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Silvester 2019 am Connewitzer Kreuz Autonome veröffentlichen Artikel zur Leipziger Silvesternacht auf Indymedia
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17:00 05.01.2020
Polizisten stehen in der Silvesternacht an einer Kreuzung im Leipziger Stadtteil Connewitz. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
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Leipzig

Ein anonymes Schreiben zu den Ausschreitungen in der Silvesternacht in Leipzig ist unter dem Titel „Betrachtungen zur Silvesternacht“ in der Nacht zu Samstag auf der InternetplattformIndymedia“ veröffentlicht worden. Das Portal wird hauptsächlich von Angehörigen der linken Szene mit Inhalten befüllt, es kann aber grundsätzlich jeder Texte hochladen.

Im Schreiben ist von zunehmender Polizeigewalt die Rede. „Das Jahr 2019 war nicht nur in Connewitz, sondern in ganz Leipzig von zunehmender Aggressivität und zahlreichen Erniedrigungen, Körperverletzungen, Beleidigungen und gewalttätigen Übergriffen seitens der Bullen geprägt“, klagen die Verfasser des Textes. Zahlreiche Demonstrationen von Linken seien von den „Schweinen“ angegriffen worden, wie die Autoren die Polizisten beschimpfend nennen. Schon in den Wochen vor Silvester habe die Polizei „unnötige“ und „martialische“ Präsenz im Viertel gezeigt, am 31. 12. selbst hätte diese in „Schikane“ durch einen seit mittags fliegenden Polizeihubschrauber, verdachtsunabhängige Kontrollen und zahlreiche Mannschaftswagen in den Straßen gegipfelt.

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Besonders im Fokus: die BFE

Der nächste Satz dürfte für die Ermittlungen des LKA im Hinblick auf den Angriff eines 38 Jahre alten Polizisten in der Silvesternacht von Bedeutung sein. Die Verfasser des Textes schreiben: „In Connewitz erdreisteten sie (die Polizisten, Anm. d. Red.) sich für ein paar Wochen sogar, die Bewohner*innen mit martialischen Fußpatrouillen kleiner BFE-Trupps zu belästigen, die auch Anwohner*innen massiv schikanierten und bedrängten.“

BFE ist die Abkürzung für die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Polizei. Diese Einheiten kommen in der Regel bei größeren Veranstaltungen mit Gewaltpotenzial (z. B. als kritisch eingestufte Demonstrationen und Fußballspiele) zum Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, die restlichen Polizeikräfte mobil und einsatzfähig zu halten, indem sie ihnen die Festnahme von straffällig gewordenen Personen sowie die Sicherung von Beweismitteln vor Ort abnehmen.

Der 38 Jahre alte Polizist, der in der Silvesternacht schwer verletzt worden war, soll einer solchen BFE angehört haben. Zusammen mit zwei weiteren Kollegen soll er bei einem Angriff einer größeren Gruppe Autonomer vom Rest der Einheit getrennt und anschließend attackiert worden sein. Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass mindestens einer der Männer der linken Szene bekannt ist.

Auch zu anderen Vorfällen Beiträge auf Indymedia

Der Beamte erlitt den Angaben der Polizei zufolge schwere Kopfverletzungen und musste operiert werden, konnte das Krankenhaus am Freitag aber wieder verlassen. Ermittelt wird wegen versuchten Mordes. Das LKA sucht Zeugen. Wie viele Menschen sich mit Hinweisen bisher gemeldet hatten, wollte LKA-Sprecher Tom Bernhardt am Samstag nicht sagen.

In den vergangenen Wochen hatten Linksautonome in Leipzig immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Es brannten mehrfach Bagger auf Baustellen, im November wurde eine Mitarbeiterin einer Immobilienfirma in ihrer Wohnung angegriffen und verletzt. Auch dazu äußerten sich die Autonomen auf Indymedia.„Projekte wie das Südcarré stellen eine Bedrohung für Connewitz als politischen Raum dar“, hieß es in einem Text, der drei Stunden nach dem Angriff auf der Plattform veröffentlicht wurde. Und weiter: Man habe sich entschieden, „die Verantwortliche für den Bau eines problematischen Projekts im Leipziger Süden da zu treffen wo es ihr auch wirklich weh tut: in ihrem Gesicht.“

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Im Oktober waren Autonome schon einmal mit Polizei und Rettungskräften in eine handgreifliche Auseinandersetzung verwickelt gewesen. Damals hatte eine Gruppe von Personen, die der linken Szene zugeordnet werden, auf einer Baustelle Feuer gelegt. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, wurden sie mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Flaschen beworfen. Zwei Polizisten wurden dabei leicht verletzt. Anschließend erschien ein Text mit dem Titel „Bullenschweine raus aus Connewitz“, in dem die Verfasser weniger Präsenz der Polizei in Connewitz fordern.

Von LVZ/isc/dpa