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Ratgeber „Auch bei Bier und Wein macht die Dosis das Gift“
Thema Specials Universitätsklinikum Leipzig Ratgeber „Auch bei Bier und Wein macht die Dosis das Gift“
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
00:25 20.03.2020
Die Risiken für Leberverfettung, Leberentzündung und am Ende Leberzirrhose oder gar Leberkrebs steigt mit der Menge des verzehrten Alkohols.
Die Risiken für Leberverfettung, Leberentzündung und am Ende Leberzirrhose oder gar Leberkrebs steigt mit der Menge des verzehrten Alkohols. Quelle: Pixbay
Leipzig

Durch moderaten Alkoholkonsum entstehen für die meisten keine gesundheitlichen Probleme, sagt Prof. Dr. Thomas Berg, Leiter Sektion Hepatologie in der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). „Wein ist ein Kulturgut, mit dessen Anbau und Kultivierung man sich bereits Jahrhunderte vor Beginn der christlichen Zeitrechnung beschäftigte und das sich zu einem Zeichen zivilisierter, abendländischer Lebensart entwickelt hat.

Selbst Tiere genehmigen sich sozusagen ein Schlückchen, indem sie sich über vergorene Früchte hermachen. Und es gab Zeiten, da war das Trinken von Wein hygienischer als der Genuss von Wasser. Was aber damals wie heute Probleme macht, ist das regelmäßige Trinken von größeren Mengen von alkoholhaltigen Getränken. Das heißt: Auch bei Bier und Wein macht die Dosis das Gift.“

Risiko ist bei Frau und Mann unterschiedlich

Prof. Berg ist Leber-Experte und weiß um die Folgen übermäßigen Trinkens alkoholhaltiger Getränke: Das Risiko für Leberverfettung, Leberentzündung und am Ende Leberzirrhose oder gar Leberkrebs steigt gewissermaßen mit jeder Maß, die getrunken wird. „Wobei natürlich das Risiko ganz individuell unterschiedlich ist“, so der Hepatologe. „Zum einen gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Deshalb liegen die Grenzwerte für einen riskanten Alkoholkonsum bei Frauen bei 20 Gramm reinen Alkohols pro Tag – das wäre etwa eine halbe Flasche Bier – und bei Männern bei 40 Gramm.“

Viele Faktoren begünstigen Lebererkrankungen

Prof. Thomas Berg, Leber-Experte von der Uniklinik Leipzig. Quelle: Stefan Straube

Neben der Menge von Alkohol, die konsumiert wird, verstärken Übergewicht, Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck die Risiken für Lebererkrankungen. Dazu kommen aber auch erbliche (genetische) Faktoren, die zusätzlich einen erheblichen Einfluss auf das Risiko der Entwicklung einer alkoholassoziierten Lebererkrankung haben könne. Diese Faktoren erklären auch, warum bei gleicher Menge Konsum alkoholhaltiger Getränke, die individuellen Folgen für den Konsumenten so unterschiedlich ausfallen. Manche Menschen sind sozusagen „anfällig“ für alkoholassoziierte Lebererkrankungen, während andere wiederum davor bis zu einem gewissen Grad „geschützt“ sind. Der Leipziger Leber-Experte rät deshalb gerade Menschen mit diesen Risikofaktoren bei regelmäßigem Konsum alkoholhaltiger Getränke, die Leberwerte vom Hausarzt kontrollieren zu lassen. Wobei ein Zuviel an Alkohol nicht nur in der Leber Schaden anrichten kann, sondern auch an anderen Organen, wie Gehirn, Nerven, Herz und dem Magen-Darm-Trakt.

Geschädigte Leber kann sich zum Teil regenerieren

Und wenn man sich entschließt, vom Alkohol zu lassen – was passiert dann, falls bereits eine von Alkohol ausgelöste Lebererkrankung vorgelegen hat? „Das Weglassen von Alkohol führt dann oft innerhalb weniger Tage und Wochen zu deutlich positiven Effekten mit Normalisierung der Leberwerte und Abnahme der Fettleberentzündung“, so Prof. Berg. „Das gilt auch bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen. Eine stark geschädigte Leber kann sich zumindest teilweise regenerieren, wird aber sicher nicht wieder topfit. Denn eine Zirrhose verschwindet nicht einfach. Aber durch Alkoholverzicht ist eine Stabilisierung zu erreichen, die oft über Jahre anhalten kann.“

Von Uwe Niemann