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Ratgeber Impfung schützt gegen Gebärmutterhalskrebs
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
13:30 21.09.2018
Prof. Dr. Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig Quelle: UKL

Die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt, der Verzicht auf das Rauchen und auf häufig wechselnde Geschlechtspartner – damit können Frauen das Risiko eines Gebärmutterhalskrebses reduzieren. Das rät Prof. Dr. Aktas. Den Müttern rät sie, sowohl Mädchen als auch Jungen per Impfung gegen Humane Papillomaviren schützen zu lassen. Denn diese HP-Viren sind Auslöser des Zervixkarzinoms.

Frage: Wie können sich Frauen am besten vor Gebärmutterhalskrebs schützen?

Prof. Dr. Bahriye Aktas: Der erste und wichtigste Schritt zur Vorsorge ist, regelmäßig zum Frauenarzt zu gehen. Jede Frau ab 20 Jahren hat das Recht, einmal im Jahr eine Vorsorgeuntersuchung vornehmen zu lassen. Und es wäre schön, wenn alle Frauen dieses Recht für sich zur Pflicht machen würden. Zudem würde ich dringend empfehlen, Rauchen und Promiskuität zu vermeiden.

Was auf gut Deutsch heißt: Mädels, geht nicht gleich mit jedem ins Bett.

So könnte man es auch sagen. Auf alle Fälle ist der Gebärmutterhalskrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Und in jedem Jahr sterben 2000 daran. Natürlich gibt es die verschiedensten Ursachen und Auslöser dieser Tumorerkrankung. Aber eine Rolle spielen vor allem Humane Papilliomaviren, kurz HPV. Immerhin sind 99 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Patientinnen HPV-positiv. Und weil HPV häufig beim Sex übertragen wird, sind häufig wechselnde Partner de facto ein hohes Risiko.

Gegen HPV gibt es doch aber eine Impfung.

Ja, sie ist ein Schutz, wenn die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr vorgenommen wird. Deshalb empfehle ich sie dringend. Zudem wird die Schutzimpfung in Sachsen als einzigem Bundesland auch für Jungen bezahlt. Der Grund ist: Wenn die Jungs keine Viren transportieren, können sie die Mädchen nicht anstecken und sich selber vor HPV assoziierten Erkrankungen schützen. Aber: Eine HPV-Impfung ersetzt keinesfalls die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt.

Was gehört zur Vorsorgeuntersuchung?

Der wichtigste Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung zur Krebsfrüherkennung ist ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals, der sogenannte Pap-Test. Ein sicherer Krebstest im engeren Sinn ist der Abstrich zwar nicht; man sieht aber, ob Zellen gesund und normal aussehen oder nicht. Damit steigt die Chance, Krebsvorstufen zu erkennen und zu behandeln – noch bevor der Krebs entsteht. Zum Pap-Test kommt nun für Frauen ab 35 Jahren ein zusätzlicher HPV-Test, der dann alle drei Jahre wiederholt wird und auf den – ähnlich wie bei den Mammografie-Untersuchungen – mit Info-Briefen hingewiesen wird. Auch über den HPV-Test lässt sich Krebs direkt nicht diagnostizieren, sondern nur eine HPV-Infektion als möglicher Auslöser. Aber beide Tests zusammen haben eine hohe Aussagekraft. Patientinnen mit bekannter Risikokonstellation sollten engmaschiger kontrolliert werden und an eine Dysplasiesprechstunde angebunden werden.

Warum wird bei Frauen schon so früh auf den Gebärmutterhalskrebs geschaut?

Das Zervixkarzinom hat in der Entstehung zwei zeitliche Gipfel: Einmal bei Frauen um die 45 und dann bei Frauen um die 60 Jahre. Die meisten Krebsvorstufen entstehen etwa zehn Jahre davor. Und weil wir schon die Vorstufen finden wollen, um den Krebs gar nicht erst zuzulassen, werden schon junge Frauen gescreent. Werden Krebsvorstufen gefunden, ist die Sanierung per Operation auch einfacher. Überhaupt sind Krebserkrankungen in frühen Phasen immer besser zu heilen.

Hilft die Vorsorge auch bei anderen Krebserkrankungen der Frauen?

Beim Eierstockkrebs ist  noch keine Screening-Methode vorhanden, für den Frauenarzt ist eine Diagnosestellung im Frühstadium schwierig. Aber ein Vulva- oder ein Vaginalkarzinom ist bei der jährlichen Untersuchung schon im Frühstadium zu entdecken. Veränderungen sollten nicht verschleppt werden, bei persistierenden Veränderungen lieber einmal eine kleine Probe entnehmen. Übrigens hilft die HPV-Schutzimpfung auch gegen Scheidenkrebs. Das wäre ein weiterer Grund, dass Eltern ihre jungen Mädchen beizeiten impfen lassen.

Interview: Uwe Niemann

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