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UKL aktuell „Die große Chirurgie – die hat mich immer interessiert“
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14:52 09.04.2020
Wurde noch als „chirurgischer Allrounder“ ausgebildet: Prof. Uwe Eichfeld, Bereichsleiter Thoraxchirurgie am UKL, beendet sein aktives ­Berufsleben. Quelle: Stefan Straube

Mit einem weinenden und einem ­lachenden Auge verlässt Prof. Dr. Uwe Eichfeld das Universitätsklinikum Leipzig. „Auf der einen Seite war die Arbeit als Chirurg mehr oder weniger mein Lebensinhalt, auf der anderen Seite freue ich mich, für meine fünf Kinder und vier Enkel endlich viel Zeit zu haben“, sagt der Bereichsleiter der Thoraxchirurgie. „Mit 66 Jahren beginnt damit für mich ein neuer Lebensabschnitt. Denn: Mit 66 ist ja noch lange nicht Schluss.“

„Auf der einen Seite war die Arbeit als Chirurg mehr oder weniger mein Lebensinhalt, auf der anderen Seite freue ich mich, für meine fünf Kinder und vier Enkel endlich viel Zeit zu haben“, sagt der Bereichsleiter der Thoraxchirurgie. „Mit 66 Jahren beginnt damit für mich ein neuer Lebensabschnitt. Denn: Mit 66 ist ja noch lange nicht Schluss.“

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Schon als Kind interessierte sich der Leipziger, inspiriert durch seinen als Chirurg tätigen Vater für dieses Fachgebiet. Mit dem Medizinstudium offenbarten sich dem Studenten viele Möglichkeiten: Er hätte Augen­arzt oder Pathologe oder Allgemeinmediziner mit eigener Praxis werden können. „Nein, das war alles nichts für mich. Denn im Studium hat sich mein Faible für die Chirurgie verfestigt. Da gab es keinen Gedanken an ein anderes Fach. Die große Chirurgie – die hat mich immer interessiert. Sie ist schwierig, aber herausfordernd und spannend und hat für den Patienten und Arzt einen rasch sichtbaren Erfolg. Was will ein Arzt mehr?“

Der Weg zum „chirurgischen Allrounder“

Nach dem Studium, das ebenfalls sein ­Interesse an Forschung und Lehre weckte, wurde er 1980 wissenschaftlicher Assistent in der damaligen Chirurgischen Klinik der Karl-Marx-Universität. Klingt nach viel Theorie, war aber sehr praxisorientiert, denn sein Arbeitsplatz war zunächst in der Unfallchirurgie. „Das habe ich sehr gern gemacht, weil jeder Tag neue Herausforderungen brachte. Man wusste ja nicht, was insbesondere gerade notfallchirurgisch kommt. So habe ich zunächst viel über Knochenbrüche, Bauchverletzungen und Thoraxtraumata gelernt.“ In der weiteren Facharztausbildung ging es dann in die Viszeralchirurgie, wo er erste Blinddarm- und Gallenoperationen assistieren und durchführen durfte und später u. a. auch zu ­großen onkologischen Eingriffen hinzugezogen wurde. Im Rahmen der Facharztausbildung im Fach Chirurgie lernte er fast alle chirurgischen Bereiche kennen, die zu der Zeit noch in einer Klinik zusammengefasst waren und erwarb gleichsam die Titel „Dipl. med.“ und „Dr. med“.

1984 schloss er die Facharztausbildung ab und wurde Stationsarzt auf der chirurgischen Intensivstation, wo unter anderem Patienten nach umfangreichen Eingriffen, schweren Unfällen und alle Beatmungs­patienten versorgt wurden.

Zwei Jahre später wechselte er zu seinem Lehrer und Vorbild Herrn Prof. A. Gläser, damaliger Direktor der Chirurgischen ­Klinik der Martin-Luther-Universität nach Halle. „Ich bin ihm gefolgt und wurde Oberarzt an der dortigen Chirurgischen Klinik“, blickt Prof. Eichfeld zurück. „In Halle habe ich mich dann sozusagen in die Thoraxchirurgie verliebt, die bei Tumoren, schweren ­Entzündungen, Verletzungen oder Fehlbildungen im Brustraum gefragt ist.

