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UKL aktuell Herausragende Spezialdiagnostik für moderne Behandlungsmethoden
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
11:26 12.12.2018
Prof. Ulrike Köhl leitet das Institut für klinische Immunologie am UKL und das Frauenhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig. Quelle: Stefan Straube

Die Immunologie beschäftigt sich mit den Grundlagen des menschlichen Immunsystems, dessen Aufgabe die Vernichtung von Krankheitserregern und defekten Körperzellen ist. Mit einer speziellen Diagnostik des Blutes können anhand von bestimmten Parametern Erkrankungen des Immunsystems, aber auch Krebserkrankungen erkannt und beobachtet werden. Dafür kommen unter anderem durchflusszytometrische Diagnoseverfahren zum Einsatz. Am Ende können die Immunologen gegenüber den behandelnden Spezialisten, wie Onkologen, Hämatologen, Rheumatologen, HNO-Ärzten, Kinderärzten und Transfusionsmedizinern, Aussagen über Art, Reifung und Funktion von wichtigen zellulären Bestandteilen des Blutes machen.

Heute ist die Wissenschaft soweit, das Immunsystem nicht nur zu untersuchen, sondern es auch aktiv zu modellieren, indem die Fähigkeiten des körpereigenen Abwehrsystems beim Kampf gegen Krebszellen genutzt werden. Mit Immuntherapien wird dem Krebs, der sich raffiniert tarnt und dem Immunsystems seine Bösartigkeit verschleiert, die Maske vom Gesicht gerissen. Neben den Checkpoint-Inhibitoren, die eine vom Krebs verursachte Blockade des Immunsystems lösen können, gibt es weitere erfolgversprechende Strategien, wie die adoptive T-Zell-Therapie und CAR-T-Zell-Therapie. Bei all diesen neuen Behandlungen gibt es aber ein grundsätzliches Problem: Sie wirken nicht bei allen Patienten. Deshalb gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Immunologen herauszufinden, welcher Patient von einer Immuntherapie profitieren kann und welcher nicht. Denn zum einen sind die Therapien teils mit schweren Nebenwirkungen assoziiert und die Kosten pro Patient noch relativ hoch.

Leipzig ist für Immuntherapien gut aufgestellt

Interview mit Prof. Dr. Dr. Ulrike Köhl, Direktorin des Instituts für Klinische Immunologie an der Universität Leipzig

Frage: Worin sehen Sie die gegenwärtige Hauptaufgabe für das Institut für Klinische Immunologie?

Prof. Dr. Dr. Ulrike Köhl: Leipzig war schon immer eine Hochburg der Immunologie. In der Vergangenheit lag das Augenmerk auf Immundefekten. Da gibt es ja schwere angeborene Immundefekte, die zu krankhafter Anfälligkeit gegen Infektionen und zur Entwicklung bösartiger Tumoren führen können. Durch die dramatischen Konsequenzen ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt möglichst frühzeitig weiß, woran ein Patient leidet. Denn es gibt auch leichte Immundefekte, die aber besonders schwierig zu diagnostizieren sind. All das ist an unserem Institut schon sehr gut etabliert. Heute aber geht es einen Schritt weiter: Auf der Basis der bisherigen Kernkompetenz möchten wir untersuchen, welche Patienten für neuartige immunonkologische Präparate in Frage kommen. Zugleich können wir mit unseren diagnostischen Mitteln den behandelnden Ärzten helfen „zu sehen“, wie der einzelne Patient auf die Therapie reagiert. Das haben wir schon angefangen, und das wollen wir weiter ausbauen.

Da sind wir schon mitten in der Immunonkologie. Warum rückt diese heute immer mehr in den Mittelpunkt?

Weil sie großartige Möglichkeiten beim Kampf gegen den Krebs bietet. Bisher beruht die Anti-Krebs-Therapie auf drei klassischen Säulen: der Chemotherapie, der Bestrahlung und der Operation. Mal kommt die eine, mal die andere Säule zum Tragen, oder die Therapien werden kombiniert. Der medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass nun eine vierte Säule entsteht: die Immuntherapien. Da kommen Checkpoint-Inhibitoren, CAR-T-Zellen oder trispezifische Antikörper zu Einsatz. Die Patienten profitieren davon nachweislich – aber leider nicht alle. Und bislang konnte auch noch nicht für jede Krebsart eine immunonkologische Waffe entwickelt werden. Wir sind da noch am Anfang.

