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UKL-Geschichte: Der Medizincampus und die Neuchirurgie

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08:37 24.06.2021
Einblick in eine Baracke des Krankenhauses St. Jakob im Jahre 1911
Einblick in eine Baracke des Krankenhauses St. Jakob im Jahre 1911 Quelle: UKL
Leipzig

1415 wurde die Medizinische Fakultät an der Universität Leipzig gegründet. Die Ausbildung der Studenten war damals vor allem theoretisch, erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden Sezierübungen eingeführt.

Da mit Beginn des 19. Jahrhunderts die Forderung nach Unterweisung der Studenten am Krankenbett immer lauter wurde, richtete man schließlich im Jacobshospital (1566 als Pesthaus nahe des Zoologischen Gartens erbaut) ein klinisches Institut mit vier Betten für „instruktive Kranke“ ein. Die ersten Weichen in Richtung Universitätsklinik waren gestellt, denn nun konnten regelmäßig Patientenuntersuchungen und „chirurgische Demonstrationen“ stattfinden.

In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts bemühten sich dann die Universitätsprofessoren Carl Reinhold August Wunderlich und Carl Thiersch um Ersatz für das mittlerweile baufällig gewordene „Institut für den klinischen Unterricht im Jacobshospital“– und schlugen die Nutzung eines Waisenhauses im östlichen Stadtzentrum als ständiges Krankenhaus vor.

Oben: Der UKL-Campus im Jahr 2020. Unten: Das städtische Krankenhaus St. Jakob im Eröffnungsjahr 1871 aus der Vogelperspektive. Quelle: UKL

Das 1864 fertiggestellte Gebäude in der Waisenhausstraße (heutige Liebigstraße) wurde nie für seinen ursprünglichen Zweck genutzt, fungierte aber zwischenzeitlich als Reserve-Lazarett. Dabei stellte man schnell fest, dass sich das Gebäude gut als Krankenhaus eignete.

Das Waisenhaus wurde als zentrales Gebäude mit Baracken durch geschlossene Gänge für einen sicheren Krankentransport verbunden. Die Baracken boten Platz für 24 bis 44 Betten, verfügten über Aufenthaltsräume, Räume für das Pflegepersonal und waren zum Teil mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Jede Baracke besaß einen Wäscheschrank, eine Teeküche und eine „Glasveranda“ Richtung Park, denn Luft und Licht betrachtete Carl Thiersch als „unbezahlte und unbezahlbare Hilfsärzte“.

Das „Städtische Krankenhaus zu St. Jakob“ wurde am 2. April 1871 mit 350 Betten eröffnet, weitere klinische und theoretische Einrichtungen siedelten sich an – was auch als Ausgangspunkt für die Entstehung des Medizinischen Viertels rund um die heutige Liebigstraße gesehen wird.

Das Fachgebiet der Neurochirurgie am UKL

Vor fast 67 Jahren entstand die heutige Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Die damalige Neurologisch-Psychiatrischen Klinik hatte bereits eine entsprechende Abteilung, die sich ursprünglich in der ersten Etage eines Wohnhauses in der Emilienstraße 30 befand – aus dieser wurde 1954 eine eigene Klinik. Sie ist seitdem nicht nur mehrfach umgezogen, sondern hat sich auch rasant weiterentwickelt.

Seit 2003 befindet sich die Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie in der Liebigstraße, wo sich eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachbereichen zum Nutzen der Patienten bestens umsetzen lässt.

Heutzutage ist es unvorstellbar, im Kopf etwas ohne Diagnostikverfahren wie Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT)zu lokalisieren. Es zeugte daher von viel Courage, mit der die ersten Neurochirurgen (die Anfänge des Fachgebiets reichen immerhin 6000 Jahre zurück) mit den zu ihrer Zeit jeweils vorhandenen Behandlungsmethoden Patienten helfen wollten.

Historische Aufnahme einer neurochirurgische Operation im Operationssaal in der Johannisallee. Quelle: UKL

Beispielsweise standen dem ersten Direktor der Neurochirurgischen Klinik, Prof. Georg Merrem, in den 1950er Jahren dafür nur exakte neurologische Untersuchungen zur Verfügung, zudem das Elektroenzephalogramm (EEG) sowie die Darstellung der Hirngefäße und Hirnkammern. Anatomische Strukturen definierte man in einem Hirnatlas, mit dessen Hilfe die Chirurgen ihre Instrumente punktgenau einführen konnten.

Zu der Zeit waren auch die Anästhesie und die Blutstillung noch in ihren Anfängen, deshalb brauchte es große Visionen und Hoffnungen.

Die Sterblichkeit während der Operation lag damals noch bei etwa 30 Prozent. Heutzutage sind diese Eingriffe viel sicherer und die Hauptaufgabe besteht darin, funktionserhaltend zu operieren.

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Neurochirurgen nutzen zur Behandlung von Erkrankungen von Gehirn, Rückenmark, Schädel und Wirbelsäule umfassende diagnostische Möglichkeiten. Abläufe von Operationen lassen sich trainieren und Erkenntnisse der speziellen Neuroanatomie und Neurophysiologie helfen, Hirnfunktionen besser zu verstehen.

Dank modernster Hochleistungsoperationsmikroskope und Navigationssysteme manövrieren Chirurgen millimetergenau, können während der OP auf das riesige Bildarchiv der Radiologie zugreifen und Ultraschall- und Endoskopiegerät lassen sich blitzschnell anschließen.

Von Anja Grießer