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Ratgeber Kombinierte Behandlungen sind sinnvoll
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
17:26 24.04.2019
Prof. Ulrich Hegerl spricht über die Behandlungsmöglichkeiten der Volkskrankheit Depression. Quelle: Pablo Castagnola / Deutsche Bahn Stiftung
Leipzig

Eine Depression ist eine ernste, oft lebensbedrohliche psychische Krankheit. „Menschen mit der Diagnose Depression haben im Schnitt eine um 10 Jahre reduzierte Lebenserwartung“, sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig. „Fast alle glauben, dass Schicksalsschläge, Kränkungen, Partnerschaftskonflikte oder Stress im Job der Hauptgrund für Depressionen sind. Das stimmt aber nicht. Von Laien, aber auch unerfahrenen Ärzten und Psychotherapeuten, wird die Bedeutung belastender Lebensereignisse als Ursache der Erkrankung überschätzt. Zu schnell wird die scheinbar naheliegende Schlussfolgerung gezogen: Er hat seinen Job verloren, oder, der Partner hat sich getrennt – ist ja klar, dass er eine Depression bekommt. Wichtiger ist aber die Veranlagung. Ohne diese bekommt man auch bei großem Stress keine Depression.“ In unserer dreiteiligen beantwortet der Leipziger Psychiater und Psychotherapeut die wichtigsten Fragen zu Depressionen.

Können auch Kinder depressiv sein?

Bei kleineren Kindern ist die Abgrenzung einer depressiven Erkrankung von einer Reaktion z.B. auf belastende Familienverhältnisse, schwieriger. Es ist aber unstrittig, dass Depressionen bereits in jungen Jahren beginnen können. Das häufigere Auftreten bei weiblichen Personen stellt sich erst ab der Pubertät ein.

Was meinen Sie: Gab es schon in der Steinzeit depressive Menschen?

Ich denke schon. Depressionen gibt es zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Bereits Theophrast, ein Schüler des Aristoteles, der im 3. Jahrhundert vor Christus gelebt hat, hat einen langen Aufsatz zu Melancholie geschrieben, die teilweise an unsere heutige Depression erinnert. Er hat vermutet, dass ein Körpersaft, die schwarze Galle, dafür verantwortlich ist.

Was hilft bei einer Depression?

Depressionen sind gut behandelbar. Die beiden wichtigsten Bausteine sind die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva und die Psychotherapie. Viele glauben, dass Antidepressiva abhängig machen. Aber das tun sie nicht, sie normalisieren nach und nach die Funktionsabläufe im Gehirn und können die depressive Phase zum Abklingen bringen und das Risiko von Rückfällen deutlich reduzieren. Sie sorgen dafür, dass man wieder man selbst sein kann. Psychotherapie kann für die Akutbehandlung von Depressionen sinnvoll sein und auch das Rückfallrisiko senken. Die besten Wirksamkeitsbelege liegen für die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie vor. Hier geht es beispielsweise um das Vermeiden von Selbstüberforderung oder negativer Gedankenkreise. Bei sehr schweren oder gar wahnhaften Depressionen ist eine Psychotherapie nicht durchführbar. Oft ist es, sinnvoll Medikamente und Psychotherapie zu kombinieren.

Kann man sich vor Depressionen schützen?

Die Möglichkeiten der Prävention bei bisher Gesunden sind aus meiner Sicht beschränkt und werden bisweilen überschätzt. Regelmäßiger Sport und eine gesunde Lebensführung können sicherlich dazu beitragen, die sonstige Gesundheit zu erhalten, beugen aber nicht zwangsläufig einer Depression vor. Besteht eine hohe Veranlagung zu Depressionen, so wird der Betroffene auch bei glücklichen Lebensumständen und gesunder Lebensführung immer wieder in diesen Krankheitszustand rutschen. Was gut möglich ist, das ist die Reduktion des Rückfallrisikos mittels Pharmako- und Psychotherapie. Neueste Studien zu den vorbeugenden Effekten gesunder Ernährung oder von Vitaminen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln sind leider wenig überzeugend.

Von Uwe Niemann.

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