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Mangelernährung kann viele Ursachen haben

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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
08:06 14.12.2021
Ernährungsexperte Lars Selig und sein Team befragen alle Patienten bei der stationären Aufnahme, um eine mögliche Mangelernährung frühzeitig zu erkennen.
Ernährungsexperte Lars Selig und sein Team befragen alle Patienten bei der stationären Aufnahme, um eine mögliche Mangelernährung frühzeitig zu erkennen. Quelle: Stefan Straube
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„Mangelernährung entsteht, wenn ein Mensch zu wenig Nährstoffe aufnimmt, um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten“, erklärt Lars Selig. „Das hat vielfältige Ursachen, die von Einsamkeit und Armut über Kauprobleme und Darmerkrankungen bis zu Medikamenten und verschiedenster Therapieformen reichen. Wir als Team haben uns zum Ziel gestellt, gefährdete Patienten zu finden und zu behandeln. Denn die Ernährung im Krankenhaus dient nicht nur dem Wohlbefinden, sondern auch der Heilung.“

Mit einem speziellen Ernährungsscreening geht das Team von Lars Selig vor. Schon bei der stationären Aufnahme werden alle Patienten mit vier integrierten Fragen zum Ernährungsstatus eingeschätzt: Wie ist die Größe und das Gewicht? Bestand innerhalb des letzten Quartals ein Gewichtsverlust? Hat es in der letzten Woche eine verminderte Nahrungsaufnahme gegeben und liegt eine schwere Erkrankung vor?

„Schon aus diesen vier Antworten können wir ablesen, wen wir in einem sogenannten Hauptscreening weiter befragen sollten“, so Lars Selig. „Im Gespräch suchen wir Gründe für bestimmte Daten oder mögliche Veränderungen. Diese müssen ja nicht krankhaft sein. Vielleicht ist jemand schon immer von schlanker Statur oder jemand versucht gerade abzunehmen.“

Bei Bedarf wird per Messung der Körperzusammensetzung oder der Handkraft ermittelt, wie es um den Betreffenden körperlich steht. Im Gespräch mit den Patienten wird dann versucht, die Ursachen der Mangelernährung herauszufinden.

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„Oft kann mit einer entsprechenden Ernährungsberatung, auf Lebensmittel und Gerichte sensibilisiert werden, die vorhandene Defizite zu beseitigen.“ Zudem hat das Ernährungsteam verschiedene Therapiemöglichkeiten. Dazu zählen verschiedene Trinknahrungen, Ernährungssonden oder gar die Ernährung per Infusion ins Blut.

„Bei allem gilt: Nicht das Gewicht allein ist entscheidend, sondern auch die Leistungsfähigkeit“, betont Lars Selig. Schließlich brauchen manche Patienten viel Kraft für anstehende Therapien. „Bei gut ernährten Patienten ist die Komplikationsrate niedriger, auch die Sterblichkeit ist verringert. Außerdem sind die Patienten zufriedener, haben weniger Beschwerden und Therapien müssen nicht pausiert oder gar abgebrochen werden, aufgrund eines schlechten Ernährungszustandes.“

Nur drei bis fünf Prozent aller Kliniken in Deutschland haben ein Ernährungsteam, das sich ernährungstherapeutisch um Patienten kümmert. Das bedauert Lars Selig: „Ich halte es für wichtig, dass in allen Kliniken erkannt wird, dass das Thema Ernährung ein wichtiger Therapiebestandteil wird.“

Von Uwe Niemann