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UKL aktuell Ein Jahr generalistische Pflegeausbildung – UKL zieht Bilanz
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Ein Jahr generalistische Pflegeausbildung

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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
10:11 26.03.2021
Weil die generalisierte Pflegeausbildung einen größeren Praxisbezug als bisher vorsieht, kommt den Zentralen Praxis­anleitern am UKL wie Svea Hörner (li.) und ­Doreen Eichstädt eine ­wesentliche Rolle zu. Sie und ihre ­Kolleginnen sind für den praktischen Part der ­neuen Aus­bildung zu­ständig.
Weil die generalisierte Pflegeausbildung einen größeren Praxisbezug als bisher vorsieht, kommt den Zentralen Praxis­anleitern am UKL wie Svea Hörner (li.) und ­Doreen Eichstädt eine ­wesentliche Rolle zu. Sie und ihre ­Kolleginnen sind für den praktischen Part der ­neuen Aus­bildung zu­ständig. Quelle: Foto: Stefan Straube
Leipzig

Vor einem Jahr wurde an der Medizinischen Berufsfachschule (MBFS) des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) ein neues Kapitel in der Pflegeausbildung aufgeschlagen: Als eine der ersten Einrichtungen in Sachsen startete die UKL-Berufsfachschule am 2. März 2020 mit der generalistischen Ausbildung in der Pflege. Ein Neuanfang mit Hindernissen – denn nahezu zeitgleich begann die erste Welle der Corona-Pandemie.

Für die Lehrer an der Medizinischen Berufsfachschule hat sich mit der neuen Pflegeausbildung sehr viel geändert. Die bisher getrennten Lehrbereiche Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege – der dritte Bereich, die Altenpflege, wird an der MBFS nicht gelehrt – wurden zu einem zusammengeführt. Pflege wird nunmehr rein generalistisch ausgebildet. Ein völlig neuer Beruf ist entstanden.

Die pflegerische Handlung steht im ­Mittelpunkt

„Der neue Rahmenlehrplan ist ganz anders als alles, was es vorher gab“, sagt Jannicke Schickert. Sie leitet den Fachbereich Pflege an der MBFS. Die Ausbildungsinhalte seien gänzlich neu strukturiert, sagt sie. „Die pflegerische Handlung steht nun im Mittelpunkt.“ Anderer Fächer bediene sich die pflegerische Ausbildung nur noch als Bezugswissenschaft. „Vorher war die Ausbildung sehr medizinlastig, die menschliche Anatomie und Physiologie haben eine große Rolle gespielt. Jetzt ist die Ausbildung klar pflegewissenschaftlich orientiert.“

Für die Ausbildung künftiger Generalisten sei die Schule auf einem sehr guten Weg, sagt die Fachbereichsleiterin. „Wir sind aktiv dabei, ein wunderbares Curriculum für unsere Schüler auszuarbeiten. Daran sind viele Mitarbeiter mit großer Motivation und Freude beteiligt.“ Auch ein Ablaufplan für die nächsten drei Jahre steht. Erprobt ist er noch nicht. Die Praxis werde zeigen, an welchen Stellen noch optimiert werden müsse, bis am Ende alles so laufe, wie man sich das vorgestellt habe, sagt Schickert.

Zwei Wochen nach Ausbildungsbeginn kam der Lockdown

Von den 25 Azubis der ersten Generalistikklasse sind die meisten noch dabei - auch wenn es nicht immer einfach war und ist. Vor allem das erste Halbjahr haben die Schüler als ungewiss erlebt. „Sie wussten nicht so richtig, woran sie sind. Kaum hatten sie sich zwei Wochen gesehen, kam der Lockdown. Das macht ja was mit den Schülern“, so die Fachbereichsleiterin. Folglich mussten sich die Azubis gleich zu Beginn der Ausbildung das theoretische Wissen via E-Learning selber aneignen. Auch der fachpraktische Unterricht konnte nicht stattfinden. Dank der Zentralen Praxisanleiter (ZPA) des UKL konnte dies im Verlauf des Ausbildungsjahres jedoch zu großen Teilen kompensiert werden. So fand am 19 .Juni letzten Jahres der erste Praxis-Theorie-Tag statt, der gemeinsam mit der Berufsfachschule veranstaltet wurde. Den Schülern bot sich dabei die Gelegenheit, sich wenigstens in Gruppen wiederzusehen, gemeinsam zu lernen und auszutauschen.

Praxisanleiter unterstützen Pflegeazubis

Die generalisierte Pflegeausbildung sieht einen größeren Praxisbezug vor als bisher. Den Zentralen Praxisanleitern kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. „Es gibt mehr individuelle Anleitungszeit. Die Auszubildenden werden stärker an die Hand genommen“, sagt Doreen Eichstädt, stellvertretende Leiterin des ZPA-Teams am UKL. Sie und ihre Kolleginnen sind für den praktischen Part der neuen Ausbildung zuständig. Sie haben die Ausbildungserfordernisse im Blick und sind gleichzeitig Unterstützer und die wichtigsten Ansprechpartner für die Pflegeazubis.

Wie bereits die theroretische, erfordert auch die praktische Ausbildung von den Beteiligten komplettes Neu- und Umdenken. Die Abstufungen der zu vermittelnden Fähigkeiten und Fertigkeiten seien beispielsweise klarer als bisher und folgen dem Prinzip der langsamen Steigerung: vom geringen Pflegeaufwand hin zum hohen. „Die Auszubildenden sollen erstmal beobachten und mitwirken, ein Gefühl entwickeln für den Beruf und was er mit sich bringt. Früher durften die Auszubildenden gleich selbstständig am Patienten arbeiten“, so Eichstädt.

