Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Silvester 2019 am Connewitzer Kreuz Deutschlandweites Presseecho zur Silvesternacht in Connewitz
Thema Specials Silvester 2019 am Connewitzer Kreuz Deutschlandweites Presseecho zur Silvesternacht in Connewitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:10 10.01.2020
Beim Jahreswechsel in Connewitz kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Linksextremisten und Polizei. Quelle: Sebastian Willnow
Leipzig

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Silvesternacht in Connewitz, bei der Polizeibeamte von mutmaßlichen Linksextremisten angegriffen und vier Beamte verletzt wurden, haben bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Medien berichteten allerdings nicht nur über das Geschehen, sondern kommentieren die Ereignisse auch. Wir haben die Pressestimmen zusammengefasst:

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt:

„Wer so tut, als sei Linksextremismus kein Problem, ist höchstwahrscheinlich Linksextremist. Demokraten jedenfalls erkennen, was es wert ist, Polizisten zu haben, die ihr Leben riskieren für Sicherheit und Ordnung. Dass sie an Silvester in vielen Städten von Spinnern unterschiedlichster Art mit Raketen beschossen werden, ist schon schlimm genug. Unerträglich wäre es, wenn sie bestimmte Stadtteile zu bestimmten Zeiten meiden würden, nur weil sich nicht alle dort über Polizisten freuen – etwa im linksalternativen Leipziger Stadtteil Connewitz, wo es zu den Ausschreitungen kam. ... Dabei muss es erlaubt sein, auch der Polizei Fragen zu stellen. Ihre Arbeit ist zu würdigen, aber nicht zu heiligen. ... Es hilft nachzufragen; dabei gewinnen nicht die Feinde, sondern die Freunde der Demokratie.“

Die Berliner taz schreibt:

„Dass in Leipzig Teile der linksextremen Szene auf Gewalt an Silvester hinfiebern, ist zu verurteilen. Es greifen in diesem Fall noch nicht mal die gängigen linksextremen Rechtfertigungsmuster für politische Gewalt – sei es das der Notwehr oder das des Generierens von Aufmerksamkeit. Aus dem Spek­trum der demokratischen Parteien heraus gibt es schon gar keine Unterstützung für die Täter. Aber gleichzeitig gibt es genug gute Gründe, auch den Polizeieinsatz zu kritisieren. Erstens: Die Verantwortlichen hatten sich dazu entschieden, der drohenden Gewalt mit massiver, sichtbarer Präsenz zu begegnen. Diese Strategie ist offensichtlich nicht aufgegangen. Natürlich ist es da legitim zu fordern, in Zukunft andere Strategien zu wählen. Zweitens: In Pressemitteilungen und in den sozialen Medien verhielt sich die Polizei in der Silvesternacht nicht wie ein neutrales staatliches Organ, sondern wie ein politischer Akteur. Das ist aber nicht ihre Rolle, auch wenn die Reaktion der dafür verantwortlichen Beamten angesichts eines schwer verletzten Kollegen nachvollziehbar sein mag.“

Der Bonner General-Anzeiger kommentiert:

„Unfassbar aber auch das Echo, das die Gewaltorgie in der Linkspartei findet. Und das hebt den Leipziger Fall von anderen massiven Angriffen wie gerade eben in Bonn-Tannenbusch ab. ,Cops raus aus Connewitz’, fordert die sächsische Landtagsabgeordnete Juliane Nagel. Und die Jugendorganisation der Partei fabuliert von Polizisten, die ein ,antifaschistisches Stadtviertel’ hätten niederwerfen wollen. Diese Reaktion aus den Reihen einer Partei, die ungeachtet ihrer Vergangenheit als demokratisch wahrgenommen werden will, diese Reaktion ist der Skandal im Skandal. Sie hat mit legitimer Kritik an Polizeiarbeit nichts mehr zu tun. ... Eine demokratische Partei darf Sympathisanten von Kriminellen aber nicht in ihren Reihen dulden, schon gar nicht als Mandats- oder Funktionsträger. ... Die Linke spreizt sich in staatstragender Wohlanständigkeit und lässt zugleich die Grenze zum Extremismus verschwimmen. Auch da, bei den Gewalttätern von Connewitz bis zum Hambacher Forst, sind ja potenzielle Wähler zu finden. Eine perfide Form politischer Produktdifferenzierung.“

