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WGT News Das waren die Konzerte beim WGT 2019
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WGT
17:25 10.06.2019
Goethes Erben betonen in ihrer Show im Eventpalast den internationalen, weltoffenen Charakter des Szenetreffens. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Noch wandeln die letzten schwarz Gewandeten durch die Stadt, aber das 28. Wave-Gotik-Treffen ist Geschichte. Einmal mehr zeigte sich das Besondere der international gefeierten Szene-Zusammenkunft: Kein auf die Wiese gezimmertes Festival, eine ganze Großstadt wird hier ganz selbstverständlich zum schwarzen Wunderland.

220 Künstler aus 20 Ländern

Das überbordende Programm von über 220 Künstlern aus etwa 20 Ländern zwingt zum Auswählen und der ein oder anderen Straßenbahn-Stadtrundfahrt. Darüber hinaus sollen schließlich Zeit und Kraft noch ausreichen fürs Flanieren, diese oder jene thematische Tanznacht und ganz einfach, um Leute zu treffen und ins Gespräch zu kommen.

Hat man Donnerstagabend die Schlange fürs Festivalbändchen durchgestanden, ist die offizielle Eröffnungs-Party in der Moritzbastei schon fast obligatorisch. Reichlich gute Laune versprühen hier alljährlich die „Elektro-Allstars“ um Haujobb-Star Daniel Myer: einem schwarzen Neujahrssingen gleich liefern sie ein buntes Coverporgamm von AC/DC bis Deichkind.

Hell Boulevard eröffnet im Täubchenthal

Den offiziellen Bandreigen eröffnen am Freitag im Täubchenthal die jungen Szeneenthusiasten Hell Boulevard vor ansehnlich vollem Haus: Mit ihrem punkigen Gothrock geben sie das passende Motto zum Wochenende: In Black we trust! Danach geht es zu einem der Hotspots des WGT, dem Agra-Gelände. Vor der Konzerthalle, zwischen Krapfen und Bowle darf seit vielen Jahren der Chemnitzer Straßenmusiker Noctulus nicht fehlen.

Den Abend beschließen derweil in der Halle die Indie-Pop- und Post-Punk-Aufsteiger White Lies mit zwar zurückgenommener Geste, dafür Kaskaden voller 80er-Melancholie.

Goethes Erben – Comeback nach 13 Jahren

Für gleich zwei Szenehelden, die schon zum ersten WGT 1992 auf der Bühne standen, ist die 28. Ausgabe der 30. Bandgeburtstag: Die wortwörtlich fast totgesagten Das Ich – Sänger Stefan Ackermann überstand 2011 mehrere Hirnblutungen – liefern am Freitagabend in der vollen Agra-Halle trotz Altersbäuchlein eine beeindruckende Show mit aufwendigem Make Up, phantasievoll beweglichen Aufbauten und reichlich Theatralik, ganz im Sinne der von ihnen mit begründeten „Neuen Deutschen Todeskunst“. Dazu zählten dereinst auch Goethes Erben. Musikalisch inzwischen deutlich vielschichtiger, präsentieren sie einen Tag später im Volkspalast neben Klassikern ihr erstes Album seit über 13 Jahren. Ihr Comeback feiern sie auf dem WGT zusätzlich mit zwei Kammerkonzerten am Sonntag im Schauspielhaus.

220 Künstler aus 20 Ländern traten beim WGT in diesem Jahr auf. Wir waren bei Goethes Erben, Das Ich , White Lies und In Extremo dabei.

Das Ich und Goethes Erben betonen darüber hinaus gern und deutlich sowohl den internationalen, weltoffenen Charakter des Szenetreffens, als auch ihre Ablehnung nach rechts rückender politischer Tendenzen von hier bis in die USA.

Ebenfalls nicht unpolitisch entlassen am Samstag die NDW-Punk-Pioniere der Fehlfarben im Haus Leipzig das Publikum mit ihrem wegweisenden 1980er-Debut „Monarchie und Alltag“ in die Partynacht.

Zur Matinee-Zeit am Sonntag konnte man sich von Ex-Lucilectric Lucy van Org mehr oder weniger erotisch von bissigen Vaginen vorlesen lassen. Später zogen der Leipziger Autor David Gray, zusammen mit dem „Bukowski von Pößnek“, M. Kruppe, mit „Tentakelsex“ nach.

Hunderte Fächer wedeln durch den Felsenkeller

Musikalisch präsentieren sich am frühen Abend auf der Agra die amerikanischen Death-Rock-Legenden Christian Death zwar stilecht, jedoch recht unterspannt. Und da man London After Midnight ähnliche Live-Defizite nachsagt, begibt man sich später lieber in den Felsenkeller zum wohl heißesten Konzert des Wochenendes: Hunderte Fächer wedeln im schnellen Takt der Symphonic-Black-Metal Könige Cradle of Filth. Bestens aufgelegt freuen sie sich, dem alljährlichen „Gothic Christmas“ beizuwohnen, wie sie das WGT nennen. Auf halbem Wege lässt man sich dazwischen noch kurz in der Moritzbastei vom jungen französischen Duo Dear Deer in wunderbare Retro- Alternative-Noise-Welten entführen.

Weit nach Mitternacht trifft man im diesjährig zum WGT debütierenden Ilses Erika Donis, der nicht ohne Augenzwinkern ein spezielles Set von Love Is Colder Than Death präsentiert.

Selbst am Katermontag reicht das Programm noch bis zum nächsten Morgen. Wer noch Kraft hat, den baden im Täubchenthal zunächst die Depripunk-Legende Fliehende Stürme in einem Meer aus Weltschmerz, dafür gibt es schließlich von den britischen Clockwork-Orange Punks The Adicts reichlich Luftballons und Konfetti zum Abschied.

Von Karsten Kriesel

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