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UKL aktuell Angst-Management soll Besonderheit der Zahnarztausbildung in Leipzig werden
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Angst-Management bei Zahnarztausbildung in Leipzig 

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07:28 03.06.2021
Zahnarztausbildung in der Kinderzahnheilkunde: Prof. Christan Hirsch (li.), Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe, bespricht mit Studentinnen den Einsatz von Lachgas bei der Behandlung eines Jungen.
Zahnarztausbildung in der Kinderzahnheilkunde: Prof. Christan Hirsch (li.), Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe, bespricht mit Studentinnen den Einsatz von Lachgas bei der Behandlung eines Jungen. Quelle: Foto: Stefan Straube
Leipzig

„Gegenwärtig bereiten wir dafür ein Lehrprojekt vor“, so Prof. Dr. Christan Hirsch, Direktor der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe am Universitätsklinikum Leipzig. „Denn wenn der 21-er Jahrgang der kommenden Zahnärzte dann die klinische Ausbildung beginnt, soll die Einbeziehung des Angst-Managements ein Spezifikum der Zahnarztausbildung in Leipzig werden. Hier sollen die Zahnmediziner lernen, dass es außer örtlicher Betäubung sehr viel mehr gibt, womit Angst reduziert und Schmerzen möglichst vermieden werden können.“

Wie Prof. Hirsch erläutert, soll zur Ausbildung der Leipziger Zahnmediziner gehören, wie pharmakologische und psychologische Möglichkeiten sinnvoll kombiniert werden. „Heute sind die Zumutbarkeitsgrenzen für Behandlungen beim Zahnarzt ganz andere als früher. Die Lokalanästhesie wird selbst bei Füllungen eingesetzt. Bei Zahnextraktionen und anderen operativen Eingriffen ist sie ohnehin ganz selbstverständlich.

Indes: Das mag den Schmerz bekämpfen, aber gegen die Angst müssen zusätzliche Methoden eingesetzt werden, die von Hypnosetechniken über Sedierung mittels Lachgas oder anderen Pharmaka bis zur Vollnarkose reichen.“

Krankhafte Angststörung wird oft nicht erkannt

Da die Angst vor der Zahnbehandlung als normal gilt, wird eine krankhafte Angststörung in der Zahnmedizin häufig nicht als solche erkannt. Deshalb muss auch beim Zahnarzt am Beginn der Behandlung eine kompetente und sorgfältige Anamnese stehen, um sowohl somatische Erkrankungen als auch das Ausmaß der individuellen Angst zu erfassen.

Das frühzeitige Erkennen einer krankhaften Angst wird als Schlüssel für einen erfolgreichen Umgang mit hochängstlichen und phobischen Patienten angesehen. Verschiedene Fragebögen, Messungen und Beobachtungen können den Zahnmedizinern helfen, Angststörungen zu erkennen – das sollen die Studenten der Zahnmedizin in Leipzig erlernen.

Hintergrund ist: Leipzig gehört zu den wenigen Universitätskliniken in Deutschland, in denen es einen Lehrstuhl für die zahnärztliche Behandlung von Kindern gibt. Nur noch in Greifswald, Marburg, Gießen und München wird Kinderzahnmedizin durch qualifizierte Hochschullehrer vermittelt.

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Deshalb wird die Einbeziehung des Angst-Managements – das ja bei Kindern ein zentraler Aspekt der Behandlung ist – in die Ausbildung der Zahnärzte eine Besonderheit dieser Uniklinikstandorte sein.

„Besonders beim Erstkontakt eines Kindes mit dem Zahnarzt kommt es darauf an, dass die kleinen Patienten auch im Notfall mit qualifiziertem Angst- und Schmerzmanagement begleitet werden. Sonst können aus schmerzhaften Erfahrungen wahre Angstpsychosen entstehen. Deshalb verwenden wir schon heute in schwierigen Fällen bestimmte Sedierungstechniken und auch Lachgas. Und schwierige Fälle überweisen die niedergelassenen Zahnärzte ja gerne zu uns.“

Von Uwe Niemann