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UKL aktuell Herz-Experten des UKL beantworten Fragen rund um den Bluthochdruck
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Bluthochdruck Herz-Experten des UKL beantworten Fragen

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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
07:42 10.12.2021
Bluthochdruck kann unter anderem zu Herzinfarkten führen.
Bluthochdruck kann unter anderem zu Herzinfarkten führen. Quelle: thodonal/stock.adobe.com
Leipzig

Über aktuelle Erkenntnisse zu den Ursachen, der Diagnose und Behandlung des Bluthochdrucks haben die Herzwochen 2021 unter der Überschrift „Herz unter Druck: Diagnose Bluthochdruck“ informiert. Im Rahmen dieser Aktion haben Prof. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Uniklinikum Leipzig (UKL), und Dr. Ulrike Rudolph, Oberärztin in der Kardiologie, wichtige Fragen zum Thema Bluthochdruck beantwortet, ganz speziell auch bei jüngeren Menschen.

Unter anderem erklärten sie, ob Laufen tatsächlich als Sportart zur Prävention geeignet ist, welche alternativen Heilmethoden es gibt und was es bei der Medikamenteneinnahme zu beachten gibt.

Bluthochdruck gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder auch Schlaganfall. Zirka 20 Millionen Menschen in Deutschland, also etwa ein Drittel aller Erwachsenen, haben mittlerweile einen zu hohen Blutdruck, so das Robert-Koch-Institut). Daher sollte jeder seinen Blutdruck kennen und spätestens ab dem 40. Lebensjahr mit regelmäßigen Messungen beginnen.

Prof. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am UKL. Quelle: Hagen Deichsel

Was vielen nicht bekannt ist: Bereits junge Menschen können unbemerkt unter Bluthochdruck leiden. „Bluthochdruck galt lange Zeit als Alterskrankheit. Doch tatsächlich ist es so, dass wir zunehmend auch bei jüngeren Menschen erhöhte Blutdruckwerte finden. Man schätzt sogar, dass fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen bereits einen zu hohen Blutdruck haben“, so Prof. Laufs, Chefkardiologe am UKL. Ursachen seien Risikofaktoren wie Rauchen und Adipositas, Begleiterkrankungen, eine familiäre Veranlagung, aber auch Gründe, die bisher noch nicht bekannt sind.

Ab wann man von einem erhöhten Blutdruck spricht

„Die übliche Definition bezieht sich auf die Ruhemessung in der Arztpraxis, da gilt ein Wert ab 140 zu 90 mmHg als Bluthochdruck des ersten Stadiums. Bei Messungen im privaten Umfeld über mehrere Tage hinweg sollte der Durchschnittswert nicht über 135 zu 85 mmHg liegen. Ist dies der Fall, muss man hier schon von einem erhöhten Blutdruck, einem sogenannten Hypertonus Stufe 1, ausgehen“, erklärt Prof. Laufs.

Häufigste Risiken für Bluthochdruck – und wie man ihn vermeiden kann

„Alles was die Gefäßinnenhaut belastet, führt zu einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck. Vor allem das Rauchen von Zigaretten und erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte gelten als Risikofaktoren“, so Ulrich Laufs. Im Umkehrschluss reduziere alles, was günstig sei für die Gefäßinnenhaut, die Gefahr, einen Bluthochdruck zu entwickeln. „Neben dem Verzicht auf das Rauchen ist körperliche Aktivität das A und O. Man sollte also idealerweise dreimal pro Woche ‚schwitzen’ – je mehr Bewegung, desto besser. Und auch eine herzgesunde Ernährung hat natürlich positive Effekte auf den Blutdruck“, beschreibt Prof. Laufs mögliche Präventivmaßnahmen.

Dr. Ulrike Rudolph, Oberärztin in der Kardiologie am UKL Quelle: Hagen Deichsel

Bluthochdruck mit alternativen Heilmethoden senken – geht das?

Wird ein zu hoher Blutdruck festgestellt, ziehen viele Patienten zunächst alternative Heilmethoden in Betracht, um eine Medikamenteneinnahme zu vermeiden. Oberärztin Dr. Ulrike Rudolph weiß, worauf es dabei ankommt: „Zunächst sollte man seinen Lebensstil überprüfen: Kann ich meinen Salzkonsum reduzieren? Gelingt es mir, mehrfach pro Woche leichten Ausdauersport zu treiben? Kann ich aufhören zu rauchen und auf Alkohol weitgehend verzichten? Hat Anspannung/Dauerstress etwas mit meinem Blutdruck zu tun und kann ich Entspannung im Alltag integrieren?“ Die UKL-Kardiologin ergänzt: “Lebensstiländerungen brauchen Zeit. Daher ist es meist sinnvoller, den Blutdruck zunächst medikamentös zu senken. Blutdrucktabletten sind in Studien in ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit sehr gut untersucht.“

Ergänzend kann die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel helfen: Weißdorn, Melisse, Lavendel, grüner Tee, Bärlauch oder auch Rote Beete haben, so Dr. Rudolph, eine leicht blutdrucksenkende Wirkung. Allerdings ist hier die Wirksamkeit auf den Blutdruck oft nur minimal – und auf die Blutdruck-Senkung kommt es an. Häufig übersehen wird, dass auch pflanzliche Arzneimittel zum Teil schwere Nebenwirkungen haben können. Daher sind sie zur Dauertherapie einer Blutdruckerkrankung nicht geeignet.

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Was ist bei der Medikamenteneinnahme zu beachten?

Ist der Blutdruck so hoch, dass er sich auch durch gesundheitliche Maßnahmen oder alternative Heilmethoden nicht mehr senken lässt, stehen mittlerweile eine Menge verschiedener Medikamente zur Blutdrucksenkung und damit zur Vermeidung von Folgeerkrankungen zur Verfügung. Oft reicht heutzutage bereits eine Tablette pro Tag.

Bei der Einnahme gibt es einiges zu beachten: So sollte die Tablette beispielsweise immer zur gleichen Tageszeit eingenommen und auch nicht weggelassen werden, nur weil der Blutdruck trotz Vergessen der Einnahme weiter normal erscheint. „Man kann ganz klar sagen, dass eine Tabletteneinnahme einmal pro Woche nicht ausreicht“, sagt Prof. Laufs.

„Heute genügt zwar, anders als früher, in vielen Fällen eine Tablette täglich. Diese modernen Tabletten wirken quasi 24 Stunden, so dass die Wirksamkeit auch am nächsten Tag nicht gleich weg ist. Um jedoch einen stabilen blutdrucksenkenden Effekt aufzuzeigen, müssen diese Tabletten regelmäßig eingenommen werden“, führt Prof. Laufs aus.

Wann die Tablette im Tagesverlauf eingenommen wird, richtet sich vor allem nach dem persönlichen Lebensstil: „Ich empfehle jüngeren Menschen, die Tablette gleich morgens beim Zähneputzen einzunehmen, den Blister am besten neben den Zahnputzbecher zu legen, das klappt häufig am besten“, so Laufs.

Von Anja Grießer