Der Tag24 bewertet die Silversternacht so:

„Es ist eben nicht wichtig, ob der betroffene Polizist schwer verletzt oder ,nur’ verletzt wurde. Es ist egal, ob die OP des Bewusstlosen (!) eine Not-OP oder Routine war. Und es ist besonders egal, ob er durch einen brennenden Einkaufswagen verletzt wurde. Dieses Kleinklein vernebelt den Ausgangspunkt: Menschen greifen Menschen an. Mit einer Ideologie als Schutzschild (links = bessere Menschen = wir dürfen das) besetzen sie öffentliche Räume und erklären ihre Regeln zu den gültigen. Die Ähnlichkeit mit den ,National befreiten Zonen’ der Neonazis ist offensichtlich. ... Dabei ist in beiden Fällen die Polizei nur stellvertretend Zielscheibe: Beide, linke Leipziger Extremisten und Neonazis, hassen den freiheitlichen Staat. Sie haben auch nichts mit den spinnerten Anarchisten von einst gemein, die meist nur gegen Gesetze als solche und einen paternalistisch-nationalistischen Staat waren. Die ,Aktivisten’ von heute wollen einen neuen vormundschaftlichen Staat unter dem Deckmantel ihrer Ideologie.“

Die Zeit aus Hamburg bemerkt:

„Wenn die Polizei – vielleicht als Gegengewicht zur Echtzeitkritik in sozialen Netzwerken – dazu übergeht, ihre eigenen Meldungen nicht gründlich zu prüfen – wer sollte sich dann darauf verlassen oder ihnen auch nur besonderen Wert beimessen? Für uns Medien ist es höchste Zeit (und auch absolut richtig) sich auf Polizeimeldungen nicht mehr als ,privilegierte Quelle’ zu verlassen, deren Informationen ungeprüft verwendet werden können. Das ist erst mal unproblematisch. Doch es verändert auch die Wahrnehmung der Polizei in der Öffentlichkeit. So verkommt die offizielle Darstellung der Behörde zu nur mehr einer von vielen Versionen von Augenzeugen, Aktivistinnen und Hetzern, die behaupten: So oder so ähnlich könnte es gewesen sein. Eine weitere Stimme, die ihre Version ins Netz raunt. Das schadet dem Ansehen der Behörde als Ganzes und vor allem all jenen Beamtinnen und Beamten, die auf der Straße ihren Job machen sollen.“

Der Münchner Merkur kommt zu folgender Einschätzung:

„Die neue SPD-Chefin Saskia Esken (fordert) eine Überprüfung der polizeilichen ,Einsatztaktik’. Das soll besonnen klingen – und ist doch ein weiterer, wenn auch nur verbaler Angriff auf die Ordnungskräfte. Der Subtext lautet in etwa so: Hätte die Polizei in der Silvesternacht die Leipziger Krawallszene nicht gestört beim Zelebrieren ihres Ausnahmezustands, hätte es auch keine Verletzten gegeben. So macht es die rot-rot-grün regierte Party-Stadt Berlin. Übergriffe hat es freilich in der Silvesternacht auch dort gegeben, als Einsatzkräfte der Feuerwehr in Neukölln mit Pyrotechnik und Steinen beschossen wurden. Das Zurückweichen des Staates vor Randalierern, die Anwohner in Geiselhaft nehmen – beschwichtigend Deeskalation genannt – ist eine schwierige Antwort, insbesondere für friedliche Bewohner, die sich zu bestimmten Zeiten nicht mehr aus ihrem Haus trauen. Im Kern läuft sie darauf hinaus, dass der Staat linke No-go-Areas akzeptiert, weil er seine Repräsentanten nicht dem maßlosen Hass seiner Verächter aussetzen will.“

Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor:

