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Ratgeber Gefährliche Kehldeckel-Entzündung: Behandlungsmöglichkeiten bei Epiglottitis
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Gefährliche Kehldeckel-Entzündung: Hilfe bei Epiglottitis

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07:33 02.06.2021
„Bei einer Epiglottitis wird durch Schwellungen der Kehldeckel zu einem Korken, der die Luftröhre sogar verschließen kann“, erläutert Prof. Andreas Dietz, Direktor der HNO-Klinik am UKL.
„Bei einer Epiglottitis wird durch Schwellungen der Kehldeckel zu einem Korken, der die Luftröhre sogar verschließen kann“, erläutert Prof. Andreas Dietz, Direktor der HNO-Klinik am UKL. Quelle: Foto: Stefan Straube
Leipzig

Fünf- bis zehnmal im Jahr sieht Prof. Dr. Andreas Dietz eine akute Entzündung des Kehldeckels. „Bei dieser seltenen Erkrankung wird der Kehlkopf geradezu abgeschnürt. Es besteht Erstickungsgefahr, das ist ein absoluter Notfall“, betont der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). „Man muss extrem vorsichtig schon beim Untersuchen sein, denn schnell sind ein Krampf – die Stimmlippen schließen den Kehlkopf zu – oder eine plötzliche Verschlechterung der Atmung möglich.“

Ursache dieser gefährlichen Entzündung sind oft Bakterien. Manchmal geht der Epiglottitis ein zunächst harmloser Infekt der Atemwege voraus. Aber oft beginnt es mit massiven Halsschmerzen, ansteigendem Fieber, einer starken Speichelproduktion und Geräuschen beim Atmen. „Am offensichtlichsten ist die kloßige Sprache“, sagt Prof. Dietz. „Dazu kommen Schluck- und Atembeschwerden. Spätestens dann sollte der Betreffende zu einer Notaufnahme gebracht oder die Notrufnummer gewählt werden.“

Gegen die Bakterien wehrt sich die Schleimhaut, mit der der Kehlkopfdeckel überzogen ist, mit einer Entzündungsreaktion. Dadurch schwillt die Schleimhaut und auch die unmittelbare Umgebung an. „Der Kehldeckel hat ja die Aufgabe, beim Schlucken von Nahrung die Luftröhre zu verschließen. Bei einer Epiglottitis wird durch die Schwellungen der Kehldeckel zu einem Korken, der die Luftröhre verengt und sogar verschließen kann. Deshalb muss manchmal sogar ein Luftröhrenschnitt gemacht werden, um die Patienten zu retten.“

Bei Kindern sind Schwellungen im Kehlkopfbereich besonders gefährlich, weil dort – im Verhältnis zu Erwachsenen – wenig Platz ist. Deshalb waren früher meist Kinder zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr betroffen. Seit 1990 gibt es für Kleinkinder Schutzimpfungen gegen das Hib-Bakterium, das nicht nur eine Kehldeckelentzündung, sondern auch eine Hirnhautentzündung auslösen kann. Nunmehr tritt die Epiglottitis vor allem bei älteren Menschen auf.

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„Ähnliche Krankheitsbilder entstehen beim sogenannten Pseudokrupp oder bei der Diphterie“, so Prof. Dietz.

„Durch Schutzimpfungen gibt es seit den 1980er Jahren in Deutschland nur noch einzelne Diphterie-Erkrankungen. Wird von der Infektionskrankheit der Kehlkopf befallen, können Schwellungen unterhalb der Stimmlippen entstehen, die zu Hustenanfällen und Luftnot führen. Dann sprechen wir von Krupp. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Erwachsenen, die Impfung gegen Diphtherie alle zehn Jahre aufzufrischen. Pseudokrupp wiederum ist eine durch Viren ausgelöste Atemwegserkrankung, bei der ebenfalls unterhalb der Stimmband-Ebene Schwellungen entstehen, die zu Husten und Atemnot führen können. Wichtig ist, dass ein Pseudokrupp-Anfall von lebensgefährlichen Erkrankungen wie dem echten Krupphusten oder der akuten bakteriellen Epiglottitis unterschieden wird.“

Von Uwe Niemann