Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
UKL aktuell 200 Jahre Augenklinik am Universitätsklinikum Leipzig
Thema Specials Universitätsklinikum Leipzig UKL aktuell

Die Augenklinik des Universitätsklinikums Leipzig feiert 200 Jahre

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
17:28 28.07.2020
Prof. Michael Geyer (li.), damaliger ­Prorektor für Universitätsentwicklung der Universität Leipzig, bei der Schlüssel­übergabe nach der Grundsanierung an Prof. Wiedemann. Quelle: Foto:UKL
Leipzig

Die Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums ­Leipzig (UKL) begeht in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Als erste Abteilung für Augenheilkunde in Deutschland beginnt die damalige „Heilanstalt für Augenkranke“ mit bescheidenen vier stationären Betten. Doch schon 1852 folgte der erste „lupenreine“ Lehrstuhl in Leipzig und kurz darauf die Einführung eines einjährigen Kurses für Studierende der Ophthalmologie. Die Leipziger Augen­klinik entwickelte sich zur größten Klinik im Deutschen Reich, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sie prägend für das gesamte Land. Auch heute ist das Haus sehr gut aufgestellt und mit ihrem renommierten Direktor Prof. Peter Wiedemann als Präsident der „International Council of Ophthalmology“ (ICO) mit rund ­170 augenärztlichen Gesellschaften weltweit vernetzt. „Wir wollten gern unser Jubiläum feiern. Durch die Corona-Pandemie haben wir aber verzichten müssen. Vielleicht gibt es in den nächsten Monaten noch Gelegenheit.“ Im Interview spricht der Klinikdirektor Prof. Dr. Peter Wiedemann unter anderem über goldene Zeiten, Müllerzellen und den guten Ruf der Klinik.

Den Namen des Hauses in die Welt getragen: „Leipzig war immer eine wichtige Augenklinik in Deutschland

Anzeige

Wer war, Ihrer Meinung nach, der bedeutendste ­Direktor in der ­200-jährigen ­Geschichte der Leipziger Augenklinik?

Prof. Dr. Peter Wiedemann: Jeder Direktor hatte seine besonderen Erfolge und Probleme, immerhin gab es drei große Kriege in diesen zwei Jahrhunderten. Als „goldene“ Zeit der Klinik wird die Zeit von Hubert Sattler angesehen. Er wurde 1844 in Salzburg geboren, wurde schon mit 33 Jahren als Professor berufen und wirkte nach mehreren anderen Stationen ab 1891 fast 30 Jahre als Direktor der Leipziger Augenklinik. Er war ein hervorragender Forscher und Lehrer und Vorbild für seine Mitarbeiter. Wissenschaftlich beschäftigte er sich unter anderem mit der Basedow´schen Krankheit und onkologischen Erkrankungen des Auges. Er war ein früher Förderer der Strabologie und ein herausragender Kenner der Pathologie des Auges und trug viel zum Verständnis des Aufbaus der Aderhaut bei. Als Operateur wurde ihm eine unübertreff­liche Leichtigkeit und Sicherheit nachgesagt, er war ein hervorragender Kataraktoperateur. Er sah es als Pflicht des Leiters einer großen öffentlichen Klinik neue Mittel und Behandlungsmethoden, soweit sie einigermaßen rationell erscheinen, zu prüfen und zu verbessern. Unter ihm wurde Leipzig eines der bedeutendsten Zentren der Augenheilkunde. Immerhin wurden sechs seiner Schüler an deutschen und österreichischen Universitäten auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde berufen.

Wie schätzen Sie die heutige Rolle der Leipziger Augenklinik in Deutschland ein?

Unsere Klinik ist die älteste Augenklinik und auch die älteste Universitäts-Augen­klinik Deutschlands. In den 200 Jahren ihres Bestehens, gab es immer ein gewisses Auf und Ab. Aber Leipzig war immer eine wichtige Augenklinik in Deutschland. Die Leipziger Augenklinik war insbesondere nach dem ersten Weltkrieg eine personell und gerätemäßig sehr großzügig ausgestat­tete Klinik. Heute ist sie wieder modern eingerichtet und ausgestattet. Wir behandeln alle Erkrankungen des Fachgebiets, der Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Netzhaut- und Glaskörpererkrankungen. Wir haben in der Forschung über Müllerzellen der Netzhaut und ihre Bedeutung für Augenkrankheiten in Zusammenarbeit mit den Forschern des Paul-Flechsig-Instituts international eine der führenden Arbeitsgruppen.

