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18:17 12.05.2019
Umhüllt von Steinen: Echo Morgan bei ihrer Performance in der Yoko-Ono-Sonderschau im Bildermuseum. Die gehörte zu den Höhepunkten der Museumsnacht. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Da Vincis Erfindungen, Raffaels Madonnen und Michelangelos Fresken für die Sixtinische Kapelle gehörten zum eindrucksvollen Bilderreigen der spektakulären 360-Grad-Videoshow: Mit Ausschnitten aus der Klang- und Videoinstallation „Giganten der Renaissance“ war das Leipziger Kunstkraftwerk erstmals bei der Museumsnacht dabei, die am Sonnabend in 80 Sammlungen in Leipzig und Halle lockte.

Im ehemaligen Heizhaus in Lindenau bewegen sich die Besucher durch den Raum, um die Kunstwerke stets aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Für viele Museumsbesucher, die das Kunstkraftwerk noch nicht kannten, war es wohl die Entdeckung. „Das muss ich unbedingt weiterempfehlen“, sagte Gunda Berg, die mit Freundinnen aus Halle angereist war. Der Spaßfaktor war für viele an diesem Abend groß.

Rund 80 Sammlungen und Museen hatten geöffnet, Tausende kamen: Die Museumsnacht 2019 in Leipzig war erneut ein Besuchermagnet.

In der Innenstadt strömten derweil 6660 Neugierige ins Bildermuseum, um die spektakuläre Schau mit Werken von Yoko Ono zu bewundern. Begeistert war das Publikum von der Performance von Echo Morgan, die sich in Steine hüllte. „Vorhang auf!“ hieß es aber auch in vielen anderen Häusern. Die Besucher hatten ihren Spaß: im „Spielcasino“ im Ägyptischen Museum, beim Tanz im Alten Rathaus mit Bodo Seifert sowie bei Lipsi-Erinnerungen im Stadtgeschichtlichen Museum, an der Rüsselkäfer-Expertenstation im Naturkundemuseum, der Live-Escape Challenge im Grassi-Museum.

Spielcasino im Ägyptischen Museum

Senet, Ur, Hunde und Schakal - das sind die Namen von Spielen, die im eigens eingerichteten „Casino“ im Ägyptischen Museum viele Kinder und ihre Eltern begeisterten. „Wer im Senet gut ist, ist auch im Jenseits gut“, erklärte Dietrich Raue, der Kustos, die religiöse Bedeutung der altägyptischen Spiele. In Grabkammern sind viele solcher Abbildung um das mythische Spiel um Tod und Wiedergeburt und das ewige Leben vorhanden.

Eine Gänsehaut konnten Angsthasen bei der „Tastatur des Grauens“ bekommen. Gemeint ist die Kino-Orgel im Grassi-Museum am Johannnisplatz, an der Fabian Everding Horrorfilme aus der Stummfilmzeit vertonte. „Bei Filmen müssen sehr rasch die Register gewechselt werden, um auf den Punkt zu kommen, die Szenen zu kommentieren. Das ist schon eine Herausforderung“, erklärte Everding, der in einer Band Saxofon spielt. Eine Pusteblume („Museen müssen sparen“) war für Anselm Hartinger die „Nebelmaschine“, um schmunzelnd die Finissage für die Pop-Ausstellung einzuleiten. Wer mochte, konnte im Alten Rathaus unter Anleitung von Bodo Seifert sogar tanzen. Und auch an den Lipsi, den Tanzlehrer-Ehepaar Christa und Helmut Seifert 1959 als Modetanz in der DDR entwickelt hatten, wurde erinnert.

Insektenessen im Naturkundemuseum

Ein bisschen wie im Dschungelcamp ging es im Naturkundemuseum zu. Dort wurden Buffalo-Würmer, Insektenpaste, Grillen und vieles mehr serviert. Natürlich nur, um über in Deutschland zulässige essbare Insekten zu informieren. Der Rüsselkäfer, über dessen Verbreitung Wolfram Guidetti die Besucher detailliert informierte, gehört nicht dazu. Viele waren enttäuscht, nicht in die oberen Etagen zu kommen. Doch die sind abends aus Brandschutzgründen gesperrt. „Deshalb brauchen wir dringend ein modernes Naturkundemuseum“, erklärte Ronny Leder, der Direktor. Und führte ab und an kleine Gruppen nach oben zu den Bienen.

In Summe zählten die Museen in Leipzig und Halle zur Museumsnacht rund 25.000 Besucher - gut 5000 mehr als noch im Jahr davor. Das verregnete Wetter habe viele Interessierte in die Museen gezogen, vermutete eine Sprecherin des Leipziger Kulturamtes. „Wir sind sehr zufrieden.“ Auffällig viele Jugendliche im Alter von 17 bis 19 Jahren hätten an der 11. gemeinsamen Museumsnacht teilgenommen, sagte sie. Auch zahlreiche Familien mit Kindern seien durch die Kulturstätten gezogen. Konkurrenz bekam die Museumsnacht durch die 13. Lange Nacht der Computerspiele an der HTWK.

Von Mathias Orbeck

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