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Sportmuseum Leipzig erinnert an Opfer der Reichspogromnacht 1938

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14:06 10.11.2020
Museumsdirektor Aiko Wulff beteiligt sich bei der Gedenkaktion "Mahnwache und Stolpersteine Putzen".
Museumsdirektor Aiko Wulff beteiligt sich bei der Gedenkaktion "Mahnwache und Stolpersteine Putzen". Quelle: Dietmar Schulze, SGM
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Der neue Leiter des Sportmuseums, Aiko Wulff, und der Sammlungsmitarbeiter Dietmar Schulze haben dafür zwei Häuser in der Gneisenaustraße 7 und in der Waldstraße 8 besucht, in denen sportlich engagierte und sportlich aktive Menschen gewohnt haben.

„Gemeinsam mit dem Tüpfelhausen e. V., den Paten der Stolpersteine in der Waldstraße, wollten wir zusammen an der Aktion teilnehmen. Aufgrund der derzeit gültigen Corona-Schutzbestimmungen haben wir uns entschlossen, die angedachte Veranstaltung im nächsten Jahr umzusetzen, sodass wir in diesem Jahr in aller Stille und ohne Publikum an der Mahnwache und dem Putzen der Steine teilgenommen haben.“ so Aiko Wulff vom Sportmuseum Leipzig.

Der Verein Tüpfelhausen e. V. ist Pate der Stolpersteine in der Waldstraße 8 und richtet das seit 2015 das internationale Fußballbegegnungsfest "Max-und-Leo-Bartfeld-Pokal" aus. Das Fest erinnert an den 1920 gegründeten jüdischen Sportverein „SK Bar Kochba Leipzig“. Die Namensgeber Max und Leo Bartfeld waren Mitglieder in dem Fußballverein.

In der Waldstraße 8 wohnten Leo und Rosa Bartfeld mit ihren Kindern Jutta Ruth und Evelyne Ingeborg. Der Familie gelang 1938 die Flucht nach Holland und Belgien. Leo Bartfeld wurde 1940 von der Gestapo verhaftet und verstarb nach langer Internierung in Gurs und Auschwitz 1945 im KZ Buchenwald. Die Töchter wohnen heute in den USA und in Kanada.

Die Stolpersteine der Familie Bartfeld in der Waldstraße 8 Quelle: Dietmar Schulze, SGM

In der Gneisenaustraße 7 reinigten die Museumsmitarbeiter die stark verschmutzten Stolpersteine für die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner Daniel David Katzmann, seine Frau Hilde Katzmann, geb. Rothschild, die Tochter Inge Katzmann und Rosa Rothschild sowie von Salomo Weininger.

Daniel David Katzmann war Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und Vorstandsmitglied im jüdischen Sportverein „Schild“. Am 19. September 1942 wurde die Familie vom Leipziger Güterbahnhof in Engelsdorf nach Theresienstadt deportiert. Daniel und Hilde Katzmann mussten dort Zwangsarbeit leisten. Am 29. Januar 1943 wurden Daniel David (47 Jahre), Hilde (36 Jahre) und Inge (9 Jahre) nach Auschwitz gebracht. Die Spur der Familie verliert sich dort.

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Rosa Rothschild (65 Jahre) kam am 16. Februar 1945 in Theresienstadt ums Leben.

Salomo Weininger hatte mit seiner Frau Rahel die beiden Söhne David und Arnold. Die Brüder spielten Fußball im jüdischen Sportverein „Bar Kochba“, an dessen ehemaliger Sportstätte das Sportmuseum dieses Jahr eine Gedenktafel enthüllt hat. Weininger starb im Lager Sachsenhausen am 2. Juni 1940. Rahel und David wurden 1942 nach Riga, Rahel 1944 weiter nach Stutthof deportiert. Arnold überlebte den Holocaust und lebt heute in den USA.

Von PM/red.