Prof. Dr. Peter Wiedemann, Direktor der Klinik für Augenheilkunde der Universität Leipzig. Quelle: Andre Kempner

Mit welchen Zielen haben Sie 1993 die Leitung der Klinik übernommen? Und was haben Sie erreicht?

Vor fast 30 Jahren war die bauliche Situation der Klinik war desolat, zum Teil war sie baupolizeilich gesperrt. Von vier Professorenstellen waren drei unbesetzt, es gab kaum Operateure und keinen nutzbaren OP-Saal. 1997 bekamen wir dann eine sehr schöne grundsanierte Augenklinik. Das Personalproblem hatte damals eine klare Ursache: Die Abwanderung in den Westen, die drohende Niederlassungssperre und das Gehaltsgefälle. Mich reizte natürlich die Professur und die Aufbauarbeit an dieser traditionsreichen Klinik. Ein Ziel war es, den Mitarbeitern der ­Klinik wieder die Anerkennung zu verschaffen, die ihrer guten Arbeit gebührt und den Ruf der Klinik begründet. Zum Erreichten gehört neben der schon erwähnten Forschung an den Müllerzellen auch, dass einige meiner früheren Mitarbeiter inzwischen in anderen Städten Augenkliniken leiten. Durch zahlreiche Kongressveranstaltungen und Veröffentlichungen haben wir den Anschluss an die „gute alte Zeit“ mit dem guten Ruf der Leipziger Klinik wiederhergestellt und den Namen der Leipziger Universität und des Klinikums in die Welt getragen. Das alles liegt nicht allein am Direktor, sondern beruht auf dem Zusammenwirken ­aller Mitarbeiter. In den nächsten Jahren werden neue Herausforderungen auf die Klinikleitung zukommen, denken wir nur an die wirtschaftlichen Folgen der Corona­-Pandemie. Auch dafür werden wir Lösungen finden.

Meilensteine in der 200-jährigen Geschichte der Leipziger Augenklinik

1820: Gründung der Augenklinik. Der Leipziger Augenarzt Friedrich Philipp Ritterich (1782–1866) hatte dafür Geld bei Freunden und Bekannten gesammelt. Der Anfang erfolgte unter sehr bescheidenen Verhältnissen: Die „Heilanstalt für arme Augenkranke“ hatte gerade einmal vier stationäre Betten.

1835: Errichtung des ersten Gebäudes einer Augenklinik im Leipziger ­Rosental. Es hatte rund 40 Betten.

1852: Erster Lehrstuhl ausschließlich für Augenheilkunde in Deutschland. Da Ritterich erkrankt war, erging der Ruf an Christian Georg Theodor Ruete (1810–1867) aus Göttingen.

1883: Eröffnung der neuen Leipziger Augenklinik in der Liebigstraße mit 65 Betten. Die Klinik war seinerzeit die größte in Deutschland und ein Modell­bau für viele andere Universitätsaugenkliniken.

1892: Überführung der Augenklinik in die Hände der Universität Leipzig.

1945: Bei einem Bombenangriff auf Leipzig am 6.4.1945 werden der Hörsaal, der Kurssaal, die Labors und Sammlungen sowie eine Bettenstation der Augenheilanstalt zerstört.

1952: Der Wiederaufbau der Augenklinik ist im Wesentlichen abgeschlossen. Der Ostflügel mit dem Hör- und dem Kurssaal sowie verschiedenen Labors, Verwaltungs- und Personalräume und eine Kinderstation werden neu- bzw. wiederaufgebaut.

1982: Rekonstruktionsmaßnahmen beginnen.

1994: Grundsteinlegung für den Neubau der Augenklinik.

1997: Die Augenklinik bezieht ihr neues Domizil, das sich in teils ­rekonstruierten, teils neuerbauten Gebäudeteilen in der Liebigstraße 10 bis 14 befindet.

Von Uwe Niemann