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01:00 20.03.2020
Es gab kleine Zuckertüten und ein Willkommens-Banner: 25 junge Frauen und Männer bilden die erste Klasse, die ihren Beruf nach der neuen generalistischen Pflege-Ausbildung erlernen. Quelle: Stefan Straube
Leipzig

Anfang des Monats März hat an der Medizinischen Berufsfachschule (MBFS) des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) die neue generalistische Pflegeausbildung begonnen. 25 Auszubildende der ersten Klasse wurden feierlich immatrikuliert. Die MBFS ist einer der ersten Einrichtungen im Freistaat Sachsen, die pflegerischen Nachwuchs gemäß dem neuen Pflegeberufegesetz ausbilden. Generalistik bedeutet im Kern hier die Zusammenführung mehrerer Berufe zu einem gemeinsamen Berufsbild. Die drei bisherigen Pflegefachberufe in den Bereichen der „Altenpflege“, „Gesundheits- und Krankenpflege“ und „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ wird es in dieser Form nicht mehr geben. Die nun gestarteten Auszubildenden erwerben den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ beziehungsweise „Pflegefachmann“. Sie werden für alle pflegerischen Tätigkeitsfelder ausgebildet.

Am 2. März begann an der MBFS ein neues Kapitel in der Pflegeausbildung – für die Azubis wie für die Lehrkräfte gleichermaßen. Denn an diesem Tag startete die erste Klasse mit ihrer generalistischen Ausbildung. Künftig erhalten alle Pflege-Azubis eine einheitliche Berufsausbildung. Den gesetzlichen Rahmen steckt dabei das im Januar 2020 in Kraft getretene Pflegeberufegesetz ab.

Denn obwohl sie sich inhaltlich stark überschnitten, waren die bisherigen Ausbildungen getrennt im Altenpflege- und im Krankenpflegegesetz geregelt. Im neuen Gesetz sind sie nun zusammengeführt worden. Die Pflegeausbildung wird dadurch modernisiert und an veränderte Anforderungen angepasst. Sie befähigt die Absolventen, Menschen in allen Bereichen - von der Akutpflege über den ambulanten Bereich bis zur Langzeitpflege – zu versorgen. Denn der Bedarf an Fachkräften und der Wettbewerb um Auszubildende nehmen beständig zu. Das neue Gesetz soll somit auch helfen, die Attraktivität der Ausbildung dieses Berufs zu steigern.

Ronny Seidel und Kristin Heistermann leiten kommissarisch die Medizinische Berufsfachschule des UKL in der Leipziger Richterstraße. Quelle: Stefan Straube

„Wir fühlen uns sehr gut vorbereitet, endlich geht es los“, sagt Ronny Seidel. Zusammen mit Kristin Heistermann leitet er kommissarisch die Berufsfachschule in der Leipziger Richterstraße. „Wir sind nun mit einer Klasse gestartet. Vieles ist noch im Fluss, hier und dort werden wir sicher noch an den berühmten Stellschrauben drehen, das werden Theorie und Praxis zeigen.“

Für die Mitarbeiter an der Schule habe sich sehr viel geändert, erklärt er. Die zwei bisher eigenständigen Bereiche Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege – Altenpflege als dritter Bereich wird an der MBFS nicht ausgebildet – zu einem zusammenzuführen, sei eine große Herausforderung gewesen. „Diesen Prozess“, erklärt der kommissarische Schulleiter, „begleiten wir seit Jahren mit der Entwicklung eines neuen schulinternen Curriculums, eines Lehrplans.“ Für die an der Schule Tätigen ist das Thema daher so neu nicht mehr: „Seit 2014/15 beschäftigen wir uns bereits damit, seit etwa drei oder vier Jahren war klar, dass es so kommt“, erinnert er sich. Eine Pflicht zur Fort- oder Weiterbildung der Lehrkräfte im Vorfeld habe es zwar nicht gegeben, bis 2029 müssen jedoch alle Lehrkräfte auf Master-Niveau ausgebildet sein, erläutert Seidel.