Ausbau der Leipziger Thoraxchirurgie und universitäres Leben mit Forschung und Lehre

Nach seiner Habilitation und Privatdozentur zog es ihn 1996 wieder zurück in seine Geburtsstadt Leipzig, wo er seine Tätigkeit als Oberarzt an der Klinik für Allgemeine, Onkologische und Thorax-Chirurgie aufnahm. Vorrangiges Ziel war der weitere Ausbau der hiesigen Thoraxchirurgie. „Und das ist gelungen!“

„Am Anfang erfolgten in den ersten Monaten von Klinikchef Prof. M. Schönfelder und mir nur einige große Operationen im Brustraum. Heute mit vier Thoraxchirurgen kommen wir auf etwa 300 Eingriffe im Jahr“, erinnert sich Eichfeld. Aber auch Forschung und studentische Lehre nahmen einen nicht zu unterschätzenden Zeitraum ein. Zahlreiche Veröffentlichungen entstanden so. Mit großer Freude nahm er 1998 seinen Ruf als C3-Professor für Thoraxchirurgie an. Es fügte sich so auch ein sehr erfülltes universitäres Leben unter aktiver Mitwirkung im Fakultätsrat der Medizinischen Fakultät hinzu.

Eine bewegte Zeit mit zahlreichen Weiterentwicklungen

Im Jahr 2013 wurde Prof. Eichfeld mit einem Kollegen die kommissarische Leitung der Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie übertragen. Ein Jahr später erfolgten die Umstrukturierung und die Aufgliederung der Klinik in Bereiche. Seitdem ist er Bereichsleiter Thoraxchirurgie und schaut wenige Tage vor seiner Emeritierung, die Ende März erfolgte, zurück auf eine bewegte Zeit: „Ich habe viele Entwicklungsschritte der Operationstechniken mitgemacht. Am Anfang wurde ja ausschließlich offen operiert mit Schnitten, die bis ca. 30 Zentimeter lang waren. Nach und nach wurde der Zugang in den Brustraum feiner und eleganter – vor allem mit dem Aufkommen der minimalinvasiven Methoden und modernem In­strumentarium. Damit dauerten die Operationen anfänglich zwar etwas länger, sind aber für den Patienten deutlich besser verträglich“, erklärt der Leipziger Chirurg.

Auch in seinem Bereich hat nun der Roboter Einzug gehalten. „Aber damit beschäf­tigen sich meine Oberärzte, für mich hätte das Erlernen dieser Technik kurz vor meinem Ruhestand wenig Sinn gemacht. Die jüngeren Kollegen sollen die Robotereingriffe in der Thoraxchirurgie weiter etablieren und verfeinern. Sie werden noch jahrzehntelang operieren, sie sind die Zukunft.“

Kein ruhiges Rentnerleben geplant

Prof. Eichfeld wurde als „chirurgischer Allrounder“ ausgebildet, hat vom Hals über Brustkorb und Bauch bis zu den Extremitäten operiert, also eine breite Palette an Erfahrungen gesammelt. „Heute gibt es eine deutliche Spezialisierung der Chirurgen, bis zur Subspezialisierung. Das hat den Vorteil, dass die Operation effektiver abläuft, denn der Operateur ist auf seinem speziellen Fachbereich höchst qualifiziert und damit auch voll fokussiert. Der Nachteil ist: Der Gesamtüberblick ist, wenn überhaupt, dann nur noch schwer möglich.“

Der Ruhestand von Prof. Eichfeld wird ­sicher nicht so ruhig, wie man es gemeinhin vom Rentnerleben glaubt. Denn er will sich seinen Kindern und vor allem den Enkeln ausgiebig widmen. „Sie werden den Opa leider erst jetzt richtig kennenlernen, vorher hatte ich ja kaum Zeit für sie“, sagt er. Dann warten noch Stapel von Büchern darauf, gelesen zu werden, die Gärten an Haus und Datsche brauchen immer wieder eine ordnende Hand und dann gibt es noch eine Sehnsucht, der er erst jetzt nachgehen kann: das Malen. „Da will ich mich nicht ­hineinstürzen, sondern ganz sanft hineinvertiefen. Ich ahne, dass mir das sehr gut tun wird.“

Von Uwe Niemann

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