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14:00 17.01.2020
Das zweigeschossige frühere Kommandantenwohnhaus dient nach der Sanierung als Besucherzentrum und Ausstellungsort. Quelle: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Museum im Stasi-Bunker

Das ehemalige Kommandantenwohnhaus wurde in einem mehrjährigen Projekt von außen denkmalgerecht saniert und im Inneren unter Bewahrung der noch vorhandenen historischen Substanz modern umgestaltet. Das Haus befindet sich direkt am Eingangsbereich des Areals in dem sich die Bunkeranlage befindet.

Somit stehen nun auch Flächen für eine künftige Dauerausstellung zu den Krisen- und Kriegsplanungen der SED-Geheimpolizei zur Verfügung. Vorerst werden zwei Sonderausstellungen über die Friedliche Revolution im Herbst´89 im Besucherzentrum präsentiert: im Obergeschoss „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ und im Untergeschoss „Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“.

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Vor 30 Jahren wurde die geheime Ausweichführungsstelle des Leipziger Stasi-Chefs in Machern erstmalig von der Öffentlichkeit betreten. Nachdem am 4. Dezember 1989 die Bezirksverwaltung der Staatssicherheit in der „Runden Ecke“ in Leipzig von Montagdemonstranten besetzt worden war, bildete sich noch in derselben Nacht das Bürgerkomitee Leipzig e. V., das in den Folgewochen alle Stasi-Objekte im Bezirk besetzte, konspirative Objekte auflöste und die laufende Vernichtung der Stasi-Akten verhinderte. Auf Initiative der Bürgerkomitees Leipzig und Wurzen und durch das besondere Engagement des Pfarrers der Gemeinde Machern, Gottfried Süß, wurde so auch die Ausweichführungsstelle des Leiters der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig, der Stasi-Bunker bei Machern, entdeckt.

Blick in das Untergeschoss des ehemaligen Kommandantenwohnhauses mit der Sonderausstellung „Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit" Quelle: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Museum im Stasi-Bunker

Seit fast 25 Jahren ist die Stasi-Bunkeranlage ein Museum – nun wurde auch das Kommandantenwohnhaus gerettet

Zum Tag des offenen Denkmals 1996 öffnete der Bunker erstmals als Museum. Das über fünf Hektar große Gelände war durch das Bürgerkomitee Leipzig e.V. 1993 vom Landkreis gepachtet, erhalten und museal erschlossen worden. Die Bunkeranlage und das Außengelände sind als Teil der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ seitdem regelmäßig im Rahmen von geführten Rundgängen zugänglich. Einzig das Grundstück um das ehemalige Wohnhaus des Bunkerkommandanten war davon ausgenommen. Das Haus, in dem der für die technische Sicherstellung der Bunkeranlage zuständige Stasi-Offizier bis Anfang 1990 wohnte, verfiel zusehends und ein Erhalt des Gebäudes wurde immer unsicherer. Das Bürgerkomitee setzte sich für den Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Bunkeranlage mit allen dazugehörenden Gebäuden ein. Jedoch waren dem Verein aufgrund der Eigentumsverhältnisse bei der Bewahrung des Wohnhauses lange Zeit die Hände gebunden.

Erst nach jahrelangen Verhandlungen konnte das Grundstück mit Haus an den Landkreis Leipzig übertragen und in den bestehenden Pachtvertrag mit dem Bürgerkomitee Leipzig e.V. aufgenommen werden. Nun wurde es möglich für die Umsetzung bereits entwickelter Sanierungs- und Nutzungskonzepte Fördermittel zu beantragen, um das teilzerstörte Gebäude zu retten und denkmalgerecht als Besucherzentrum für das Museum im Stasi-Bunker zu sanieren. Dank der finanziellen Unterstützung seitens des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK), der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (StSG), dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), des Sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Kulturraumes Leipziger Raum konnte das Projekt realisiert werden.

Blick in das Obergeschoss des ehemaligen Kommandantenwohnhauses mit der Sonderausstellung „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution". Quelle: Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Museum im Stasi-Bunker

Über das Museum im Stasi-Bunker

Das Museum im Stasi-Bunker Machern ist Teil der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“. Der ehemalige Stasi-Bunker befindet sich mitten im Naherholungsgebiet „Lübschützer Teiche“, etwa 30 Kilometer östlich von Leipzig. Getarnt als Ferienobjekt der Wasserwirtschaft baute die Staatssicherheit der DDR hier ab 1968 heimlich ein Ausweichquartier für den Krisenfall. 1974 war die „Ausweichführungsstelle des Leiters der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig“ einsatzbereit und wurde unter strengster Geheimhaltung bis 1989 funktionsbereit gehalten.

Hier sollte der damalige Leipziger Stasi-Chef Manfred Hummitzsch, zusammen mit seinem Führungsstab, auch im Kriegsfall seine Arbeit fortsetzen können. Der Bunker sollte der Stasi im Ernstfall auch dazu dienen, sämtliche Aktionen zur Niederschlagung einer Volkserhebung zu koordinieren. Dafür war an alles gedacht worden: Luftfilter, Notstromaggregate, Krankenstation, Nachrichtentechnik, Schlafräume, Küche... Insgesamt 100 Stasi-Mitarbeiter sollten auch im Falle eines Atomschlages für sechs Tage die Funktionsfähigkeit des Apparates sicherstellen. Wie eine Spinne im Netz hätte die Stasi von hier aus ihre Tätigkeit als „Schild und Schwert“ der SED-Diktatur im Bezirk Leipzig weiterführen können.

Diese nach dem 17. Juni 1953 entwickelten Planungen wurden im Herbst ’89 aktiviert, die Liste für die Isolierungslager in Leipzig waren in der Nacht zuvor aktualisiert worden. Allein aufgrund der großen Anzahl mutiger und friedlich demonstrierender Bürger am 9. Oktober 1989 wurde dieser Plan keine Realität.

Das Museum im Stasi-Bunker ist heute die einzige erhaltene Ausweichführungsstelle der Stasi mit fast vollständiger originaler Einrichtung und verdeutlicht die umfangreiche Ernstfallplanung der Staatssicherheit. Einen solchen typengleichen Stasi-Bunker gab es in allen 15 früheren DDR-Bezirken.

Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ als ehemaliger Sitz der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit und das Museum im Stasi-Bunker bei Machern bilden eine bundesweit einmalige Gedenkstättenkombination. Während in der „Runden Ecke“ der ausufernde bürokratische Apparat dokumentiert wird, gibt der Stasi-Bunker Einblicke in die Tätigkeit der SED-Geheimpolizei in einem möglichen Kriegsfall.

PM / red

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