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UKL aktuell Beckenbodentraining hilft auch Männern
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
01:46 27.11.2019
Dr. Andreas Gonsior berät seine Patienten nach einer Prostata-Operation zur Stärkung der Beckenboden-Muskulatur. Quelle: Stefan Straube / ukl
Leipzig

Muskeltraining ist für viele Männer nichts Neues. Denn stramme Oberarme und Waden, gar ein Sixpack als Bauchersatz sind absolut männlich. Aber den Beckenboden trainieren – das ist doch nur etwas für Frauen. „Nicht ganz richtig“, so Dr. Andreas Gonsior, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Leipzig und Leiter des Kontinenzzentrums. „Richtig ist, dasses bei Frauen infolge von Schwangerschaft und Geburt, aber auch durch Übergewicht und Alterung zu Blasen- und Gebärmuttersenkungen kommen kann, was dann die Kontinenz beeinträchtigen kann.

Männer trifft Inkontinenz meist mit einem Schlag

Viele Mütter haben das Beckenbodentraining im Rahmen der Rückbildungsgymnastik kennengelernt und wissen spätestens, wenn beim Lachen, Husten oder Niesen peinliche Momente drohen, was sie tun müssen: den Beckenboden trainieren. Auf Frauen kommt das Kontinenzproblem also meist langsam zu, so dass sie mit Gymnastik dagegen ankämpfen können. Bei Männern ist das oft anders. Sie trifft die Inkontinenz meist mit einem Schlag – und zwar nach einer Prostatakrebsoperation.“

Wie der Leipziger Urologe erläutert, leiden Männer wegen ihrer anderen Anatomie nicht unter den Folgen eines schwachen Beckenbodens. Aber nach einer Prostatektomie, also der operativen Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs, sind die meisten Männer zunächst harninkontinent. Allerdings gelingt es durch das Beckenbodentraining, bei sehr vielen der Operierten mindestens eine deutliche Verbesserung oder auch vollständige Kontinenz zu erreichen.

Dr. Gonsior: „Beckenbodentraining ist immer günstig“

„Manchmal kommt auch die Frage auf, ob das Trainieren des Beckenbodens vor einer Prostataentfernung gut ist“, erzählt Dr. Gonsior. „Dazu gibt es auch Studien, die aber zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen, so dass eine eindeutige Aussage derzeit nicht möglich ist. Ich meine aber, dass das Beckenbodentraining immer günstig ist, weil es eine wichtige Muskulatur stärkt und eine gute Muskulatur immer gut für den Körper ist.“

Viele Männer wissen nichts über ihren Beckenboden

Wie der Alltag und auch Studien zeigen, ist der Trainingseffekt direkt nach der Operation am besten. Allerdings sind auch Jahre nach der OP noch leichte Verbesserungen möglich. Wobei das „Dranbleiben“ immer gut ist; stetes Üben bringt etwas. Wobei der Urologe schon feststellen musste, dass manche Männer gar nicht wissen, wo sich ihr Beckenboden befindet, geschweige denn, welche Muskeln angespannt werden müssen. „Die Muskeln im Unterbauch haben nichts mit dem Beckenboden zu tun, auch das Anspannen der Po-Backen bringt nichts. Zum Glück werden unsere Patienten von erfahrenen Physiotherapeuten angeleitet, so dass ein korrektes Beckenbodentraining erfolgt.“

Ein trainierter Beckenboden ist auch die Voraussetzung, bevor bei Betroffenen weitere Kontinenz-Therapien zum Einsatz kommen. „Da steht uns eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung vom Band- oder Schlingensystem bis zum künstlichen Schließmuskel“, so Dr. Gonsior.

Der Beckenboden hat mit genussvoller Sexualität zu tun

Wichtig zu wissen ist, dass in den Beckenboden nicht nur die Schließmuskeln von Darm und Harnröhre eingebettet sind, sondern auch ein Teil der Schwellkörper des Penis mit der Beckenbodenmuskulatur verbunden ist. Beispielsweise wird zur Behandlung des frühzeitigen Samenergusses, der häufigsten sexuellen Funktionsstörung bei Männern unter 60 Jahren, Beckenbodentraining regelmäßig und mit Erfolg eingesetzt. So hat der Beckenboden auch mit einer genussvollen Sexualität zu tun.

Von Uwe Niemann

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