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Ratgeber Broken-Heart-Syndrom
Thema Specials Universitätsklinikum Leipzig Ratgeber Broken-Heart-Syndrom
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
11:31 29.10.2019
Das „Broken-Heart-Syndrom“ ist eine kardiologische Erkrankung und betrifft vorrangig Frauen zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr, die einen schweren Schicksalsschlag erleiden mussten. Quelle: Christin Klose / dpa
Leipzig

Wenn Patienten mit Brustschmerzen ins Universitätsklinikum Leipzig kommen, sind höchste Aufmerksamkeit und schnelles Handeln gefragt. Denn in den meisten Fällen handelt es sich um einen Herzinfarkt. „Dann muss schnellstens eine Wiedereröffnung des verstopften Gefäßes erreicht werden, damit möglichst wenig Herzmuskelgewebe abstirbt“, sagt Prof. Dr. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Bei etwa drei, vier – mehrheitlich weiblichen – Patienten im Monat entpuppen sich die heftigen Brustschmerzen und die Luftnot, die mit einer Beeinträchtigung der Herzleistung bis hin zum kardiogenen Schock einher gehen, als eine Störung, die verschiedene Namen tragen kann: Stress-Kardiomyopathie, Tako-Tsubo-Syndrom, Broken-Heart- oder Gebrochenes-Herz-Syndrom.

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Anlagebedingte Anfälligkeiten sind möglich

„Die Krankheit ist noch mit vielen offenen Fragen behaftet“, erläutert der Leipziger Kardiologe. „Wir wissen, dass die Betroffenen häufig weiblich, meist im Alter zwischen 60 bis 75 Jahren sind und offenbar plötzlicher Stress der Auslöser ist. Die Ursachen für den Stress können negativer Form sein: eine Katastrophe im privaten Umfeld, wie der Tod des Lebenspartners oder der Verlust der materiellen Existenz. Selten auch positive emotionale Belastungen, wie beispielsweise ein großer Lottogewinn. Klar ist aber auch: Nicht jede emotionale Situation führt zu einem akuten Koronarsyndrom; möglicherweise gibt es auch anlagebedingte Anfälligkeiten.“

Behandlung der Herzkranzgefäße nicht erforderlich

Die Behandlung indes beginnt wie bei einem akuten Herzinfarkt: Der Notarzt sollte gerufen werden. Und: Der Patient sollte in eine Klinik mit Herzkatheterlabor transportiert werden. „Denn nur hier kann unterschieden werden, ob es ein Herzinfarkt oder eine Stress-Kardiomyopathie ist“, so Prof. Laufs. „Denn obwohl es gemeinsame Symptome gibt und sich auch die Marker im Blut gleichen, unterscheidet sich die weitere Behandlung gravierend. Bei der Stress-Kardiomyopathie ist ja kein Herzkranzgefäß verstopft. Daher ist keine Behandlung der Herzkranzgefäße erforderlich, sondern der Patient erhält spezifische Medikamente zur Entlastung der Herzmuskulatur und wird auf der Intensivstation betreut, um bei einer möglichen bösartigen Herzrhythmusstörung sofort eingreifen zu können.“

Anonymisiertes Register hilft bei der Forschung

Wie Prof. Laufs weiter erklärt, ist die Klinik an einem Register beteiligt, in das die teilnehmenden Einrichtungen ihre einzelnen Fälle – natürlich anonymisiert – eintragen. Am Ende werden aus der entstehenden Vielzahl von Fällen Ergebnisse abzulesen sein, die dabei helfen, „manches zu verstehen, was wir heute noch nicht genau wissen.“

Von Uwe Niemann