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Ratgeber „Genetische Veranlagung spielt eine Rolle“
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
08:24 04.04.2019
Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKL. Quelle: UKL

Eine Depression ist eine ernste, oft lebensbedrohliche psychische Krankheit.

„Menschen mit der Diagnose Depression haben im Schnitt eine um 10 Jahre reduzierte Lebenserwartung“, sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKL.

„Fast alle glauben, dass Schicksalsschläge, Kränkungen, Partnerschaftskonflikte oder Stress im Job der Hauptgrund für Depressionen sind. Das stimmt aber nicht. Von Laien, aber auch unerfahrenen Ärzten und Psychotherapeuten, wird die Bedeutung belastender Lebensereignisse als Ursache der Erkrankung überschätzt. Zu schnell wird die scheinbar naheliegende Schlussfolgerung gezogen: Er hat seinen Job verloren, oder, der Partner hat sich getrennt – ist ja klar, dass er eine Depression bekommt. Wichtiger ist aber die Veranlagung. Ohne diese bekommt man auch bei großem Stress keine Depression.“

In unserer dreiteiligen Serie beantwortet der Leipziger Psychiater und Psychotherapeut die wichtigsten Fragen zu Depressionen.

Woran erkennt man eine Depression?

Oft erkennt man es daran, dass sich jemand sehr verändert. Depressiv Erkrankte sind im gesunden Zustand oft sehr hilfsbereite, aktive und verantwortungsvolle Menschen, die sich in der Erkrankungsphase völlig zurückziehen, an Allem die Freude verlieren, völlig hoffnungslos wirken.

Bemerken Familie, Freunde und Arbeitskollegen eine Depression? Und was sollten sie tun?

Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Betroffenen und Angehörige Sorge tragen, dass der Erkrankte ärztlich untersucht und wenn nötig behandelt wird. Dem Erkrankten selbst fehlt oft die Kraft und Hoffnung, um sich Hilfe zu holen. Oft geben sich die Erkrankten zudem selbst die Schuld an ihrem Zustand. Daher ist die Unterstützung der Angehörigen beim Gang zum Arzt oft sehr wichtig. Der Angehörige sollte ruhig und stabil an der Seite des Erkrankten stehen, aber auch wissen, dass er selbst weder an der Erkrankung schuld noch für die Behandlung zuständig ist.

Gibt es eine Neigung zu Depressionen und ist diese vererbbar?

Gut belegt ist, dass bei der Entstehung einer Depression eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt (zum Beispiel durch Zwillings- und Adoptionsforschung). Es gibt jedoch kein einzelnes „Depressions-Gen“, das hauptverantwortlich für die Erkrankung wäre. Es ist anzunehmen, dass es zahlreiche genetische Veränderungen gibt, die erst bei einer ungünstigen Konstellation das Erkrankungsrisiko erhöhen. Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, für eine Person um das Dreifache erhöht ist, wenn die Eltern oder Geschwister an einer Depression erkrankt sind.

Gibt es auch den depressiven Fleischer, Dachdecker und Klempner oder nur den depressiven Lehrer, Politiker und Spitzensportler?

Eine Depression kann jeden treffen, unabhängig vom Beruf. Aber es gibt Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Bei Frauen stellen Ärzte etwa doppelt so häufig die Diagnose Depression wie bei Männern. Für diesen Geschlechterunterschied gibt es unterschiedliche Erklärungsversuche. Bei Männern ist eine Depression manchmal schwieriger zu erkennen. Frauen sprechen eher über ihre Ängste und Stimmungsschwankungen sodass die Diagnose häufiger gestellt wird. Das erklärt aber nicht die großen Häufigkeitsunterschiede. Unterschiede in den Genen, den Hormonen und anderen biologischen Aspekten spielen die entscheidende Rolle.

Die Fragen stellte Uwe Niemann.

Eine Depression ist eine ernste, oft lebensbedrohliche psychische Krankheit. Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, erläutert im Interview Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

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