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Stadtgeschichtliches Museum  launcht Online-Tool zu Leipziger NS-Opfern 

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16:27 09.11.2021
Das Online-Informations- und Recherche-Tool "Leipziger Opfer des Nationalsozialismus" des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig
Das Online-Informations- und Recherche-Tool "Leipziger Opfer des Nationalsozialismus" des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig Quelle: Katja Etzold/SGM
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Leipzig

Welche Geschichte steckt hinter dem markanten Hochhaus mit den Glockenmännern am Augustusplatz Leipzig? Gibt es Opfer des Nationalsozialismus in der eigenen Familiengeschichte? Hat der Stadtteil, in dem ich lebe, eine NS-Vergangenheit?

Antworten könnte das neue Online-Recherchetool des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig geben. Textinformationen, Bilder, Audios und Videos bündelt ein Menü online und frei zugänglich.

Neben den eigenen Datenbanken und Texten gibt es auch Angebote weiterer Träger zum Thema. Unter anderem erlauben ein Hör-Rundgang durch die Innenstadt, die Interviews mit Zeitzeug*innen über ihre Verfolgung oder interaktive Stadtpläne weltweit Zugang zu diesem dunklen Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte.

Dr. Johanna Sänger, Projektleiterin und Kuratorin für Stadtgeschichte ab 1800, dazu: „An die NS-Zeit 1933 bis 1945 können sich die meisten von uns heute nicht mehr selbst erinnern. Aber sie ist nicht vergangen. Wenn man es weiß, findet man überall Spuren. Auch in der schönen Stadt Leipzig war sie eine Zeit des Schreckens: Tausende Leipzigerinnen und Leipziger, aber auch Häftlinge und Zwangsarbeiter*innen wurden aus rassischen, politischen, religiösen Gründen oder einfach wegen ihrer Krankheit oder Behinderung ermordet, weitere Tausende wurden zur Flucht und Emigration gezwungen.“

Das Online-Tool führt deutsch- und englischsprachig zu hunderten Lebensorten, zu Lebensdaten und Geschichten von ganz unterschiedlichen Menschen: Zu den mehr als 5.500 ermordeten Menschen jüdischer Herkunft und mindestens 250 Sinti und Roma aus Leipzig, den über 300 Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen ermordet wurden oder weil sie nicht Soldaten sein wollten.

Zu finden sind bisher etwa 1000 Opfer der „Euthanasie“, ebenso wie tausende Zwangsarbeiter und ihre Kinder oder etwa 600 Kriegsgefangene, die den 2. Weltkrieg in Leipzig nicht überlebten.

„Die Forschungsarbeit ist noch lange nicht zu Ende. Aber inzwischen gibt es viele Möglichkeiten der Suche: In den letzten Jahren wurden oft dank ehrenamtlicher Arbeit schon hunderte Geschichten von Familien und Orten, hinter denen ganz unterschiedliche Schicksale stehen, erforscht. Immer öfter sind diese Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Meist von Vereinen und privaten Initiativen, aber auch von der Stadt Leipzig selbst und ihren historischen Museen. Oft wissen das nur Experten. Unser Ansinnen ist es, auch Schulen und Privatpersonen mehr für diese Angebote und Themen zu sensibilisieren und aufmerksam zu machen.“ ergänzt Dr. Johanna Sänger.

Von PM/LMG