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Galionsfigur der Sexualwissenschaft: Tafel für Lykke Aresin enthüllt

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07:51 16.12.2021
Dr. Thomas M. Goerlich, langjähriger Mitstreiter von Prof. Lykke Aresin, Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke und Uni-Rektorin Prof. Beate Schücking (v.l.n.r.) enthüllen die Gedenktafel zu Ehren von Prof. Lykke Aresin. Sie war Protagonistin für Familienplanung und selbstbestimmte Sexualität, trat für die Abschaffung des sogenannten „Schwulenparagrafen" im DDR-Recht ein. 
Dr. Thomas M. Goerlich, langjähriger Mitstreiter von Prof. Lykke Aresin, Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke und Uni-Rektorin Prof. Beate Schücking (v.l.n.r.) enthüllen die Gedenktafel zu Ehren von Prof. Lykke Aresin. Sie war Protagonistin für Familienplanung und selbstbestimmte Sexualität, trat für die Abschaffung des sogenannten „Schwulenparagrafen" im DDR-Recht ein.  Quelle: Anton Stolle
Leipzig

Im Auftrag internationaler Dachverbände wie der Weltgesundheitsorganisation WHO war Prof. Lykke Aresin bereits zu DDR-Zeiten international aktiv und nahm in den 1980er Jahren an Gastvorlesungen in Kuba sowie an Kongressen in Europa, Afrika, Lateinamerika und Japan teil.

Die Gedenktafel wurde am 8. November an der ehemaligen Wirkungsstätte vor der Philipp-Rosenthal-Straße 57 im Beisein ihrer Kinder, Dr. Susanne Aresin und Stefan Aresin, feierlich enthüllt.

Internationale Vorreiterrolle

„Es ist mir eine besondere Ehre für diese hochverdiente Kollegin, eine echte Galionsfigur unserer Universität, heute ein paar Worte zu sagen und an der Enthüllung der Gedenktafel teilzunehmen. Solche Personen wie Lykke Aresin braucht es, nicht nur in Leipzig. Es ist wichtig, dass die Erinnerung an sie erhalten bleibt“, sagte Rektorin Prof. Beate Schücking.

Die Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig Dr. Skadi Jennicke erinnerte an die internationale Vorreiterrolle, die Aresin in der Sexualwissenschaft einnahm. Lykke Aresin setzte sich beispielsweise für die Streichung des sogenannten Schwulenparagrafen ein, der in der DDR schon im Jahr 1968 abgeschafft wurde und Homosexualität damit legalisierte.

Dr. Thomas M. Goerlich, langjähriger Mitstreiter von Prof. Lykke Aresin, traf sie erstmals 1977: „Damals war ich Student, 21-jährig und bewarb mich bei ihr um ein Thema für eine Diplomarbeit. Ich hätte mir zu diesen Zeiten ehrlich gesagt nie träumen lassen, dass ich viele Jahre später eine Laudatio für sie halten darf“, erzählte der heute 65-Jährige in seiner Rede. Beide verband die Arbeit an der Universität Leipzig, bei pro familia Sachsen e.V. sowie in der Gesellschaft für Sexualwissenschaft (GSW), die auf Einladung von Prof. Aresin 1990 gegründet wurde und deren Vorstandsmitglied Goerlich heute ist.

Einsatz für Transpersonen

Zu einem sehr frühen Zeitpunkt hatte sich Prof. Lykke Aresin auch für Transpersonen eingesetzt und konnte bereits 1976 eine Verfügung mit Gesetzescharakter erwirken. In der „alten“ Bundesrepublik gab es solch ein vergleichbares Gesetz erst 1981. „Ab 1983 bis 1991 wurden Transpersonen bei uns in der Klinik und Poliklinik für Urologie operiert. Die Trans-Sprechstunde hatte damals ich seitens Prof. Dieterich übertragen bekommen“, erinnert sich Dr. Goerlich.

Die Familie Aresin hat dänische Wurzeln und „Lykke“ bedeutet auf Dänisch „Glück“. Die Professorin für Neurologie und Psychiatrie Lykke Aresin wurde am 2. März 1921 im sachsen-anhaltischen Bernburg geboren und kam nach Stationen in Jena, Göttingen und Erfurt 1959 an die Universität Leipzig.

Sie übernahm die Ehe- und Sexualberatung an der hiesigen Universitätsklinik und klärte in ihrer „Sprechstunde des Vertrauens“ die Bürgerinnen und Bürger über Fragen zur Ehe, Sexualität und Familienplanung auf. Ihre Bücher waren sehr erfolgreich und schnell vergriffen.

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Lykke Aresin engagierte sich als Leipziger Stadtverordnete und auch international agierte sie sehr erfolgreich. Sie wurde mehrfach in das Exekutivkomitee des International Planned Parenthood Federation (IPPF) gewählt, einem internationalen Dachverband im Bereich der Bevölkerungspolitik, in dem nur jeweils sechs Europäer vertreten waren.

Ihr Ehemann Norbert Aresin war Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe und langjähriger Direktor der Universitätsfrauenklinik Leipzig. Zusammen lebte das Ehepaar in der damaligen Direktorenwohnung in der Phillip-Rosenthal-Straße 57. Heute findet sich dort das Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Leipzig.

Das Gelände umschließt eine Mauer, an der jetzt die Gedenktafel an das wissenschaftliche Wirken und Schaffen von Lykke Aresin erinnert. Künstlerich gestaltet wurde die Tafel von Caroline Kober. Und nicht nur das: An der Straße vor der ehemaligen Wohnung der Familie Aresin sind zwei hochgewachsene Lindenbäume ihrem Schaffen beziehungsweise der GSW gewidmet. Schon Lykke Aresin wird an ihnen vorbeigegangen sein.

Von Peggy Darius