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Ratgeber Hintergründe und ­Ratschläge zur Patientenverfügung
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Auf Youtube UKL gibt Ratschläge zur Patientenverfügung

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17:08 15.04.2021
Prof. Sven Bercker erläuterte im Rahmen der Reihe „Medizin für Jedermann“ die ­Besonderheiten von Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.
Prof. Sven Bercker erläuterte im Rahmen der Reihe „Medizin für Jedermann“ die ­Besonderheiten von Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Quelle: Helena Reinhardt

Die gegenwärtige Corona-Pandemie bringt viele Menschen dazu, genauer nachzudenken über das Ende des Lebens und über den ganz speziellen Willen jedes einzelnen Patienten: Will man unter Ausreizung aller technischen Möglichkeiten so lange leben wie möglich, auch wenn das belastende Therapien mit sich bringt? Oder steht die Lebensqualität im Vordergrund und man möchte das Ende seiner Tage nicht durch Maschinen verlängern?

Die gegenwärtige Corona-Pandemie bringt viele Menschen dazu, genauer nachzudenken über das Ende des Lebens und über den ganz speziellen Willen jedes einzelnen Patienten: Will man unter Ausreizung aller technischen Möglichkeiten so lange leben wie möglich, auch wenn das belastende Therapien mit sich bringt? Oder steht die Lebensqualität im Vordergrund und man möchte das Ende seiner Tage nicht durch Maschinen verlängern?

Diesen Patientenwillen sollten Mediziner wie Prof. Sven Bercker, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKL, möglichst konkret kennen. Wie er beim jüngsten Online-Patientenforum innerhalb der Vortragsreihe „Medizin für Jedermann“ berichtete, sei eine Patientenverfügung für die behandelnden Ärzte hilfreich – wenn möglichst viele Eventualitäten berücksichtigt würden.

Die Zustimmung des Patienten ist heutzutage Voraussetzung für alle medizinischen Eingriffe. Der Patient sollte verstanden haben, was mit ihm gemacht wird und welche Alternativen es gibt. Bei einem neuen Hüftgelenk ist das nicht weiter problematisch: Da spricht der Operateur mit dem Patienten, erklärt ihm, was er zu tun gedenkt, dass man das so oder so machen kann. Am Ende unterschreibt der Patient und der Orthopäde kann loslegen. Schwieriger ist es auf der Corona-Intensivstation. Dort liegen Patienten, die möglicherweise nicht mehr bei Bewusstsein sind. Und dann entstehen Fragen.

Der Intensivmediziner blickte bei seinem Vortrag zurück auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der der Biochemiker Louis Pasteur und der Mediziner Robert Koch sich mit Infektionskrankheiten beschäftigten und dabei nicht immer zimperlich mit ihren Patienten umgingen. So kam es zu einer bedeutsamen Anordnung des preußischen Innenministers, nach der Mittel gegen TBC eben nicht an Gefängnisinsassen ausprobiert werden durften. Erstmals zählte der Patientenwille. Als dann gar eine Testreihe mit Syphilis-Serum an Frauen und Mädchen stattfand, bei der einige der Probandinnen erkrankten, kam der Mediziner vor Gericht und wurde verurteilt. Begründung: Ohne Zustimmung der Patientinnen oder deren Eltern ginge Derartiges nicht.

In der Genfer Deklaration des Weltärztebundes von 1948, die die Grundlage für den Beruf als Arzt ist – und übrigens nicht der Eid des Hippokrates – steht: „Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren.“ Gleiches ist in Deutschland gesetzlich ­geregelt. Was aber, wenn der Patient nicht mehr sagen kann, was sein autonomer ­Wille ist?

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Am besten wäre es natürlich, der Patient könnte seinen Willen selbst darlegen. Geht das nicht, wäre ein voraus verfügter Wille hilfreich. Eher ungünstig ist beispielsweise anzugeben, dass man sein Leben nicht von Geräten abhängig machen möchte, aber gleichzeitig einer OP zuzustimmen, die ohne diese Geräte schlicht nicht auszuführen ist. Eine derart allgemeine Willensbekundung bringt nicht viel. Besser konkret und eindeutig, wie zum Beispiel: „Ich verfüge ein Reanimationsverbot“.

Ist ein voraus verfügter Wille nicht vorhanden, muss der mutmaßliche Wille ergründet werden. Das geschieht im Gespräch mit Angehörigen. Gibt es keine Angehörigen, die sagen können, wie der Patient sich entscheiden würde, steht eine so genannte Entscheidung zum Wohle des Patienten an – eine für die Mediziner schwierige Situation.

Prof. Bercker erläuterte die Besonderheiten von Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Im Internet gebe es Vorlagen, die nur ausgefüllt, ausgedruckt und unterschrieben werden müssten. Wichtig sei, möglichst konkret festzulegen, wie in welcher Situation – von der künstlichen Ernährung über die Wiederbelebung bis zur künstlichen Beatmung – entschieden werden soll. Den Ärzten ist jedoch auch klar, dass es nicht einfach ist, sich als Gesunder in die Situation des Sterbens einzufühlen. Deshalb sollte man vielleicht noch zu guten Zeiten mit dem Hausarzt oder mit Vereinen wie dem Hospizdienst über die Thematik reden. Auch die UKL-Klinikärzte stehen für solche Gespräche zur Verfügung.

Von UN