Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
UKL aktuell UKL-Geschichte: Das Institut für Transfusionsmedizin am UKL
Thema Specials Universitätsklinikum Leipzig UKL aktuell

Die Geschichte der Blutspende - Transfusionsmedizin am UKL

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
08:11 05.05.2021
Von der Direktblutspende mit der Beck’schen Mühle, über die Abnahme des Spenderblutes in Glasflaschen hin zum Einwegbeutelentnahmeset – seit dem Beginn der Blutspende in Leipzig hat sich auf dem Gebiet der Blutgewinnung einiges getan.
Von der Direktblutspende mit der Beck’schen Mühle, über die Abnahme des Spenderblutes in Glasflaschen hin zum Einwegbeutelentnahmeset – seit dem Beginn der Blutspende in Leipzig hat sich auf dem Gebiet der Blutgewinnung einiges getan. Quelle: Stefan Straube
Leipzig

Das Fachgebiet der Transfusionsmedizin, im Wesentlichen auch begründet durch die Entdeckung der Blutgruppen 1924 durch Karl Landsteiner, ist damit noch vergleichsweise jung. Dennoch hat sich bei der Entnahme des Spenderblutes – von ihren Anfängen als Direktblutspende von Vene zu Vene über die Abnahme des Blutes in Glasflaschen bis hin zu den heutzutage verwendeten Blutbeutelsets – sehr viel getan.

Leipziger Blutspendernachweis nimmt Dienst auf

Im heutigen Sitz des Instituts für Transfusionsmedizin (ITM) in der Johannisallee 32 befand sich seit 1928 die Medizinische Klinik am Krankenhaus St. Jakob. Hier nahm der Leipziger Blutspendernachweis am 1. März 1934 seinen Dienst auf. „Dem vorausgegangen war der erste überregionale Aufruf zur Blutspende, der am 8. Dezember 1933 in der Leipziger Tageszeitung erschien“, erzählt Prof. Reinhard Henschler, Direktor des ITM.

Am 8. Dezember 1933 erschien in der Leipziger Tageszeitung der erste überregionale Aufruf zur Blutspende. Quelle: UKL

Verantwortlich dafür war der Leipziger Hochschulprofessor für Innere Medizin, Paul Morawitz. Der Arzt forschte viele Jahre an Krankheiten des Kreislaufs und der Blutgerinnung, und setzte sich nun als ein Pionier auch für die Therapie durch Bluttransfusionen ein. 1933 beauftragte er seinen Assistenten Dr. Karl Adolf Seggel, eine Blutspenderkartei aufzubauen.

Am 1. März 1934 nimmt der Leipziger Blutspendenachweis, der zur Medizinischen Universitätsklinik gehört, seine Arbeit auf. Acht Jahre später sind bereits 750 Spender registriert. Quelle: UKL

75 Männer werden in den Spendernachweis aufgenommen

Auf den ersten Aufruf, mit welchem zunächst nur Männer zwischen 21 und 50 Jahren gesucht wurden, meldeten sich 200 Freiwillige, von denen nach der ärztlichen Voruntersuchung noch 75 in den Leipziger Spendernachweis aufgenommen werden konnten. Da es zu jener Zeit in privaten Haushalten keine Telefone gab, wurden die Spender von der Polizeiwache alarmiert und abgeholt – denn sie mussten in das Krankenhaus fahren, in dem der Patient lag. Das konnte im Umland Leipzigs sein oder in Ostsachsen, aber auch bis nach Berlin, Thüringen oder Bayern wurden Leipziger Blutspender vermittelt.

UKL aktuell

Mehr News und Infos aus dem Universitätsklinikum Leipzig lesen Sie hier!

Das Spenderblut wurde in den Anfängen der Bluttransfusionen mit Apparaten wie der sogenannten Beck‘schen Mühle oder dem Braun’schen Apparat dem Empfänger direkt transfundiert. „Spender und Patient lagen während des Spendevorgangs nur durch einen Vorhang voneinander getrennt nebeneinander. Die Übertragung erfolgte quasi von Vene zu Vene“, ergänzt Prof. Reinhard Henschler.

Frauen wurden Blutspenderinnen

Bereits 1936 wurde von 539 registrierten Spendern und 1000 erfolgreichen Transfusionen berichtet. Waren Frauen anfangs noch von der Blutspende ausgeschlossen, änderte sich das durch die akuten Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges: Schon 1941 waren rund 180 Frauen – nach der Veröffentlichung einer Dissertation „Über die Eignung der Frau als Blutspender“- in der Leipziger Spenderkartei registriert. Nach der Spende erhielten Frauen Lebensmittelsonderzuteilungen, bestehend aus 500 Gramm Fleisch, 200 Gramm Nährmittel und 1000 Gramm Obst.

Blut wird lagerfähig

Ab 1951 erfolgte die Blutentnahme dann in Glasflaschen, der rote Lebenssaft wurde lagerfähig. Entscheidend dafür war der bereits in den Flaschen enthaltene Zitratstabilisator, mit dem das Spenderblut nun auch länger haltbar gemacht werden konnte. Es war zugleich der Beginn der Blutkomponententransfusion, bei der das Vollblut nach der Spende in die roten Blutzellen und das Blutplasma aufgetrennt wurde. „Dank dieser Entwicklung erhielten Patienten nur noch die Blutbestandteile, die sie im Rahmen ihrer Behandlung tatsächlich benötigten“, erklärt Reinhard Henschler.

Ab 1951 erfolgt die Blutentnahme in der Glasflasche. Die Vollblutspende wird später aufgetrennt in Plasma und rote Blutzellen. Quelle: UKL

Die heute in der Blutspende verwendeten Einwegentnahmesets, bei denen die Beutel für die jeweiligen aufzutrennenden Blutbestandteile in einem geschlossenen System miteinander verbunden sind, sind am Institut seit 1991 im Einsatz.

Denkmalgeschütztes Institutsgebäude

Im vergleichsweise jungen Fachgebiet der Transfusionsmedizin hat sich in über acht Jahrzehnten also einiges getan. Bis heute bewahrt wurde der historische Charme des denkmalgeschützten Institutsgebäudes in der Johannisallee. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude 1941 zwar stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass das Register erst 1948 seine Arbeit in der Philip-Rosenthal-Straße 27 fortsetzen konnte. Es folgten weitere Stationen in Leipzig, auch bedingt durch strukturelle sowie organisatorische Veränderungen für die Leipziger Transfusionsmedizin nicht zuletzt zur Wendezeit.

Heutiger Sitz des Instituts für Transfusionsmedizin in der Johannisallee 32 – in dem 1928 erbauten Gebäude, in dem vor 87 Jahren mit dem 1. überregionalen Blutspenderaufruf alles begann. Quelle: UKL

2013 kehrte die Blutspende am Universitätsklinikum Leipzig – in ihrem 80. Jubiläumsjahr – an ihre Wurzeln in die Johannisallee zurück, nachdem das Gebäude nach einer umfassenden Sanierung in ein hochmodernes Spendezentrum umgebaut worden war. „Es ist fast so, als ob sich ein Kreis geschlossen hat. Denn seitdem laden wir in diesem historischen Gebäude, in dem vor 88 Jahren alles begann, auch wieder zum Leben retten ein“, so Prof. Reinhard Henschler.

Von Anja Grießer