Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
UKL aktuell Weniger Silvester-Verletzungen am UKL nach Böllerverbot
Thema Specials Universitätsklinikum Leipzig UKL aktuell

Weniger Silvester-Verletzungen am UKL nach Böllerverbot

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
14:06 13.01.2022
Solche Böller sollten zum Jahreswechsel möglichst keine Verletzungen verursachen - das hofften die Ärzte des UKL. Sie konnten somit dem erneuten Böllerverbot etwas Gutes abgewinnen.
Solche Böller sollten zum Jahreswechsel möglichst keine Verletzungen verursachen - das hofften die Ärzte des UKL. Sie konnten somit dem erneuten Böllerverbot etwas Gutes abgewinnen. Quelle: Stefan Straube
Leipzig

„Jedes Silvester haben zehn bis 20 Kinder aus der Region Leipzig durch Böller schwere Verletzungen davongetragen, die nicht selten lebenslange Folgen hatten. Außer 2020/21: Da hatten wir durch das coronabedingte Böllerverbot keinen einzigen Fall“, begrüßte der Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL), dass auch an diesem Jahreswechsel die große Knallerei zu Silvester ausfiel: „Auch in dieser Neujahrsnacht war nicht viel los. Zugespitzt könnte man sagen: Die Corona-Pandemie ist gut für die Kinderhände. Denn bei den normalen Jahreswechseln vor COVID-19 hatten wir regelmäßig Unfälle, bei denen Kindern ein oder mehr Finger abgerissen wurden.“

Solche schwerwiegenden Verletzungen können am UKL zum Glück für die Betroffenen sehr gut versorgt werden, weil die Kinderchirurgen mit ihren Kollegen vom Bereich Plastische, Ästhetische und Spezielle Handchirurgie um Prof. Dr. Stefan Langer interdisziplinär zusammenarbeiten. So kam so mancher Finger zwar wieder dorthin, wo er hingehört, aber eine Funktion wie vor dem Unfall könne aufgrund der Verletzungsschwere oft nicht erreicht werden.

Wobei in der eigentlichen Silvesternacht Kinder und Jugendliche meist nur leichte Verbrennungen davontrugen, beispielsweise durch das unsachgemäße Anzünden von Raketen. „Die schlimmsten Verletzungen entstanden immer am Neujahrstag“, erzählt. Prof. Lacher. „Da liegen die Eltern noch müde im Bett, und Kinder und Jugendliche nutzen das, um auf die Suche nach Blindgängern zu gehen. Diese Feuerwerkskörper sind hundsgemein gefährlich, weil es wegen der kurzen Zündschnur oft keine Zündverzögerung gibt und die Knaller oder Raketen sofort losgehen – mit den entsprechenden Folgen.“

Welche schlimmen Auswirkungen Feuerwerkskörper haben können, davon kann auch der Augenarzt Prof. Dr. Focke Ziemssen ein Lied singen. „In den Vor-Corona-Jahren hatten wir allein in Leipzig jeweils zwölf bis 16 Betroffene mit zum Teil schweren Verletzungen. 2020/21 aber gab es nur vier Patienten mit leichten Ausprägungen“, sagt der Direktor der Uni-Augenklinik.

UKL aktuell

Mehr News und aktuelle Informationen aus dem Universitätsklinikum Leipzig lesen Sie hier!

30 bis 40 Prozent der schweren Verletzungen durch Feuerwerkskörper hätten leider Kinder und Jugendliche als Zuschauer und Passanten betroffen. „Die positiven Effekte, also vermiedene Erblindungen, sind aus Ländern wie Schweden, Finnland oder den Niederlanden durch Verbote vor Corona bekannt.“

Auch die vergangene Silvesternacht bezeichnet Prof. Ziemssen als eher ruhig – jedoch mit zwei schweren Verletzungen: „Insgesamt hatten wir nur sechs betroffene Patienten. Von diesen waren allerdings im Gegensatz zum Jahreswechsel 2020/21 zwei von besonders schweren Verletzungen betroffen und mussten stationär versorgt werden. Ein Patient hat durch einen Böller sehr schwere Mittelgesichtsfrakturen davongetragen und anderthalb Augen verloren. Der andere hatte aufgrund einer Verpuffung eine schwere Verätzung beider Augen.“

Von UN/MB