„Auf das Entsetzen folgt für gewöhnlich das Konsequenzenfordern, und die Maximalpositionen sind abenteuerlich. Aber der Rechtsstaat darf weder in puncto öffentliche Sicherheit noch in puncto Versammlungsfreiheit Zugeständnisse machen. Er muss es stattdessen schaffen, Menschen wie den schwer verletzten Polizisten noch besser zu schützen, als er das bislang vermag. In diesem Fall werden nun hoffentlich konsequent der Täter und mögliche weitere Beteiligte ermittelt. Alle anderen vor Ort Involvierten wie auch digitale Besserwisser bei Twitter könnten sich derweil Gedanken machen, inwieweit es schäbig ist, so bedauernswerte Vorfälle in Kauf zu nehmen für die immer gleichen eigenen Agenda-Spielereien.“

Lesen Sie auch:

Silvester-Ausschreitungen am Connewitzer Kreuz – das meinen die LVZ-Leser

„Erhebliche Straftat“: Bewährungsstrafe nach Silvesterkrawallen in Leipzig

151 Sekunden Chaos: Neues Video zur Silvesternacht in Connewitz aufgetaucht

Silvesterrandale: Staatsanwaltschaft bleibt bei versuchtem Mord

Kontroverse Diskussion über Silvester-Krawalle am Connewitzer Kreuz bei LVZ-Forum

Nach Connewitz: Sachsens Linke kritisiert Öffentlichkeitsarbeit der Leipziger Polizei

Autonome veröffentlichen Artikel zur Leipziger Silvesternacht auf Indymedia

Auseinandersetzungen in Leipzig-Connewitz: Video der Silvesternacht aufgetaucht

GdP will SPD-Chefin Esken Nachhilfe in Polizeiarbeit geben

„Schamlos“: Sachsens SPD warnt vor Instrumentalisierung von Polizisten-Attacke

Der Kern des Connewitzer Problems

Auf und Ab: Silvester am Connewitzer Kreuz in Leipzig

Was geschah in der Silvesternacht in Leipzig?

Silvester-Angriffe auf Leipziger Polizei: Innenminister sieht neue Dimension

Not-OP oder nicht? - Leipziger Polizei reagiert nach Vorwurf der „taz

Polizist nach Angriff in Leipzig weiterhin in Klinik

Mordversuch bei Connewitz-Krawallen: Polizei spricht von geplantem Überfall

Polizei-Gewerkschafter entsetzt über Gewalt gegen Beamte in Connewitz

Polizeipräsident Schulze: „Es war ein Angriff aus dem Nichts“

Leipzig ein „Hotspot der Linksextremen“? CDU-Kreisverband kritisiert OBM Jung

Sachsens Linke verurteilen Gewalt am Connewitzer Kreuz in Leipzig

Ausschreitungen in ConnewitzLKA ermittelt wegen versuchten Mordes

„Gezielte Angriffe auf Menschenleben“: So reagiert die Politik

Seehofer verurteilt Angriff auf Polizisten in Leipzig scharf

Sachsens Ministerpräsident äußert sich zu Ausschreitungen in Leipzig-Connewitz

„Wer ,All cops are bastards’ ruft – der engagiert sich nicht“

Namhafte Sozialdemokraten fordern Rücktritt der Leipziger SPD-Vizechefin

Ausschreitungen in ConnewitzLKA ermittelt wegen versuchten Mordes

Kommentar: Was die Gewaltspirale beenden kann

Heftige Ausschreitungen am Connewitzer Kreuz – Polizist wird schwer verletzt

Besetzte Häuser und Neonazis: So waren die 1990er in Leipzig-Connewitz

Wie die Gewalt nach Connewitz kam

Von LVZ

Leipzig zum Jahreswechsel: Kurz nach Mitternacht eskalierte am Connewitzer Kreuz im Süden der Stadt die Situation. Zu den Ausschreitungen aus der linksextremen Szene heraus und dem Polizeieinsatz gibt es eine Flut von Leserzuschriften.

10.01.2020

Nachdem bereits am Montag ein Video auftauchte, das Einblick in die Ereignisse zur Silvesternacht in Leipzig-Connewitz gewährte, gibt es nun neues Bewegtbildmaterial. Der zweieinhalbminütige Clip dokumentiert die Gewalt zwischen Sicherheitskräften und Passanten.

10.01.2020

Ein jetzt aufgetauchtes Video ändert nichts an der Auffassung der Staatsanwaltschaft. Einen Angriff auf einen Polizisten in der Silvesternacht in Leipzig Connewitz bewertet die Anklagebehörde weiter als versuchten Mord.

07.01.2020