wir gehen mit unseren Schätzen auf Tour und warten nicht, bis die Bürger zu uns kommen. So erreichen wir vielleicht Menschen, die bislang nicht den Weg zu uns gefunden haben“, so Museumschef Anselm Hartinger. Zunächst ist das Lastenfahrrad vor allem auf Stadtteilfesten präsent. Generalprobe für das Projekt ist am Dienstag ab 16 Uhr beim wöchentlich vom Verein Mühlstraße 14 organisierten Treffen „ParkOffice“ im Lene-Voigt-Park. Die Italienerin Alice Mazzara, bis vor kurzem Stipendiatin der „Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung“ im Museum, hat es mit entwickelt.

Vom Fahrrad bis zum Geldkleid

Das Besondere: Junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren aus unterschiedlichen Herkunftsländern haben ihre Lieblingsobjekte aus der Sammlung ausgewählt und so eine eigene mobile Ausstellung konzipiert. „Ich fand es toll, über das Museum meine neue Stadt, ihre Geschichte und Deutschland kennenzulernen“, so die 27-jährige Sawsan aus dem Jemen. Die jemenitischen Frauen haben hier Fahrrad fahren gelernt, sie interessierten sich besonders für ein Fahrrad (vor 1945) aus der Dauerschau im Alten Rathaus, das seiner Fahrerin am Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Flucht vom heutigen Polen nach Leipzig nützlich war.

Mit diesem Lastenfahrrad ist das Stadtgeschichtliche Museum künftig in Leipzig bei Stadtteilfesten unterwegs, Quelle: André Kempner

Die Gruppe, zu der bis zu 30 Menschen aus sieben Ländern gehören, suchte sich auch das Inflationskleid aus der Schau „Bewegte Zeiten“ aus. Es wurde nachgeschneidert, allerdings mit Banknoten aus ihren Ländern. Vieles wird für den Transport per Lastenrad virtuell aufbereitet – etwa die Krypta des Völkerschlachtdenkmals als 360-Grad-Bild. Fadi aus Syrien trägt eine Nachbildung der Amtskette des Oberbürgermeisters, die dieser seit 1910 bei besonderen Anlässen benutzt. Die Kette wird noch beschwert, damit die Träger ein Gefühl bekommen, wie schwer sie eigentlich ist. Wer Lust hat, kann auch ein geschneidertes Damenkleid anprobieren, dessen Original einst eine reiche Dame 1751 bis 1760 trug.

Lastenrad ist auf Stadtteilfesten präsent

„Der Verein Mühlstraße arbeitet schon lange mit jungen Menschen aus vielen Ländern, die aber nicht zwangsläufig den Weg ins Museum finden. Ihre Sicht auf Geschichte(n) und Exponate rund um Leipzigs Stadtgeschichte ist uns wichtig“, sagt Museumsmitarbeiterin Eva Lusch. Dabei gehe es auch um Parallelen zu ihrer einstige Heimat.

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Derzeit läuft die Pilotphase des Projektes „Museum on Tour“. „Wir möchten das Lastenfahrrad gerne viele Jahre einsetzen“, erklärt Hartinger. Premiere ist auf dem Paunsdorfer Stadtteilfest (30. Juni), es folgen der Westbesuch im Bürgerbahnhof Plagwitz (6. Juli) sowie das Schönauer Parkfest (18. Juli). Interessierte, die das Lastenrad einladen wollen, können sich ans Museum wenden.

Von Mathias Orbeck

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