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Ratgeber Von Leistenbruch oft Männer betroffen
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18:26 05.06.2019
Sichtbar als kleiner Knubbel oder größere Beule: Bei einem Leistenbruch werden Teile des Darms nach Außen gedrückt - die betreffende Stelle in der Leistengegend wölbt sich dadurch vor.
Sichtbar als kleiner Knubbel oder größere Beule: Bei einem Leistenbruch werden Teile des Darms nach Außen gedrückt - die betreffende Stelle in der Leistengegend wölbt sich dadurch vor. Quelle: dpa Infografik GmbH / Heniamed
Leipzig

Selbst dem durchtrainiertesten Sportler kann es passieren: Beim Trainieren mit schweren Gewichten, beim Schleppen von Kisten oder dem Heben eines Getränkekastens drückt es plötzlich in der Leistengegend. Dort entsteht dann eine Schwellung, die gut zu ertasten ist. „Das ist der sogenannte Leistenbruch, der schon bei steigendem Druck im Bauchraum – beispielsweise durch Husten und Niesen – auf sich aufmerksam macht“, so Dr. Boris Jansen-Winkeln, Oberarzt in der Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie. „Passiert ist Folgendes: Die Leistenregion hat dem Druck durch die körperliche Anstrengung nicht mehr standgehalten, und das Bauchfell hat den Leistenkanal durchbrochen. Dieser Kanal ist sozusagen eine Lücke in der Muskulatur; hier verlaufen wichtige Blutgefäße und Nerven sowie beim Mann der Samenleiter.“

Und Letzteres scheint ein „Konstruktionsfehler“ zu sein. Wie Dr. Jansen-Winkeln erläutert, treten die Leistenhernien, so der Fachausdruck, zu 90 Prozent bei Männern auf. Bei Frauen kommt es zu solchen Brüchen oft in der Schwangerschaft, wenn die Bauchmuskulatur besonders beansprucht wird. „Ein Leistenbruch ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch gefährlich werden, wenn beispielsweise ein Stück Darm eingeklemmt wird. Das wiederum kann zum Absterben des eingeklemmten Gewebes oder zu einem Darmverschluss führen. Beides ist lebensgefährlich und macht eine schnellstmögliche Operation notwendig.“

Vorbeugen kann man einem Leistenbruch höchstens, indem schweres Heben vermieden wird. „Irgendein Training zur Stärkung der Muskulatur funktioniert nicht. Ganz im Gegenteil: Zu uns kamen schon Patienten direkt aus dem Fitness-Center, weil sie sich hier übernommen hatten“, erzählt der Leipziger Chirurg. „Bei einer vorliegenden Bindegewebsschwäche reicht aber schon eine starke Erkältung, bei der viel gehustet wird, um einen Leistenbruch auszulösen.“

In den meisten Fällen ist ein Leistenbruch ungefährlich. Allerdings vergrößern sich Hernien, wenn sie nicht behandelt werden. Wobei Behandlung in den meisten Fällen heißt, dass operiert wird. Denn Leistenbrüche bilden sich nicht wieder spontan zurück. „Bei Operationen bevorzugen wir das minimal-invasive Verfahren“, so Dr. Jansen-Winkeln. „Dabei werden drei kleine Schnitte von jeweils fünf Millimeter Länge vorgenommen, und ein Kunststoffnetz schließt den Bruch. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Die Gefahr chronischer Schmerzen ist geringer, Wundinfektionen und Blutergüsse sind seltener, es bleiben nur winzige Narben und nicht zuletzt werden die Patienten schneller wieder fit.“

Freilich gebe es komplexe, große oder mehrfache Leistenbrüche, die für jeden Mediziner eine Herausforderung sind. Im Allgemeinen liege aber bei den 250.000 Menschen, die in Deutschland jährlich wegen eines Leistenbruchs operiert werden müssen, kein komplizierter Bruch vor.

Von Uwe Niemann