Der Berufsabschluss ist EU-weit anerkannt

Die generalistische Ausbildung dauert drei Jahre. Sie ermöglicht es den späteren Pflegefachkräften, die Betreuung von Patienten unabhängig von deren Alter sicherzustellen, weil sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen betreuen können. Die Einsatzbereiche werden somit universeller, breiter und flexibler, Einsatzmöglichkeiten steigen und somit auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Das Pflegeberufegesetz weist noch eine bemerkenswerte Neuerung auf: Erstmals werden bestimmte berufliche Tätigkeiten, die dem Pflegeberuf vorbehalten sind, also auch nur von entsprechend ausgebildetem Personal ausgeführt werden dürfen, geregelt. „Dies dürfte in meinen Augen helfen, den Beruf des Pflegenden aufzuwerten“, erklärt Schulleiter Seidel.

Der neue Berufsabschluss ist zudem EU-weit anerkannt. Mit ihm in der Tasche können Absolventen auch im EU-Ausland leichter Arbeit finden. Die Azubis erhalten außerdem eine angemessene Ausbildungsvergütung.

Bewerben für einen Ausbildungsplatz können sich alle jungen Leute mit einer zehnjährigen allgemeinen Schulbildung. „Für Jugendliche mit Hauptschulabschluss nach neun Jahren gibt es die Möglichkeit, Pflegehelfer zu werden“, ergänzt Ronny Seidel. Doch auch wer bereits eine andere Berufausbildung absolviert habe, betont er, könne sich natürlich für eine Ausbildung in der Pflege bewerben.

Die generalistische Ausbildung weist einen noch höheren Praxisbezug als die bisherige auf. Diesem gerecht zu werden sieht Seidel als eine der Herausforderungen des neuen Ausbildungssystems. „Praxisluft“ schnuppern die neuen Azubis wie gewohnt im UKL. „Wir theoretischen Ausbilder arbeiten ganz eng mit den Zentralen Praxisanleitern am UKL zusammen, die sind nahe dran an den Azubis“, hebt Seidel hervor. „Auch mit Kerstin Voigt als Geschäftsführende Pflegerische Departmentleiterin stimmen wir uns permanent ab.“ Mögliche Einschränkungen durch die generalistische Ausbildungsweise sieht Seidel nicht: „Wir tragen dafür Sorge, dass unsere Azubis während ihrer Ausbildung alle Bereiche in der praktischen Ausbildung kennenlernen“, betont er.

In fünf Jahren wird die neue Ausbildung auf Prüfstein gestellt

Nicht nur Ausbildungs- und Prüfungsverordnung haben sich geändert, auch die Finanzierung der Ausbildung ist komplett neu geregelt worden: Bisher, so erklärt Ronny Seidel, sei die Ausbildung über die Krankenkassen finanziert worden. Nun gebe es hingegen im Freistaat den Sächsischen Ausbildungsfond für Pflegeberufe. In diesen zahle jeder Träger der Ausbildung ein. „Und in einer Art Umlageverfahren vergibt das Land Gelder an alle Ausbildungsträger zur Finanzierung dieser Ausbildung“, erklärt er weiter. Neu sei, so Seidel, die Teilung der Mittel einerseits für Träger der praktischen Ausbildung und für Schulen andererseits. „Weil unsere Azubis ihre praktische Ausbildung am UKL absolvieren, trifft auf uns beides zu, Trägeridentität genannt“, erläutert der Berufsschulpädagoge.

In fünf Jahren will der Gesetzgeber überprüfen, ob sich die neue Ausbildung bewährt hat, ob Teile des Gesetzes nachgebessert werden müssen oder ob doch zum bisherigen Modell zurückgekehrt wird. Wenn im September die nächsten Generalistik-Klassen an der MBFS und auch an anderen sächsischen Ausbildungsstätten starten, werden alle von den bis dahin gemachten Erfahrungen der jetzigen Premieren-Klasse profitieren können. Den Lehrkräften der Leipziger Schule geht es nach eigenem Bekunden dabei mehr um Zusammenarbeit und Kontaktpflege als um Konkurrenzdenken.

Von Markus Bien

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