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Wie sehen Sie Ihr Institut und das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig, das Sie ebenfalls leiten, im Wettbewerb um beste Therapien für Krebspatienten aufgestellt?

Ich denke, wir sind gut aufgestellt. Wir haben eine hervorragende Infrastruktur, exzellente Forscher und erfahrene Kliniker. Was uns zum Teil noch fehlt ist eine kritische Masse, um mit den großen internationalen Zentren mitzuhalten. Daher sind Vernetzung und Kooperation elementare Schlüssel zum Erfolg. Daher ist es schon mal ein wichtiger Schritt, dass das Institut für klinische Immunologie sowohl mit dem Fraunhofer IZI, aber auch mit dem universitären Krebszentrum von Prof. Platzbecker und Prof. Lordick sowie mit dem Institut für Transfusionsmedizin von Prof. Henschler eng zusammenarbeitet. Darüber hinaus streben wir aber auch eine überregionale Vernetzung mit den Kliniken in Dresden, Chemnitz und Hannover an. Zusammen mit Hannover stellen wir schon jetzt mehr als 300 moderne zell- und gentherapeutische Produkte her. Da das Fraunhofer-Institut der Gemeinnützigkeit unterliegt, kann es mit universitären Partnern frühe klinische Studien umsetzen. Mit 21 Reinräumen für zelluläre Präparate bei Fraunhofer und weiteren Kapazitäten am Universitätsklinikum Leipzig und der MHH sind wir hier sehr gut aufgestellt. Damit kann man sehr viel bewegen. Immerhin suchen wir ja noch nach Möglichkeiten, die Immuntherapien für deutliche mehr Patienten verfügbar zu machen.

Die Diagnostik am Institut für Klinische Immunologie geht im Vergleich zur üblichen Blutbild-Diagnostik sehr viel mehr in die Tiefe. Warum ist das nötig?

Weil wir nur so Hinweise auf immunologische Defizite finden. Mit einem normalen Blutbild sind immunologische Ursachen für Erkrankungen nicht zu finden. Aber lassen Sie mich betonen: Die Basisdiagnostik, also Blutbild, Elektrolyte, Gerinnungsparameter, ist nach wie vor unverzichtbar, sie muss an einem Universitätsklinikum rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das geschieht am Institut für Laboratoriumsmedizin auf einem hohen Niveau, routiniert und weitgehend vollautomatisch. Ein zentrales Speziallabor wie an unserem Institut ergänzt diese Basisdiagnostik. Wir gehen komplexen Fragestellungen nach, und hier ist auch eine spezialärztliche Kompetenz nötig und einsetzbar. Insofern gehören das Institut für Klinische Immunologie und das Institut für Laboratoriumsmedizin zum gleichen Stufenplan.

Mit der Diagnostik Ihres Instituts wird ja auch herausgefunden, ob ein Patient von der Behandlung mit einer Immuntherapie profitieren kann oder nicht. Gilt das Ergebnis für immer oder kann der Patient aktiv etwas daran ändern?

Trotz der großen Erfolge der Immuntherapien gibt es teils noch gravierende Nebenwirkungen, die auch tödlich sein können. Deshalb müssen bestimmte Patienten von solchen neuen Therapien ausgeschlossen werden. Für sie wäre es zu gefährlich. Wir versuchen mit unserer Diagnostik natürlich auch vorherzusagen, ob die neue Therapie bei einem Patienten anschlägt oder nicht. Es ist völlig klar, dass alle Krebspatienten auf die neuen Therapien hoffen. Aber an der Stelle muss man leider noch deutlich sagen: Die neuen Zelltherapien sind bislang nur für eine kleine Anzahl von Patienten geeignet. Die meisten profitieren von der klassischen Therapie oder einer Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation. Bei etlichen Erkrankungen gibt es auch gute Resultate mit Immuncheckpoint-Inhibitoren. Die hervorragenden Ergebnisse bei  Einsatz von CAR T-Zellen beziehen sich bisher leider nur auf bestimmte Formen der Leukämie und des Lymphoms. Ich rate deshalb den betreffenden Patienten: Vertrauen Sie ihrem behandelnden Arzt. Er arbeitet im Team, zusammen mit vielen Spezialisten. Zusammen haben sie bereits viele Patienten behandelt und deshalb viele Erfahrungen gemacht, von denen jeder neue Patient profitiert. Er kann – am Ende auch durch die Diagnostik unseres Institutes – am besten entscheiden, welche Behandlungsoptionen die erfolgversprechendsten sind.

Interview: Uwe Niemann

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