Dem neuen Lehransatz entsprechend, haben sich auch die Zugangsvoraussetzungen für pflegerische Ausbildung geändert. Praktika im Pflegebereich seien nicht mehr verpflichtend, weshalb manche Auszubildenden auch keine pflegerischen Vorkenntnisse mitbrächten, erklärt ZPA-Kollegin Svea Hörner.

„Ohne die Unterstützung der Stationen ginge es nicht“

Zehn Prozent der praktischen Lehrzeit muss als Anleitungszeit umgesetzt werden. Und alles, was angeleitet wird, muss dokumentiert werden. „Das stellt im Stationsalltag immer wieder eine große Herausforderung dar“, weiß Doreen Eichstädt.

Da die ZPA nicht für jeden Azubi die komplette Anleitungszeit abdecken können, werden sie von den Kollegen auf den Stationen unterstützt. Diese fungieren auch als Ansprechpartner für die Azubis, die auf ihrer Station im Einsatz sind. Die Praxisanleiter vermitteln den Schülern die Grundkenntnisse der Krankenpflege und versorgen mit ihnen gemeinsam die Patienten auf Station. Die Auszubildenden lernen dabei nicht nur, wie man Infusionen legt und Verbände macht, sondern auch, wie sie die Pflege ihrer Patienten am besten organisieren und strukturieren können. „Ohne die Unterstützung der Stationen ginge es nicht“, betont Doreen Eichstädt.

Die Praxisanleiter sorgen zum einen dafür, dass die vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte in entsprechendem Umfang vermittelt werden. Zum anderen führen sie die Ausbildungsgespräche mit den Azubis, nehmen die Beurteilungen vor oder prüfen ihre Teamfähigkeit. „Von ihnen bekommen wir die Rückmeldungen, wie die Auszubildenden sich entwickeln, was gut läuft und woran man eventuell noch arbeiten muss.“

Generalistische Pflegeausbildung – die richtige Wahl

Die erste Generalistikklasse der MBFS ist mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr. Eine der Auszubildenden ist Sandra Wilhelm. Sie gehört zu den älteren der Azubis und hat sich ganz bewusst für den Pflegeberuf entschieden – auch für die generalistische Ausbildung. Neben ihrem inhaltlichen Interesse für den Beruf, haben sie vor allem das hohe Maß an Arbeitsplatzsicherheit und die positive Lohnentwicklung am UKL bei der Berufswahl überzeugt.

In der generalistischen Pflegeausbildung sieht Sandra Wilhelm viele Vorteile: „Die Arbeit macht mir Spaß. Ich mag das heterogene Lern- und Arbeitsumfeld. Und ich fühle mich wohl, auf Station in ein neues umfassendes Wissensgebiet einzutauchen.“ Ein positiver Nebeneffekt der beruflichen Fachqualifikation sei auch, dass man fast alles, was man sich an Wissen aneigne, auch außerhalb des beruflichen Umfeldes anwenden könne. „Man profitiert auf mehreren Ebenen, das ist für mich besonders reizvoll.“ Auch ihre Klasse in der Berufsfachschule erlebe sie als fleißig, wissbegierig und hochmotiviert.

Anders als bei anderen Ausbildungen, kann die Pilotklasse an vielen Stellen nicht auf Bewährtes zurückgreifen. „Vieles in der neuen Ausbildung wird mit uns erstmalig erprobt“, sagt Sandra Wilhelm. „Hier brechen wir auch die eine oder andere Lanze für die, die nach uns kommen.“

Die Corona-Pandemie hat den Schülern die ohnehin herausfordernden Anfangsbedingungen zusätzlich erschwert. Die fehlenden Unterrichts- und Praxiszeiten in der Berufsfachschule bereiten vielen Schülern Bauchweh – vor allem mit Blick auf die bevorstehenden Prüfungen. Hilfreich an dieser Stelle seien die Anleitungen durch die ZPA, die die Azubis als sehr effektive Lernzeit erlebten, so Wilhelm.

Trotz allem ist Sandra Wilhelm nach wie vor sehr froh, sich für die generalistische Ausbildung entschieden zu haben: „Ich sehe die Perspektiven und Chancen und bin optimistisch, die Prüfungen zu bestehen und nach drei Jahren einen qualifizierten Abschluss in den Händen halten zu können.“

Hintergrund generalistische Pflegeausbildung

Die neue Pflegefachkraftausbildung dauert drei Jahre. Die Azubis erwerben den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ beziehungsweise „Pflegefachmann“. Der theoretische Unterricht findet an der Medizinischen Berufsfachschule statt, die praktische Ausbildung zum größten Teil am UKL.

Die neu strukturierte generalistische Pflegeausbildung führt die bisherigen drei Ausbildungen der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in einer zusammen. Den gesetzlichen Rahmen dafür steckt das im Januar 2020 in Kraft getretene Pflegeberufegesetz. Mit der generalistischen Pflegeausbildung sind Fachkräfte künftig universell und flexibel in allen Pflegebereichen – ob Kranken-, Kinderkranken- oder Altenpflege – einsetzbar. Zudem ist der neue Berufsabschluss EU-weit anerkannt.

Nach sechs Jahren, am 31. Dezember 2025, wird dann eine Art „Probezeit“ zu Ende gegangen sein, also die Phase, in der Auszubildende unter bestimmten Umständen von einem Wahlrecht gebrauchen können, um den Abschluss in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie in der Altenpflege ablegen zu können (Wahlrecht).

Mehr Informationen

Wer mehr zur generalistischen Pflegeausbildung sowie zu weiteren Ausbildungsmöglichkeiten am UKL erfahren möchte, schaut auf www.deine-ausbildung-am-ukl.de

Von Kathrin Winkler