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Ratgeber Zöliakie: Beschwerdefrei dank richtiger Ernährung
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Zöliakie: Beschwerdefrei dank richtiger Ernährung

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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
08:11 29.07.2021
Zöliakie ist eine Unverträglichkeit des Körpers gegen das Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten enthalten ist.
Zöliakie ist eine Unverträglichkeit des Körpers gegen das Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten enthalten ist. Quelle: pexels.com / kaboompics.com
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„Haben wir die Diagnose Zöliakie gesichert, erfolgt ein zweiteiliges Aufklärungsgespräch: Ich erkläre den Eltern, was im Körper des Kindes durch die Krankheit passiert, ein Ernährungstherapeut der Kinderklinik erläutert, wo überall Gluten enthalten ist und welche glutenfreien Alternativen es gibt. Denn lebenslang muss nun Gluten vermieden werden“, sagt Dr. Gunter Flemming, Kindergastroenterologe an der Kinderklinik des UKL.

Dies bedeutet für die gesamte Familie natürlich eine einschneidende Veränderung im Alltag. Aber bei den Allermeisten gelingt diese Umstellung sehr gut. Und das Erfreuliche ist, dass die Entzündung und die damit verbundene Schädigung des Dünndarms sich unter der glutenfreien Ernährung komplett zurückbilden.

„Im Verlauf finden regelmäßige Vorstellungen in unserer Sprechstunde statt. Hierbei wird neben der körperlichen Entwicklung auch der Verlauf der spezifischen Zöliakie-Antikörper im Blut kontrolliert.“ Diese normalisieren sich unter der glutenfreien Ernährung im Laufe der Zeit, können aber auch Hinweise auf systemische Fehler in der Ernährung geben. Zudem werden das Blutbild, Schilddrüsen- und Leberparameter kontrolliert, um mögliche Mangelzustände oder zur Zöliakie assoziierte Autoimmunerkrankungen beispielsweise der Haut, Schilddrüse und Leber frühzeitig zu erkennen.

„Die Zöliakie geht nicht weg, auch wenn der Betreffende vielleicht keine Beschwerden bekommt, wenn er mal über die Stränge schlägt und einen Hotdog isst“, sagt Dr. Flemming. „Das Limit wird gesetzt durch das Regenerierungsvermögen des Darms. Jede noch so kleine Glutenbelastung löst umgehend wieder eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, auch wenn der Patient nichts davon spürt.“ Höre die Belastung auf, regeneriere sich die Dünndarmschleimhaut wieder. Aber dieses Regenerierungsvermögen ist nicht unendlich. Kann sich die Schleimhaut nicht mehr erholen, sind Bauchschmerzen, Durchfälle und Mangelernährung die Folge und die therapeutischen Möglichkeiten sehr eingeschränkt.

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Die Diagnose erfolgt meist im Kindesalter, aber auch im höheren Erwachsenenalter kann die Autoimmunerkrankung erstmalig deutlich werden. Manche Patienten sind 30 bis 40 Jahre alt, wenn die Zöliakie erstmals entdeckt wird, sie kann auch jenseits des 60. Lebensjahres noch auftreten. Dann ist Prof. Dr. Albrecht Hoffmeister, Leiter des Bereichs Gastroenterologie am UKL, gefragt. Er behandelt auch die jugendlichen Patienten weiter, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr von Dr. Flemming betreut wurden.

„Auch bei den Erwachsenen sind die Symptome sehr vielfältig“, so Prof. Hoffmeister. „Sie reichen von Durchfall über Vitaminmangel und Anämie bis zu Leberwerterhöhung. Über Blutuntersuchungen sowie eine Magen- und Zwölffingerdarmspiegelung wird offenbar, wo die Ursache liegen könnte. Der Bluttest auf die Antikörper gegen Transglutaminase gibt häufig einen ersten Hinweis auf eine Zöliakie. Die endgültige Absicherung der Diagnose erfolgt in vielen Fällen durch eine Dünndarmbiopsie.“

Mit der Diagnose und dem dringenden Rat, Gluten zu meiden, ist die Versorgung der Patienten natürlich nicht abgeschlossen. Medizinische Verlaufskontrollen anhand von Bluttests geben den Patienten Halt und Gewissheit, dass sie mit ihrer glutenfreien Diät richtig liegen. Zum anderen bietet die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) als Selbsthilfegruppe den Betroffenen viel Wissenswertes. „Beispielsweise werden jährlich Publikationen herausgegeben mit Informationen, was die Patienten essen können“, so Prof. Hoffmeister, der sich selbst für die DZG engagiert.

Von Uwe Niemann