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12:30 07.08.2019
Am Weinstock: Anselm Hartinger und Franziska Jenrich-Tran im Garten des Schillerhauses. Quelle: Mathias Orbeck
Leipzig

Der Marktwinzer hat die beiden Rebsorten früher mal gepflanzt, doch die verwilderten dann zusehends. Nun gedeihen die Weinreben wieder, ein Nachbar kümmert sich. Vielleicht entsteht daraus sogar Ende des Sommers ein besonderer Wein? Der Bauerngarten in diesem Kleinod in Gohlis wurde neu angelegt. Das Schillerhaus ist ein vielseitiger Ort: Es ist das älteste Bauernhaus im Leipziger Stadtgebiet, angelegt als Gohlis noch ein eigenständiges Dorf war. Es ist eine Literaturgedenkstätte, die das Wirken des Dichters Friedrich Schillers ehrt, der hier zumindest die erste Fassung der „Ode an die Freude“ geschrieben hat. Und es ist ein Veranstaltungsort im Leipziger Norden, der nun wieder ein wenig aus seinem Dornröschenschlaf geholt werden soll. Das jedenfalls haben sich Anselm Hartinger, der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums, und Franziska Jenrich-Tran, die das Schillerhaus leitet, vorgenommen. Ziel ist es, das Schillerhaus in eine Art Nachbarschaftsmuseum zu verwandeln.

Behutsam natürlich, den Eile widerspricht diesem Ort, an dem man herrlich entschleunigen kann. Bänke und Sonnenschirm sind inzwischen aufgestellt. Sogar einen Sandkasten gibt es. Vielleicht gelingt es, dass historisches Spielzeug entliehen werden kann? Die Willkommenskultur des Schillerhauses soll erhöht werden, sagt der Direktor.

Die Ode wird künftig zu hören sein

„Es ist natürlich ein winziges Haus. Das Museum wird immer klein bleiben“, sagt Hartinger. Friedrich Schiller verbrachte 1785 einige Sommermonate in dem historischen Bauernhaus. Derzeit werde an einer neuen Konzeption gearbeitet, um die Ausstellung ein wenig zu modernisieren. Das Schillerhaus bleibt eine kleine Welt des 18. Jahrhunderts, in der ein Klassiker unter den Dichter schreibt und sich erholt. Überlegt wird aber, wie Menschen besser medial angesprochen werden können. Die „Ode an die Freude“, die in verschiedenen Varianten vertont wurde, wird künftig zu hören sein. Geplant ist, die Eingangssituation im Museum zu verändern, die sogenannte „schwarze Küche“ soll weichen.

Das Schillerhaus in der Menckestraße 43 soll behutsam zum Nachbarschaftsmuseum in Gohlis umgestaltet werden

„Die Besucher sollen mehr auf Schiller eingestellt werden, erfahren, wie es ihm im Jahre 1785 geht“, kündigt Franziska Jenrich-Tran an. Bislang finde auch die „Ode“ nur im Schlafbereich in der oberen Etage statt. Die Bauernstube werde weiter für Veranstaltungen für bis zu 30 Menschen genutzt – gemeinsam mit vielen Partnern. Das sei ein zentrales Anliegen für das Nachbarschaftsmuseum. „Das ganze Museum ist ja nur durch das Engagement von Bürgern entstanden“, erinnert Hartinger an die Gründung des Schillervereins. Hintergrund: Im Jahr 1841 wurde das Schillerhaus auf Initiative von Robert Blum, einem der Wegbereiter der Deutschen Revolution von 1848/49, als Wirkungsstätte Schillers wiederentdeckt, worauf eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. Der Schillerverein wurde dann am 24. Oktober 1842 durch Blum gegründet. Auch an seine Rolle wird künftig stärker erinnert.

Ein Refugium zum Durchatmen

Der Garten soll stärker den Besuchern – besonders den Gohlisern – geöffnet werden. Natürlich: Veranstaltungen gab es hier schon immer. Vom Freiluftatelier bis hin zu Theateraufführungen soll vieles neu belebt werden. „Es soll ein Ort werden, wie Schiller ihn erlebt hat. Sein Freund Christian Gottfried Körner hat ihm ein Refugium geschaffen, in dem er durchatmen konnte.“ Natürlich gibt es einen Apfelbaum, weil Schiller wohl nur – so heißt es in einer Anekdote – beim Geruch fauliger Äpfel schreiben konnte. „Mittlerweile gibt es viele Nutzpflanzen wie Kräuter und Beeren, weil wir zur Idee des Bauerngartens zurückkehren wollten“, so Franziska Jenrich-Tran. In der Ausstellung solle übrigens die Freundschaft zu Körner, der auch Mäzen war, stärker in den Fokus gerückt werden.

Die Highlights der Ausstellung – die Schillerweste sowie ein Fächer aus dem Umfeld des Dichters – werden besser präsentiert und geschützt. „Der Originalfächer darf dem Licht nicht mehr ausgesetzt werden, die Restauratoren fertigen aber ein gutes Duplikat an“, so Jenrich-Tran. Auch seine Werke – darunter das Originalmanuskript aus dem Don Carlos – kommen künftig besser zur Geltung.

Reflexionen über Schiller heute

Die Umbau- sowie Restaurierungsarbeiten am Schillerhaus sind übrigens möglich, weil das Museum eine Erbschaft von einer ehemaligen Leipzigerin erhalten hat. „So wird der bürgerschaftliche Geist weitergetragen – für uns ist das eine große Hilfe“, betont der Direktor. Die kleine Schau zu Gohlis im 18. Jahrhundert bleibe ebenfalls erhalten. Das Gohlis-Modell aus dem Jahre 1955 werde restauriert, die Farbgebung aufgefrischt. Bei der Umgestaltung sei das Museum nicht festgelegt, betont Hartinger. „Wir nehmen uns Zeit und dabei auch gern Ideen und Wünsche der Besucher auf“. Wichtig sei auch, Reflexionen über das heutige Schiller-Bild zu ermöglichen. „Was Schiller und seine Texte uns heute bedeuten, müssen wir neu aushandeln.“

Von Mathias Orbeck

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